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22. September 201618:52

Keine Stimmung auf Kosten der Ärmsten machen!

Keine Stimmung auf Kosten der Ärmsten machen!

Oder: Wie die BILD ihre Schlagzeilen produziert

Können Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sich folgende Schlagzeile in der BILD-Zeitung vorstellen: „Mehr Geld für Yachten und Schmuck – Bund und Länder beschließen Steuererlass für Millionärskinder“? Können Sie nicht? Klar, wer weiß, was die Nutznießerinnen und Nutznießer großer Erbschaften mit dem Steuererlass anstellen, den ihnen das Vermittlungsergebnis von Bund und Ländern zur Erbschaftssteuer zugesteht. Es sind jedenfalls Menschen mit Grundrechten und einer Würde, denen wir oder irgendeine Zeitung nichts zu unterstellen haben, schon gar nicht ohne irgendeinen Beweis.

 

 

Bei anderen Mitgliedern unserer Gesellschaft ist die BILD nicht so zimperlich. Menschen, die von Hartz IV leben müssen, gehen mit zusätzlichem Geld zum Beispiel erst mal zum Zigarettenautomat und dann in die Kneipe. Anders lässt sich ein Artikel in der heutigen Bundesausgabe der BILD gar nicht verstehen. „Mehr Hartz für Kneipenbesuche“ wird dort getitelt und dann erst berichtet, dass die Bundesregierung höhere Hartz-IV-Regelsätze beschlossen hat (nicht ohne zu vergessen, die Kosten dafür zu nennen: 590 Millionen Euro pro Jahr), um dann darauf hinzuweisen, dass Sozialverbände „deutlich mehr Stütze“ wollen,  „ausgerechnet für Alkohol und Tabak!“ 17 Euro für Tabak und Alkohol, und noch mal 24 Euro für Gaststättenbesuche. Donnerwetter, sagt der empörte Leser. Da gibt man den Arbeitslosen mal ein paar Euro mehr, und schon gehen sie in die Kneipe und verjubeln es. Kennt doch jeder. Aus dem Fernsehen. Aus der BILD.

 

 

Auch aus der Wirklichkeit? Wohl kaum. Unsere Gesellschaft hat sich nämlich so wunderbar in der Spaltung zwischen unten, Mitte und oben eingerichtet, dass es kaum noch direkte Kontakte zwischen den Angehörigen der verschiedenen sozialen Schichten gibt. Mittelschichtkinder bleiben unter sich, am besten sogar alle in einem Gymnasium in der Mitte der Stadt. Arme Kinder bleiben unter sich, auf dem Hof ihrer Plattenbausiedlung. Wir gehen nicht mehr in dieselben Schulen, nicht mehr in dieselben Läden, schauen nicht mehr dieselben Fernsehprogramme, halten uns nur noch ganz selten in denselben Stadtteilen auf. Die soziale Spaltung im Alltag ist der Nährboden für soziale Vorurteile. Der Dünger sind Artikel wie der zitierte aus der heutigen BILD.

 

 

Nebenbei kann man an diesem BILD-Artikel sehen, wie das journalistische Flaggschiff des Springer-Verlags arbeitet. „Mehr Hartz für Zigaretten und Alkohol? Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (60) stimmt zu“, darf der erstaunte Leser nämlich in besagtem BILD-Artikel lesen. Und glauben Sie mir, erstaunt war ich auch. Denn die Frage, die mir BILD am Tag zuvor schriftlich übermittelte, klang noch etwas anders:

 

 

„In unserer morgigen BILD-Ausgabe berichten wir noch einmal über die höheren Hartz IV-Sätze und auch die Kommentierung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, der die neuen Sätze für zu niedrig hält und vor allem für Teilhabe (Freizeit, Kultur, Gaststättenbesuche usw.) mehr Geld fordert. Ich würde in diesem Zusammenhang herzlich um ein schnelles Zitat von Ministerpräsident Ramelow bitten. Würden auch Sie die weitere Erhöhung der Hartz-Sätze zu diesem Zwecke befürworten?“

 

 

Ich wurde also gefragt, ob ich eine Erhöhung des Regelsatzes im Bereich der gesellschaftlichen Teilhabe befürworte, für Kultur, für Freizeitangebote, für einen Kinobesuch, und neben vielem anderen auch für Genussmittel. Das tue ich, und dazu stehe ich auch. Daher lautete meine Antwort auch:

