Physisches und psychisches Pfefferspray

Am Samstag ging es für mich und viele andere nach Gera, um das sogenannte „Rock für Deutschland“ Konzert der Neonazis zu verhindern. Dem gemeinsamen Partei- und Verbändeübergreifenden Bündnis ist es gelungen den braunen Ungeist gehörig die Suppe zu versalzen. Es sind nicht einmal ein Drittel der erwarteten 1.000 Nazis gekommen und von dem kleinen Rest sind viele erst mit erheblicher Verspätung am Veranstaltungsort eingetroffen. Das war eindeutig der Verdienst der Aktiven vor Ort. Danke dafür.
Trotzdem muss ich festhalten, dass leider insgesamt zu wenige Bürgerinnen und Bürger teilgenommen haben. Auch waren zu wenige Geraer vor Ort um dem braunen Spuk zu beenden. Ohne einen Aufstand der Anständigen Bürgerinnen und Bürger, kann nur schwer verhindert werden, dass Gera zukünftig zu einem zentralen und regelmäßigen Anlaufpunkt für rechtes Gedankengut wird.
Die ganze Stadt muss in Zukunft zeigen, dass es in Gera keinen Platz gibt für Hassveranstaltungen von Neonazis. Dafür ist eine besser Zusammenarbeit und deutlich mehr Unterstützung von Seiten der Stadt und den zuständigen öffentlichen Stellen notwendig. Während der verschiedenen Protestkundgebungen und ‑punkt zwischen denen ich hin- und herpendle, muss ich immer wieder meinen Landtagsausweis zücken um dem verwunderlichen Treiben der Polizeieinsatzkräfte nachzugehen und ich versuche dabei aufklärend und deeskalierend zu wirken.
Aber auch als Abgeordneter bin ich nur ein normaler Bürger, der die braune Brut satt hat und so umgibt mich keine schützende Aura, als ein Pfeffersprayeinsatz der Polizei neben vielen anderen Protestierenden auch mich erwischt und ich sofort würgen muss und meine Augen anfangen zu tränen. Glücklicherweise ist sofort ein junger Mensch mit Wasser zur Stelle und ich kann meine Augen ausspülen.
So habe ich und viele andere das Gefühl, dass an diesem Samstag in Gera nicht wir die Nazis blockieren, sondern dass die Polizei uns und unsere friedlichen und angemeldeten Kundgebungen blockiert.
Unsere Pressemitteilung zur Veranstaltung
Weitere Infos unter www.gera-nazifrei.com
Bildergalerie auf flickr

Während ich in Gera auf der Bühne des Runden Tischs zu den Anwesenden spreche, erreicht mich per Mail ein Text aus Hechingen. Das freut mich um so mehr, da ich während meiner Rede auf die Hechinger Juden und die Verwurzlung in der Deutschen Kultur hingewiesen habe (Hier geht es zum Kommentar von Dr. Vees, der/dem TagebuchleserIn bereits als uns Stadtführer in Hechingen bekannt ist.).
Die Lektüre der Thüringer Allgemeinen am Morgen hat mir auf den Magen geschlagen. Ich weiß nicht ob es Vorsatz, Bösartigkeit oder Unfähigkeit ist, ein Betriebsunfall kann es jedenfalls nicht sein. Das man aus unsere Presseerklärung (hier der Link) einen Fragesatz der ein entweder und ein oder beinhaltet einfach manipuliert indem man das oder und den weiteren Text abschneidet ist schon sehr seltsam.
Schon in der Überschrift wird die präzise Bezeichnung der katholischen Kirche weggelassen und nur Kirche allgemein benannt. Im Text wird dann der Satz aus der Presseerklärung zitiert und dann das Zitat mitten im Satz abgeschnitten. Der Satz lautet richtig: „(…) angesichts der Sexualmoral, die der Vatikan vertritt, angesichts des Umgangs mit Homosexuellen, mit der Gleichberechtigung von Frauen in der Katholischen Kirche, angesichts der Haltung zu verschiedenen Lebensentwürfen, aber auch angesichts der Frage, ob die Katholische Kirche Teil der Gesellschaft ist oder außerhalb von Rechtsnormen steht.“ Dieser Satz bezieht sich eindeutig auf die sexuellen Missbrauchsfälle und den ursprünglichen Versuch des Vatikans in einigen Ländern ihren Amtsträgern zu empfehlen bei diesen schweren Vorwürfen nicht mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen zu arbeiten. Hier hat es auch in Deutschland anfänglich Unklarheiten gegeben.
Für jede und jeden der ohne Vorurteil den Text unserer Pressemitteilung liest wäre die entweder oder Fragestellung im Text selbsterklärend. Nur die Thüringer Allgemeine komponiert durch weglassen eine andere Diktion. Selbst im Schlusssatz schiebt der Autor mir eine Antwort zu, obwohl mir diese Frage gar nicht gestellt wurde. Ich werde mich wohl mit diesem Text am Wochenanfang nochmal sehr intensiv auseinandersetzen müssen.
Die Marktmacht der WAZ-Gruppe wird mir dann am Abend deutlich, als ich diesen manipulativen Artikel beim Onlineangebot des Allgemeine Anzeiger (eine kostenlose Anzeigenzeitung) zu sehen bekomme und sogar auf der Startseite der TLZ ist er abgebildet. Das passiert, obwohl die TLZ einen eigenen korrekten Bericht in der Printausgabe abgedruckt hatte. Hier wir nicht einmal mehr der Versuch unternommen die Trennung der verschiedenen Blätter vorzunehmen.
Die redaktionelle Arbeit der TA wirkt auf mich so ähnlich wie meine Premiere beim einatmen von Pfefferspray.