Wir weigern uns Feinde zu sein

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„Wir weigern uns, Feinde zu sein.“ Dieser Satz ist mir nach meiner Begegnung mit Daoud Nassar und seiner Familie vom Tent of Nations besonders im Kopf geblieben. Auf ihrer Familienfarm, dem „Daher’s Vineyard“, rund zehn Kilometer südwestlich von Bethlehem, setzt sich die christlich-palästinensische Familie Nassar seit vielen Jahren für gewaltfreien Widerstand, interkulturelle Begegnung und einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Land ein. Das Tent of Nations ist dabei zu einem Ort geworden, an dem Menschen aus aller Welt zusammenkommen und miteinander Brücken bauen. Ihr Zuhause und ihre Arbeit sind seit Jahrzehnten von einem Rechtsstreit um ihr Land, von der umliegenden israelischen Siedlungspolitik und von immer neuen Einschränkungen geprägt. Und trotzdem lautet ihre Botschaft: Wir weigern uns, Feinde zu sein. Als religionspolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke im Bundestag hat mich diese Haltung sehr bewegt. Denn gerade dort, wo Religion, Herkunft und politische Konflikte Menschen voneinander trennen, braucht es Orte, an denen Begegnung möglich bleibt. Orte, an denen nicht Hass und Abgrenzung das letzte Wort haben. Und es braucht Stimmen wie die von Daoud Nassar, die auch daran erinnern, dass Christinnen und Christen seit Jahrhunderten Teil dieser Region sind und ihre Perspektiven gehört werden müssen.

Zuhören und Verständigung bedeuten für mich aber nicht, Unrecht auszublenden. Frieden braucht Rechte, Sicherheit und Würde für alle Menschen. Und das Völkerrecht muss für alle gelten. Deshalb bringt meine Fraktion den Antrag „Völkerrecht konsequent umsetzen“ diese Woche in den Deutschen Bundestag ein. Darin geht es um die israelische Besatzungs- und Siedlungspolitik im Westjordanland und um die Verantwortung, die Deutschland im Umgang damit trägt. Das politische Ringen im Bundestag und die tägliche Arbeit der Familie Nassar sind zwei sehr unterschiedliche Ebenen. Aber eine Frage verbindet sie für mich: Wie schaffen wir eine Zukunft, in der Menschen nicht gegeneinander, sondern miteinander leben können? Ich bin Daoud Nassar und seiner Familie dankbar für die Begegnung, für ihre Offenheit und für ihre Beharrlichkeit.