 

 

„Natürlich ist wichtig, dass die Hartz IV-Empfänger auch die Möglichkeit haben müssen, am kulturellen und gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Insofern ist die Kritik des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes nachzuvollziehen. Mindestens ebenso wichtig ist aber, dass wir den Menschen Wege aus der Langzeitarbeitslosigkeit ebnen, ihnen die Chance geben, ihren Lebensunterhalt wieder aus eigener Arbeit bestreiten zu können. Statt Arbeitslosigkeit muss endlich vernünftig bezahlte Arbeit organisiert und finanziert werden.“

 

 

Ja, ich bin dafür, dass wir die Hartz-IV-Logik überwinden. Ich will soziale Sicherheit und gute Arbeit zu fairen Löhnen. Wenn wir ein Land für alle sein wollen, dann ist das der Anspruch, an dem wir uns orientieren müssen. Ob aus mehr Geld in der Tasche ab und zu auch mal ein Päckchen Tabak mehr wird oder ein Bier in der Kneipe, ich weiß es nicht, aber ich will es auch gar nicht wissen, weil ich keinen Schnüffelstaat will, der den Armen genauso wenig in die eigene Wohnung hinein folgt wie den Reichen. Ich rufe Arbeitslose nicht zum Rauchen und Trinken auf. Aber die BILD-Zeitung rufe ich dazu auf, an ihren journalistischen Methoden zu arbeiten, und nicht Stimmung auf Kosten der Ärmsten in unserer Gesellschaft zu machen.

 

 

Mehr Zukunft wagen. Mehr Hoffnung wagen. Das Lager der Offenheit stärken

Das heutige Wahlergebnis hat mich nicht überrascht. Es ist nicht vom Himmel gefallen, und es war auch nicht alternativlos. Es ist ein Grund zum Nachdenken. Deutschland steuert durch die größte Turbulenz seit der Wiedervereinigung. Ich musste heute an eine Rede denken, die mehr als neun Jahre alt ist. Es war die Rede, die Gregor Gysi auf dem Gründungsparteitag der LINKEN im Juni 2007 hielt. Er hat damals die Gründung der LINKEN als Baustein für die Vollendung der Einheit charakterisiert, und er hat damit den Anspruch formuliert, dass Impulse von links die Vollendung der inneren Einheit voranbringen. Und es ist auch nicht so, dass seitdem nichts passiert wäre. Aber es ist für viele eben zu wenig. Viele Menschen werden ungeduldig angesichts der vielfältigen Spaltungen, von denen unser Land durchzogen ist. Wir sind weit davon entfernt, ein Land für alle zu sein. Viele Menschen haben Angst, dass sie in diesem gespaltenen Land auf eine Schattenseite verbannt sind. In dieser Situation erleben wir eine Wiederauferstehung des Ausgrenzungsdenkens in allen Teilen des Landes. Wir erleben, dass skrupellose Hetzer nicht nur die Sprachbilder aus der NS-Zeit wieder salonfähig machen, sondern auch die Politik in genau diesem Geist bestimmen wollen.


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31. August 201611:16

Zurück oder nach vorn?

Mein Vorschlag für eine Modernisierung des deutschen Staatsbürgerschaftsrechts hat Staub aufgewirbelt. So viel Staub, dass nun sogar in dieser Woche der Thüringer Landtag in einer Aktuellen Stunde auf Antrag der CDU-Fraktion darüber beraten wird. Ich freue mich auf diese Debatte, die sicher lebhaft und hoffentlich auch aufklärerisch wird. Ich stehe zu meinem Vorschlag, in Deutschland geborenen Kindern sehr vereinfacht  die deutsche Staatsbürgerschaft zuzuerkennen. Wer hier geboren ist, muss auch von Anfang an integriert werden und dazu gehören können. Mit dem vereinfachten Zugang zur deutschen Staatsbürgerschaft sagen wir den Kindern, und im Übrigen auch ihren Familien: Ihr sollt zu uns gehören. Ihr habt Rechte. Ihr habt Pflichten. So wie alle anderen, die hier leben.

