Der Erfurter Schatz

Der für mich mit Abstand wichtigste Termin heute war meine Teilnahme am Festakt zur Eröffnung der Alten Synagoge als Museum. Dass nun endlich ein Platz da ist, an dem für alle zugänglich an die wechselvolle jüdische Geschichte in der Stadt Erfurt erinnert werden kann, macht mich sehr glücklich. Und wie ich beim Festakt im Rathaus feststellen kann, bin ich mit dieser Freude nicht allein, denn alle Stühle sind komplett belegt, als die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, zur Museumseröffnung spricht.

In der Dauerausstellung wird nicht nur deutlich, wie tief das Judentum angesichts der über 900-jährigen Geschichte der Alten Synagoge hier verwurzelt ist. Es wird auch klar, dass es eine fast ebenso lange Geschichte des Antisemitismus gibt. Schließlich wurde der Schatz, der das Kernstück der Ausstellung ist, im Jahr 1349 in der Erfurter Erde vergraben, weil er vor einem Pogrom geschützt werden sollte. Die jüdische Bevölkerung wurde damals für den Ausbruch der Pest in der Stadt verantwortlich gemacht. Schon damals wurden also Minderheiten und insbesondere das Judentum bar jeder Vernunft für Missstände und Tragödien in Haftung genommen. Gerade wegen dieser schändlichen Tradition sollten wir besonders wachsam sein und uns deutlich gegen jede Form von Ausgrenzung und Antisemitismus stellen.

Neben der Erinnerungskultur ist es aber auch die Schönheit des Schatzes an sich, die Besucher in die Ausstellung locken sollte. Zweifelsfreier Höhepunkt ist der jüdische Hochzeitsring, der schon allein durch seine Ausmaße beeindruckt. Von dieser Art Ring gibt es weltweit nur noch drei Exemplare. Wer mehr über die Ausstellung wissen möchte, kann sich auf der Internetseite der Alten Synagoge informieren (http://www.alte-synagoge.erfurt.de) oder das Museum am besten direkt besuchen.