Warum ich mit nein gestimmt habe.

Das Bundestagswahlprogramm, das wir hier beim Parteitag in Dresden beraten haben, ist gut geworden. Sehr gut sogar. Aber ich konnte nicht dafür stimmen. Spät am Abend wurde gestern ein Änderungsantrag zur Religionspolitik beschlossen, der für mich nicht vertretbar ist. Er schließt Türen, die ich mich zu öffnen bemühe.

Es ist für mich eine Frage des Gewissens. In der Begründung des laizistischen Antrags wurde gesagt, es seien schließlich über 80 Prozent der LINKE-Mitglieder religionslos. Es gab in dieser Partei einmal den Respekt vor Minderheiten. Da wurde anerkannt, dass die Quelle zur Motivation für linke Politik verschieden sein kann – Marx, die Bibel, beides zusammen oder auch was ganz anderes. Der religiöse Sozialismus hat eine lange Tradition. Dazu gehört auch immer die Verständigung mit Sozialistinnen und Sozialisten, die religiös unmusikalisch sind.

Jetzt wurde auf Zuruf, ohne vernünftige Debatte und ohne vorherige Aussprache mit denen, die von diesem Beschluss betroffen sein könnten, einfach abgestimmt. Nach über 13 Stunden Parteitagsberatung wird nach 22 Uhr dieses Überraschungs-Ei aus dem Hut gezaubert. Das war in dem Moment kein faires Verfahren.

Trotzdem – das ist mir wichtig – war es ein erfolgreicher Parteitag und ein schönes Wochenende in Dresden. Das Wiedersehen mit vielen Genossinnen und Genossen habe ich genossen. ;-). Sommer, Sonne, Sozialismus – jetzt muss es nur vom Sitzungssozialismus mit voller Kraft in den Wahlkampf gehen. Gregor Gysi hat das Ziel für den 22. September vorgegeben: Wir wollen zweistellig werden! Je stärker DIE LINKE, desto sozialer das Land! Dafür kämpfen wir.