Gute Pflege braucht gute Arbeit und starke Strukturen auf dem Land
Wie sieht der Alltag in einer Pflegeeinrichtung wirklich aus? Was braucht es, damit gute Pflege auch im ländlichen Raum eine Zukunft hat? Und was beschäftigt diejenigen, die diese unverzichtbare Arbeit Tag für Tag leisten?
Politische Entscheidungen über Pflege dürfen nicht allein vom Schreibtisch aus getroffen werden. Deshalb gehört für mich dazu, dorthin zu gehen, wo Pflege jeden Tag geleistet wird, zuzuhören und auch selbst mit anzupacken. In der AWO-Pflegeeinrichtung in Burkersdorf im Landkreis Greiz hieß das für mich: Vesper vorbereiten, Kaffeekannen befüllen, bei der Zimmerreinigung helfen. Natürlich ist das nur ein kurzer Einblick in einen Arbeitsalltag, den die Beschäftigten Tag für Tag bewältigen. Aber er zeigt, was oft übersehen wird: Gute Pflege ist Teamarbeit. Dazu gehören nicht nur Pflegefachkräfte, sondern ebenso die Beschäftigten in Küche, Reinigung, Betreuung und Hauswirtschaft. Wir alle sollten großen Respekt vor den Menschen haben, die diese wichtige und zutiefst mitmenschliche Arbeit leisten. Doch Respekt darf sich nicht in Dankesworten erschöpfen. Wer Pflege wirklich wertschätzt, muss für gute Löhne, ausreichend Personal und vernünftige Arbeitsbedingungen sorgen. Denn wo kämen wir hin, wenn diese Arbeit nicht geleistet würde?
Frau Herzog, die Leiterin der Einrichtung, machte dabei einen wichtigen Punkt deutlich: Wie zentral Küche und Reinigung für eine funktionierende Pflege sind, wird außerhalb der Einrichtungen oft viel zu wenig wahrgenommen. Auch im Gespräch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ging es um das, was ihnen konkret unter den Nägeln brennt: Bürokratie, Alterssicherung, notwendige Investitionen, und um die Zukunft der Pflege im ländlichen Raum. Eine zentrale Frage dabei ist die Erreichbarkeit. Eine Pflegeeinrichtung muss erreichbar sein, für Beschäftigte, für Angehörige und für die Menschen, die dort leben. Gerade auf dem Land gehören Pflege, Gesundheitsversorgung, Mobilität und kommunale Infrastruktur deshalb zusammen. Gerade im Landkreis Greiz zeigt sich, wie dringend das ist. Der Bedarf an Pflege steigt, während gleichzeitig Fachkräfte fehlen. Hinzu kommt ein Investitionsstau, der viele soziale Einrichtungen gerade in Ostdeutschland belastet. Mehr als drei Jahrzehnte nach der deutschen Einheit dürfen wir uns damit nicht abfinden. Wer eine verlässliche Pflegeinfrastruktur will, muss Einrichtungen erhalten und modernisieren. Die Kosten dafür dürfen nicht einfach bei Pflegebedürftigen und ihren Familien abgeladen werden.
Und damit sind wir bei einer grundsätzlichen Frage: Welche Rolle soll der Markt in der Pflege spielen? Meine Antwort ist klar: Pflege ist keine Ware. Pflegebedürftigkeit darf kein Geschäftsmodell sein, bei dem Renditeerwartungen mitentscheiden, wie viel Personal zur Verfügung steht, wie Beschäftigte bezahlt werden oder wie stark Pflegebedürftige und ihre Familien finanziell belastet werden. Wir brauchen eine Pflege, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert und nicht am Profit. Dazu gehört auch die Verteilungsfrage. Wenn uns bei Pflege, Krankenhäusern, Nahverkehr oder kommunaler Infrastruktur immer wieder gesagt wird, dafür sei kein Geld da, während während die Vermögen von Multimillionären und Milliardären weiter wachsen, müssen wir darüber reden, wer welchen Anteil zur Finanzierung unseres Gemeinwesens beiträgt.
Die Gespräche in Burkersdorf haben noch einmal deutlich gemacht, worauf es ankommt: Die Menschen, die pflegen und betreuen, kochen und reinigen, zuhören und Verantwortung übernehmen, brauchen keine Sonntagsreden über die Bedeutung ihrer Arbeit. Sie brauchen verlässliche Bedingungen, gute Löhne und eine Politik, die an ihrer Seite steht. Gute Pflege darf weder vom Geldbeutel noch vom Wohnort abhängen. Sie gehört zur öffentlichen Daseinsvorsorge und muss politisch auch so behandelt werden.
