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Vier Wunder

25. April 2016
Bodo Ramelow Politik

Eines der Wunder: Patenkind Amelia (Foto: TSK)

Es gibt sehr viele schöne Termine, die man als Ministerpräsident wahrnehmen kann. Eine Reise zu Partnern nach Tatarstan zum Beispiel, eine Begegnung mit dem Papst, eine Pressekonferenz zum erfolgreichen Abschluss der Bahn-Schlichtung oder eine Eintragung ins Goldene Buch der eigenen Geburtsstadt. Eine wunderbare Erfahrung, die ich wohl kein zweites Mal machen werde, war gestern die Teilnahme an der Taufe von Vierlingen in Jena. Und ich durfte nicht nur teilnehmen, sondern mir war die Ehre angetragen worden, einer der Taufpaten zu sein. Das besondere an dem Quartett ist nicht nur, dass sie als Vierlinge auf die Welt gekommen sind. Damit sie gesund und munter auf die Welt kommen konnten, sind ihre Eltern aus Albanien geflüchtet. Die medizinische Versorgung in ihrem Heimatland war für so eine Situation schlicht nicht ausreichend.

Nun ist die Gesetzeslage so, dass die junge Familie von der Abschiebung bedroht ist. Ich halte das für großen Mist. Es gibt einen Freundeskreis in Jena, der sich um die Familie kümmert, mit ihnen deutsch übt, gemeinsam einkauft und bei allem Notwendigen unterstützt. Die Kinder sind hier geboren und wachsen gerade hier auf. Deshalb werde ich im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten alles dafür tun, damit die vier kleinen Wunder gemeinsam mit ihren Eltern in Thüringen bleiben können. Wunder gibt man schließlich nicht einfach so aus der Hand.

Zu Besuch bei Cranach in Moskau

19. April 2016
Bodo Ramelow Politik

Mit Irina Antonowa‎, der langjährigen Leiterin des Moskauer Puschkinmuseums.

Im Zentrum des ersten Tages meiner Reise nach Moskau und Kasan standen das Reformationsjubiläum und die Landwirtschaft. Der Tag begann mit dem Besuch der großen Cranach-Ausstellung im Moskauer Puschkinmuseum. Sie ist in mehrfacher Hinsicht eindrucksvoll. Der von Cranach und seiner Werkstatt so unvergleichlich in seinen Gemälden zur Anschauung gebrachte Geist der Reformation ist reiner ästhetischer Genuss. Die Bilder wirken gemeinsam in ihrer Schönheit.

Politisch wäre eine solche Ausstellung die erstmals Cranach Gemälde aus Russland und Gotha zusammenbrachte vor noch nicht allzu langer Zeit undenkbar gewesen. Es ist nicht zuletzt einer Initiative meiner Amtsvorgängerin Christine Lieberknecht und der früheren Direktorin des Puschkinmuseum Irina Antonowa‎ zu verdanken, dass diese umfassende Werkschau jetzt zu sehen ist. Das Interesse ist riesig, die Moskauer stehen Schlange, an Wochenenden drängen sich bis zu 7000 Besucher in die Ausstellung. Und ein glücklicher Zufall will es so, dass ich Frau Antonowa sogar persönlich begegne. Sie ist ins Museum gekommen, weil ein Monet geliefert wird, der bald erstmalig außerhalb Frankreichs gezeigt wird.

Debatten sollten mit Fragen beginnen, nicht mit Antworten

31. August 2015
Bodo Ramelow Politik

Friedensfest in Weimar, im Hintergrund der Chor des DNT

Als ich am Samstag in Weimar war, hat mich der Opernchor des Nationaltheaters mit einer Passage aus Verdis Nabucco in Empfang genommen - dem Gefangenenchor. Ich sah die Sänger aber lieber als freie Demonstranten denn als babylonische Gefangene, denn es ging ja nicht darum, mir ein Ständchen zu singen, sondern in der Debatte um die Zukunft der Thüringer Theater- und Orchesterstruktur sollte ein kraftvolles Signal gesetzt werden. Das finde ich erstmal richtig und wichtig. Ich habe aber auch geantwortet, dass wer Fragen hat, die Antworten nicht scheuen braucht. Es gibt einen Dialogprozess unter Leitung des Kulturministers Benjamin-Immanuel Hoff und der für Kultur zuständigen Staatssekretärin Babette Winter und ich finde es absolut richtig, wie die beiden an die Sache herangehen. Deswegen muss ich auch gar nicht mehr dazu sagen. :o)