Ebenso kontrovers wurde mein Vorschlag diskutiert, den geschätzt etwa 200.000 untergetauchten Ausländer/innen in Deutschland die Perspektive auf einen legalen Aufenthaltsstatus zu eröffnen. Auch hier wünschte ich mir etwas mehr aufgeklärte Gelassenheit in der Diskussion. Die Behauptung, mit einem derartigen „Angebot“ schaffe man eine „Sogwirkung“ auf Migrant/innen nach Deutschland geht völlig an der Realität vorbei. Ich weiß nicht, ob irgendwer ernsthaft glaubt, eine syrische Familie in Aleppo oder Raqqa würde auf ein Selfie mit Merkel oder ein Interview mit Ramelow warten, um den Entschluss zur Flucht nach Europa zu fassen,dann jahrelang illegal Schwerstarbeit zu leisten und dann auf eine weitere Amnestie zu warten. Es genügt ein Blick in die abendlichen Nachrichten, um zu begreifen, dass es die russischen, syrischen und amerikanischen Bomben und bewaffnete Terrorbanden sind, die Fluchtbewegungen auslösen. Es mag sein, dass Merkels „Wir schaffen das“ vor einem Jahr eine Ankündigung war, auf die zu wenig politische Substanz folgte, um ein ganzes Land auf eine schwierige Reise mitzunehmen. Inzwischen haben wir aber allen Anlass, unsere politischen Debatten wieder etwas zu rationalisieren und den von rechts geschürten Ängsten einen realistischen und humanistischen Politikansatz entgegen zu setzen.


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Unterirdische Erkundungen

Unteridische Erkundungen

Endlich ist es richtig Sommer geworden, Ferienzeit, und die Sonne lässt Thüringen nicht im Stich. Mich hat es aber eher unter die Erde gezogen. In der vergangenen Woche habe ich gemeinsam mit unserer Umweltministerin Anja Siegesmund die stillgelegte Kali-Grube Merkers besucht. Wir haben uns über den Stand der Sicherungsmaßnahmen informiert. Natürlich habe ich als Thüringer Ministerpräsident die Interessen des Freistaats zu vertreten. Mir war und ist deshalb wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen dass wir es nicht ohne weiteres akzeptieren können, wenn Thüringen allein für die Sicherung der stillgelegten Kali-Bergwerke zahlen soll. Hier haben uns die Vorgängerregierungen einen schlechten Deal hinterlassen, der die Milliardenlasten für die Sicherung der stillgelegten Bergwerke doch recht einseitig den Thüringer Schultern aufbürdet. Mir ist bis heute nicht plausibel erklärt worden, wie die damalige Regierung einer solchen Vereinbarung zustimmen konnte. Die einzige plausible (und für die damals Verantwortlichen auch ehrenrettende) Hypothese lautet, dass ihnen nicht alle Informationen über das Ausmaß der zu tragenden Risiken vorlagen. Genau das will ich prüfen lassen. Eine andere Prüfung ist aus meiner Sicht dafür gar nicht mehr nötig. Der Bund sucht im Moment nach einem geeigneten Standort für ein Atommüll-Endlager. Die Thüringer Salzstöcke kommen dafür aus meiner Sicht überhaupt nicht in Frage, gerade weil sie nicht trocken sind. Auch das werde ich als Thüringer Ministerpräsident bei jeder Gelegenheit wiederholen.

Davon, dass man aus der Thüringer Erde Rohstoffe fördern kann, ohne die Umwelt unnötig zu belasten, konnte ich mich auch in der vergangenen Woche beim 15jährigen Firmenjubiläum der DEUSA International GmbH in Bleicherode überzeugen. Dort durfte ich eine Festrede halten, und ich meine, Thüringen kann mehr als stolz auf das sein, was das einzige produzierende Kaliunternehmen in Nordthüringen dort gemeinsam mit seinen Beschäftigten geleistet hat. 50 Millionen Euro wurden dort investiert, fast 100 Arbeitskräfte gesichert und zum Teil neu geschaffen, und das alles mit modernen und umweltfreundlichen Verfahren des Solungsbergbaus. Es sind diese Beispiele, die mich zuversichtlich machen, dass Thüringen in den kommenden Jahren zu den europäischen Motorregionen vorstoßen kann, in denen ein ökologisch tragfähiger Wachstumspfad beschritten wird, ohne die Belange der Lebensqualität und der sozialen Sicherheit außer Acht zu lassen. Die DEUSA International GmbH hat im engen Zusammenspiel mit dem Freistaat in die Zukunft investiert, und jetzt werden die Früchte geerntet: Rentabilität, Nachhaltigkeit und sichere Jobs und eine lebenswerte Heimat für die Menschen. Weil wir ein Thüringen wollen, in dem sich ökonomischer Erfolg und ökologische Verantwortung ergänzen, sind wir auch in ständigen intensiven Gesprächen mit K+S, mit dem Unternehmen, mit dem Betriebsrat und mit der zuständigen Gewerkschaft. Es geht auch hier letztlich um die Sicherung von vielen Arbeitsplätzen und um die Sicherung eines Stückchens Heimat für viele Thüringerinnen und Thüringer.

