Morgendliche Café-Gespräche

Um fünf Uhr aufstehen – puh – müde. Nach einem schönen Essen mit Freunden am gestrigen Abend endet die Nacht sehr abrupt. Für eine kurze Zeit könnte ich den Wecker erschlagen. Kurz nach sechs muss Germana im Zug nach Berlin sitzen und ich habe zwei Stunden Zeit, um in Ruhe in einem Café  am Domplatz zu frühstücken. Schnell am Bahnhof alle Thüringer Zeitungen gekauft und mich gemütlich im Café eingerichtet – das war der Plan. Zum gemütlichen Zeitungslesen kommt es natürlich nicht, denn schon nach einer Viertelstunde werde ich erkannt und befinde mich in einem intensiven Gespräch über die Sorgen eines mittelständischen Blumenzüchters. Was ich da zu hören bekomme, ist wirklich traurig.

Nicht nur explodierende Spritpreise, sondern auch ignorante Behörden vergällen einem engagierten Unternehmer das Leben. Der Prozess wegen eingezogenem Grund und Boden vom zuständigen Autobahnamt zieht sich nun in die x‑ste Runde. Es kostet Unmengen Kraft und Geld. Über so viel Behördenignoranz kann ich nur den Kopf schütteln, denn erst bekommt er sein Land entzogen und dann kommentarlos wieder zugeordnet. Themen wie ein Ausgleich für entstandenen Schaden spielen für die Amtsleitung offenkundig keine Rolle. Da muss der gute Mann klagen, klagen, klagen. Aber er erzählt mir auch von einem Kampf, vor seinem Blumengeschäft in Erfurt Frischware präsentieren zu können. Auch da: monatelanger Kampf. Ich kann Bürger gut verstehen, die unter solchen Umständen fragen, ob die Bürger für die Verwaltung oder die Verwaltung für die Bürger da ist. Wir verabreden, dass ich seinen Betrieb anschauen werde und ich notiere mir kopfschüttelnd seine Adresse.

Ein paar Minuten später setzt sich ein freundliches Ehepaar zu mir, spricht mich mit Namen an und erzählt mir, dass sie eigentlich in Berlin leben, er aber Erfurter sei. Der Mann entpuppt sich als profunder Kenner der Arbeit unserer Berliner Senatoren und lobt anhand mehrerer Beispiele die Arbeit unseres Wirtschaftssenators Harald Wolf. Dann drücken mir beide freundlich die Hand und wünsche mir alles Gute für den bevorstehenden Wahlkampf.

Bevor ich um neun zu meinem ersten Termin komme, habe ich schon einen erhellenden Morgen im Café am Domplatz verbracht. Danach ergeben sich ununterbrochen Gespräche über mögliche Kandidaturen für die im nächsten Jahr anstehenden Wahlen und da sich einige davon sehr erfolgreich angelassen haben, warten wir jetzt auf den Prozess, dass Ideen reifen müssen. Da verbietet die Höflichkeit, sich hier und jetzt weiter in Details zu verbreiten. Das eine oder andere Ergebnis des heutigen Tages wird man im Wahlkampf besichtigen können. Ich freue mich schon sehr auf die verblüfften Gesichter.