Es gibt ein anderes Thema, zu dem ich mich hier etwas ausführlicher äußern will: Die ostdeutschen Ministerpräsidenten haben sich am Wochenende in der WELT in seltener Geschlossenheit zu Wort gemeldet und davor gewarnt, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Hass auf Flüchtlinge als primär ostdeutsche Phänomene zu bearbeiten. Auch ich wurde in den meisten Meldungen mit dem Satz zitiert „Wir reden von einem gesamtdeutschen Problem, das wir gesamtdeutsch bekämpfen müssen.“ Dies hat Widerspruch ausgelöst. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz sagt, es gebe im Osten eine größere Bereitschaft zu einer fremdenfeindlichen Radikalisierung als im Westen. Und die BILD-Zeitung veröffentlicht eine Kaskade von Zahlen, die belegen sollen, dass der Osten tatsächlich im Schnitt fremdenfeindlicher und demokratieferner eingestellt ist, als der Rest der Republik.

Kulturelle Vielfalt

15. Mai 2015
Bodo Ramelow Politik, Kultur

Im Gespräch mit der Flüchtlingsfamilie und ihren Erfurter "Patengroßeltern", Foto: TSK/ Katrin Bäßler

Viele Eindrücke der zurückliegenden Woche liegen im Spannungsfeld von Kultur und Vielfalt. Ein wunderbares Beispiel für Willkommenskultur durfte ich am Mittwoch erleben, als eine Flüchtlingsfamilie gemeinsam mit ihren deutschen „Patengroßeltern“ bei mir im Büro zu Gast war. Die Familie war vor fünf Jahren vor dem Krieg in ihrem Heimatland Irak geflohen. Als sie in Erfurt angekommen waren, hat sich dann die Freundschaft zu einem älteren Ehepaar aus der Nachbarschaft entwickelt. Die beiden unterstützen die Familie bei vielen alltäglichen Sorgen. Ich möchte einfach nur Danke sagen für dieses Engagement.

Heute war ich in Weimar bei der Pressekonferenz anlässlich der Eröffnung der „Liszt Biennale“. Mit diesem Festival, das vom 20. bis zum 25. Mai an verschiedenen Orten in ganz Thüringen stattfindet – u.a. im Festsaal der Wartburg, im Erfurter Dom, im Weimarer Stadtschloss und im Meininger Theater – wird das Werk des großen Komponisten lebendig gehalten. Das komplette Programm gibt es auf thueringen-entdecken.de.

Charmantes Handelsblatt

03. Januar 2015
Bodo Ramelow Politik, Kultur

Charmante Bildunterschrift im Handelsblatt

Am Neujahrstag war ich traditionell im Kaisersaal zum Neujahrskonzert. Dabei durfte ich ein kurzes Grußwort sprechen und da das Konzert vom Sorbischen National-Ensemble gegeben wird, habe ich in meinem kurzen Beitrag meine Besorgnis über die Drohungen gegen die Sorben in Sachsen zum Ausdruck gebracht. Der MDR hat mehrfach darüber berichtet, dass Sorben eingeschüchtert und sogar angegriffen werden. Ich finde das schrecklich. Thüringen ist solidarisch mit unseren sorbischen Freundinnen und Freunden und wir sind dankbar, dass das National-Ensemble zum ersten Konzert des Jahres zu uns nach Erfurt gekommen ist.

Gestern war ich im Büro wegen einiger Termine und zum Bearbeiten von Unterlagen. Beim Blick ins Handelsblatt musste ich sehr schmunzeln, denn dort wurde ich in der Bildunterschrift mal eben zehn Jahre jünger gemacht. Vom 48-jährigen Bodo Ramelow ist da die Rede. Unter solchen Umständen lasse ich mir natürlich gern eine neue Biographie verpassen. ;o)