In Interviews habe ich in den vergangenen Tagen einen seltenen Ausflug in die grundsätzlichen Fragen Bundespolitik gemacht, der mir nicht nur freundliche Reaktionen eingebracht hat. In einem Jahr sind Bundestagswahlen, und ich denke, es tut der Demokratie gut, wenn nicht schon vorher klar ist, wer nachher weiter im Kanzleramt regiert. Die einzige Möglichkeit zur Bildung einer Bundesregierung diesseits der Union ist ein Dreierbündnis meiner Partei mit SPD und Bündnis 90/DIE GRÜNEN. In Thüringen regiert ein solches Dreierbündnis seit über 1 ½ Jahren stabil, unaufgeregt und mit ungebrochener Reformfreude. Die Erfolgsvoraussetzung dafür war ist, dass wir uns die Freude am Gelingen durch die Konzentration auf die gemeinsamen politischen Schnittmengen erhalten. Wir können Thüringen gemeinsam voranbringen, den Freistaat sozialer, demokratischer und ökologischer machen, wie es unser Koalitionsvertrag vorgibt, ohne in jeder einzelnen Frage einer Meinung zu sein. Mir wäre auch im Bund eine progressive Regierung lieber als eine, die weiter die Illusion verbreitet, alles wäre soweit in Ordnung ist, dass es eigentlich so bleiben kann, wie es ist. Das kann es nämlich nicht. Es ist auch mir nicht entgangen, dass die politischen Schnittmengen zwischen den drei #r2g-Parteien vordergründig vor allem dazu geeignet sind, eine Perspektive für soziale und demokratische Reformen in Deutschland und Europa zu entwickeln.

Ich wusste, welche Reaktionen ich hervorrufen würde, als ich in einem Interview mit der Haltung zur NATO einen der heftigsten außenpolitischen Streitpunkte zwischen den drei Parteien aufgerufen habe. Ich habe das getan, weil ich auch auf dem Gebiet der Außenpolitik ausreichend Spielraum für eine bundespolitische Regierungsperspektive sehe, die dem LINKEN Identitätskern Geltung verschafft. Die Rückkehr zu einer Außenpolitik in der Tradition von Willy Brandt wäre ein lohnendes Projekt für eine progressive Bundesregierung, die weder auf die Einbindung Deutschlands in transnationale Sicherheitsnetzwerke verzichten, noch die Geltung völkerrechtlicher Verträge in Frage stellen könnte, aber eben auch nicht  die Unveränderlichkeit dieser Verträge anerkennen müsste.

Die Formulierung eines neuen Primats des Gewaltverzichts für die deutsche Außenpolitik, die konsequente Rückführung der deutschen Waffenexporte und die Stärkung der UNO durch die Zuweisung des globalen Gewaltmonopols an die multilaterale Staatengemeinschaft würden eine progressive Außenpolitik umreißen, die nicht mit einem Knopfdruck die Welt anders aussehen lassen, aber einen deutlichen Pfadwechsel für die Außenpolitik einleiten würde, der jedenfalls nicht im Widerspruch zur Grundsatzprogrammatik der LINKEN stünde. Man kann für die Auflösung der NATO und ihre Ersetzung durch ein kollektives Sicherheitssystem sein, ohne die Illusion zu verbreiten, Deutschland könnte ohne weiteres morgen sofort und vollständig aus der NATO austreten. Ersteres ist die Perspektive, die das Erfurter Programm der LINKEN aufmacht, letzteres steht dort nicht, und niemand, der das will, kann sich ehrlicherweise darauf berufen, um anderen den Mund zu verbieten.

