Beeindruckende Kulturgeschichte und eine eingebrockte Suppe

Die Abendgestaltung während unserer Chinareise ist eigentlich immer gleich: Wir fliegen. Diesmal weiter von Dalian nach Xi’an, Hauptstadt der Provinz Shaanxi. Shaanxi ist Partnerregion Thüringens und so holen uns offizielle Vertreter der Provinzregierung vom Flughafen ab. Leider sind wir wieder etwas verspätet, so dass ein kulturpolitischer Termin gestrichen werden muss: Die Besichtigung der Großen Wildganspagode. Die Pagode ist ein Tempel aus dem 7. Jahrhundert und Geburtsort des chinesischen Buddhismus. Das Gebäude prägt das Stadtbild und man spürt die Achtung vor diesem kulturellen Erbe. Von der Pagode bis zu den Bergen steht kein Hochhaus im Weg. Kein Haus darf in diesem Stadtzentrum die Sicht von der Pagode über die Stadt verbauen.

Wir sind jetzt in der Mitte des Reichs der Mitte angekommen. Xi’an war über ein Jahrtausend lang die Hauptstadt Chinas. Von hieraus begann die Seidenstraße und schon zur Kaiserzeit war es eine Millionenstadt, wahrscheinlich zu seiner Zeit sogar die größte Stadt der Welt. Neben Kunst und Kultur kommen viele Köstlichkeiten der Küche von hier, neben den leckeren Dumplings zum Beispiel auch die Nudeln. Wahrscheinlich hat Marco Polo sie von hier aus mit nach Italien genommen und so den Siegeszug der Spaghetti ausgelöst.

Am späten Abend bzw. eher mitten in der Nacht will ein Teil der Delegation sich noch die Füße vertreten. Ein mitreisender Professor – Namen werden hier nicht verraten – der Landeskundig ist, lotst uns in ein Lokal. Eigentlich wollten wir nur was trinken, aber dann erleben wir eine kulinarische Überraschung. Wir sitzen um einen runden Tisch und in der Mitte werden zwei verschiedene Suppenkonzentrate erhitzt. Wie bei einem Fondue werfen wir gemeinsam unterschiedliche Zutaten hinein. Der Satz von den vielen Köchen gilt hier aber ausnahmsweise nicht. Friedlich sitzen da alle Fraktionsvertreter zusammen und brocken sich gemeinsam eine wunderbare Suppe ein. Echt Lecker! Danke nach Jena und ich weiß jetzt wofür Hochleistungsforschung bei Fraunhofer alles gut sein kann. 😉
 
Nach einer sehr kurzen Nacht geht es am fünften Tag unserer Reise erst in die Universität und danach zu einem Empfang der stellvertretenden Provinz-Gouverneurin. Bei diesen Gesprächen merkt man, dass es viel Sympathie für Deutschland und für Thüringen gibt. Man hofft in China auch auf unsere Kooperation und auf gemeinsame Perspektiven. So wird nicht nur ein Toast ausgebracht, sondern Frau Lieberknecht kann von einer schönen Überraschung berichten: Am Morgen wurde noch ein weiterer Kooperationsvertrag zwischen einer Thüringer Firma und einer Firma aus Xi’an unterzeichnet, von dem nicht einmal unser Protokoll vorher etwas wusste. Da gab es ausnahmsweise mal eine Abweichung vom Plan, der insgesamt hervorragend organisiert ist. Dafür will ich an dieser Stelle gleich mal ein dickes Dankeschön loswerden an all die fleißigen Hände der Staatskanzlei, der LEG, der Botschaft in Peking, dem Generalkonsulat in Schanghai und dem begleitenden Reisebüro! Danke!

Bevor wir – diesmal schon am Nachmittag – wieder zum Flughafen von Xi’an fahren, besuchen wir noch das achte Weltwunder in den Bergen über Xi’an: Die Terrakotta-Armee. (Infos dazu bei Wikipedia).

Die 8000 Soldaten sollten einen furchtsamen Kaiser ins Jenseits begleiten, weil er selbst dort Angst vor einer Ermordung hatte. Über 700 000 Menschen mussten für diese Angst eines einzelnen Führers unter schlimmsten Bedingungen schwer schuften. Heute ist es Weltkulturerbe und beeindruckend anzuschauen. Ob man in Thüringen vielleicht 8000 Gartenzwerge vergraben sollte, überlege ich so. Am besten gleich mal bei den Vertretern der LEG nachfragen, ob sie dafür eine Mietfabrik bereitstellen würden. 😉