Im Übrigen wären wir gut beraten, unsere programmatischen Grundsätze als Kompass für einen Prozess der Veränderung der Welt zu begreifen, und nicht als Kopiervorlagen, die vor allem dazu da sind, dass wir darauf immer wieder die Unterschiede zur real existierenden Welt markieren können. Diese Diskussion wird in meiner Partei geführt werden, weil sie geführt werden muss, egal wer da meint, dass sie nicht geführt werden darf, und dass diejenigen, die sie führen, die ideologische Reinheit der Partei gefährden. DIE LINKE wird zum Museum ihrer selbst, wenn sie sich damit begnügt, ein Ort zu sein, an dem immer wieder mit denselben Worten wiederholt wird, dass und wie die Welt eigentlich ganz anders aussehen müsste. Als Museumswärter werden wir nicht gebraucht.

5. Juli 201616:21

In 80 Tagen um die Welt

In 80 Tagen um die Welt

Der berühmte Roman von Jules Verne ging mir gestern durch den Kopf, als ich die Firma EAS Germany GmbH in Nordhausen besucht habe. Eine Firma, die in Nordhausen als Joint Venture einer Batteriefabrik und einem Technologiekonzern entstanden ist und hoch spezialisiert mit der Lithium-Ionen-Technologie Batteriezellen produziert. Praktisch ist es Handarbeit und man produziert maßgeschneiderte und exakt konfektionierte Batteriezellen, die sich weltweit unter spektakulären Bedingungen im Einsatz bewährt haben. 220 der in dem Foto gezeigten Zelle bestückt allein jede russische Protonrakete und somit fliegt ein Stück weit Nordhäuser Qualitätsarbeit immer mit ins Orbit.

Mit mehreren Raketenentwicklern sind die Vertreter von EAS nun im Gespräch, um auch anderen die notwendige Power zu geben, die Erde aus dem Orbit zu betrachten. Eine Möglichkeit, in 80 Tagen um die Welt zu kommen, ist aber ein sehr spektakuläres Schiff mit Namen MS Tûranor. Dieses solarbetriebene Schiff der Race for Water Foundation umrundet die gesamten Weltmeere in der so genannten Race-for-Water-Odyssey und erforscht die Plastikmüllverseuchung auf den sieben Weltmeeren. Dieses Projekt, was in der Schweiz gestartet wurde und nun auf seiner endlosen Reise um den Globus Daten, Fakten und Informationen sammelt über die unheimliche Vermüllung unserer Meere mit Plastik, fährt mittlerweile seit Jahren sicher und solide mit Speicherzellen aus Nordhausen. Maßgeschneidert und konfektioniert für dieses besondere Schiff reist ein Stück Nordhausen permanent um die Welt. Und die Einsatzmöglichkeiten dieser Speichertechnologie scheinen unbegrenzt zu sein und dringend notwendig.

Mit Sonne werden die Energiespeicher geladen und treiben ein Schiff emissionsfrei um die Welt. Ein Solarflugzeug hat gerade die Weltumrundung gemeistert und warum sollten zukünftige Antriebsmodule im Flugzeug oder im Auto nicht die notwendige Power aus Nordhausen bekommen? In Nordhausen selber wurde für den kombinierten Straßenbahn- und Harzquerbahnbetrieb eine besondere Fahrzeuggattung, der Combino, entwickelt. Dieser wird bislang durch einen Dieselmotor angetrieben. Warum sollte dies nicht in Zukunft mit Nordhäuser Speichertechnologie ersetzt werden? Die selbe Einsatzmöglichkeit geht mir durch den Kopf, wenn ich an die Mitte-Deutschland-Bahn denke, die immer noch nicht durchgängig elektrifiziert ist. Warum sollten nicht E-Loks mit diesen Speichermodulen kombiniert werden, um einen kompletten Zug ohne Umspannen von Lokomotiven zügig durch Thüringen zu bringen? All das als Anregung nehme ich mit und empfehle, auch mit den Stromversorgern Kontakt aufzunehmen, um über die Speicherung der so genannten volatilen Energien gemeinsam einen Entwicklungsweg einzuschlagen. Wenn die Sonne scheint und der Wind weht, haben wir Energieüberschüsse, die wir entweder mit Wasserkraft speichern oder mit Nordhäuser Batterietechnologie dann nutzbar machen können, wenn es eben dunkel oder windstill ist. Ein lohnenswerter Besuch in Nordhausen, der mir wieder zeigt: Thüringen ist an vielen Stellen vorne dabei und mit den Batteriezellen in den Protonraketen sind wir auch permanent im Weltraum unterwegs. In 80 Tagen um die Welt mit der Firma EAS aus Nordhausen kein Problem. Auf den Speicher kommt es an.

Am Nachmittag habe ich überraschend Besuch von Uli Hauser. Ein Journalist vom Stern, den ich seit den schrecklichen Ereignissen am Gutenberg-Gymnasium kenne. Uli Hauser kümmert sich um Aussteigerprogramme von Rechtsextremen genauso intensiv wie um das Festival in der Kölner Keupstraße. Das schreckliche Nagelbombenattentat in der Keupstraße hat nicht nur schlimme körperliche Spuren, sondern auch seelische Quälereien bei allen Betroffenen hinterlassen. Lange Zeit wurde gegen die Opfer ermittelt und heute wissen wir, die Täter kamen aus Thüringen. Aber auch die Frage, was machte eigentlich der hessische Verfassungsschutzmitarbeiter Temme nicht nur am Tatort in Kassel, als der braune Terror zuschlug, sondern offensichtlich ist seit gestern auch bestätigt, dass Herr Temme am Tag des Keupstraßenattentats in Köln ganz zufällig auch in Köln war. Hier haben Untersuchungsausschüsse doch noch viel Arbeit zu leisten. Uli Hauser ist aber derzeit auf Pilgertour unterwegs und so freue ich mich, ihn zu treffen, kann ihm aber auch meinen Lutherwegpilgerstab stolz zeigen, denn immerhin habe ich in der vergangenen Woche die Schirmherrschaft über das Projekt Lutherwege übernommen. Da ich in meinem Büro noch einen Wanderstock aus Lindenwerra habe, den ich vom Blinden- und Sehbehindertenverband Heiligenstadt überreicht bekommen habe, zeige ich natürlich auch diesen ganz besonderen Wanderstock. In Lindenwerra werden diese Wanderstöcke in Handarbeit immer noch hergestellt und sie sind ein echter Geheimtipp.

Den Abend beschließe ich mit einem ganz besonderen Gast. In Rom hatte ich zwei Mal Gelegenheit, die Organisation St. Egidio besuchen zu dürfen. Bei meiner Audienz bei Papst Franziskus gab es ein gesondertes Treffen mit dem Leiter der St. Egidio Gemeinschaft. Herr Zucconi stellte uns das Projekt der sicheren Fluchtwege vor. Die Organisation St. Egidio hat es geschafft, den italienischen Staat davon zu überzeugen, dass man mit Visas direkt und gezielt Familien nach Italien auf gesicherten Wegen bringt, um ihnen die mörderischen Pfade über das Mittelmeer zu ersparen. St. Egidio vermittelt schon von Anfang an die Paten, die sich dann in Italien um diese Familien kümmern und in dem Flugzeug, mit dem Papst Franziskus auf der griechischen Insel Lesbos war, durften einige dieser St. Egidio Familien mit zurück fliegen. Herr Zucconi war zu einer Veranstaltung in Jena und meldete sich spontan, ob wir uns sehen könnten bevor er weiter nach Berlin fährt. Meine Frau und ich freuten uns darüber sehr und so waren wir zusammen in einem typischen Thüringer Gasthaus in Erfurt verabredet. Was soll man einem Italiener in Erfurt anbieten, denn gut italienisch essen kann er in Rom mit Sicherheit, also revanchierten wir uns für unsere Treffen in Rom mit einem typisch thüringischen Essen in Erfurt. Dabei gab es viel gemeinsam zu bereden, denn immerhin hat er das Projekt der sicheren Fluchtwege der UN vorgestellt und wirbt bei vielen katholischen Bischöfen für Unterstützung mit diesem Projekt. In Polen scheint es jetzt eine Empfehlung zu geben, mit der die katholische Kirche sich eine Nachahmung des italienischen Weges vorstellen kann. Dies finde ich sehr spannend und würde mich freuen, wenn wir auch in Deutschland solche Wege endlich gehen könnten.

Ein spannender 4. Juli, der ja auch amerikanischer Unabhängigkeitstag ist.

(Torsten_Weil@outlook.de)Kommentare 0