Alle guten Dinge sind links!

Drei Bundestagsabgeordnete der Partei die Linke auf Thüringer Sommertour

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Wer mich kennt, weiß: Thüringen und seine Menschen liegen mir am Herzen. Ich war in den vergangenen Jahren in fast jedem Winkel unseres Freistaats unterwegs und habe dabei immer wieder erlebt, wie viel Kraft, Ideenreichtum und Zusammenhalt in diesem Land stecken. Umso mehr habe ich mich gefreut, diesmal gemeinsam mit meinen beiden Thüringer Bundestagskolleginnen Donata Vogtschmidt und Mandy Eißing auf Sommertour zu gehen. Fünf Tage zusammen durch Thüringen, das bedeutete vor allem viele alte und neue Begegnungen. Menschen wiedersehen, mit denen mich schon ein langer gemeinsamer Weg verbindet. Andere zum ersten Mal kennenlernen. Zuhören, nachfragen, miteinander lachen und natürlich auch offen darüber sprechen, wo der Schuh drückt. Thüringen ist das Land, für das mein Herz schlägt. Und so ging es auf dieser Tour um beides: mit Freude zu zeigen, was Thüringen kann und genau hinzuhören, wo wir politisch etwas verändern müssen.

Und ob: Thüringen kann’s!

Ein schönes Beispiel dafür ist Ospelt in Apolda, ein großer Lebensmittelhersteller, der am Thüringer Standort unter anderem Pizza produziert und das mit dem größten Pizzaofen Europas. Das erzähle ich gern. Denn über Thüringen und Ostdeutschland wird noch immer viel zu häufig zuerst darüber gesprochen, was angeblich fehlt. Dabei haben wir allen Grund, selbstbewusst zu zeigen, was hier geleistet wird. Bei Ospelt ging es um die wirtschaftliche Situation, um Beschäftigung und Zukunftsperspektiven. Bei den Stadtwerken Erfurt wiederum um erneuerbare Energien, Wasserstoff und eine sichere und bezahlbare Energieversorgung. Beides zeigt: Transformation findet nicht irgendwo auf dem Papier statt. Sie wird hier vor Ort gemacht, von Unternehmen, kommunalen Betrieben und vor allem von ihren Beschäftigten. Thüringen muss sich nicht kleiner machen, als es ist. Gleichzeitig gehört zu wirtschaftlicher Stärke für mich immer auch die soziale Frage: Gute Arbeit muss Sicherheit geben und ein gutes Leben ermöglichen.

Wer sich um andere kümmert, braucht selbst Rückhalt

Besonders wichtig war mir unser Besuch im Pflegezentrum Erfurt. In Berlin wird über Pflege schnell in Beitragssätzen, Milliardenbeträgen und Paragrafen gesprochen. Im Pflegezentrum begegnet man den Menschen, um die es tatsächlich geht: Pflegebedürftigen, ihren Angehörigen und den Beschäftigten, die jeden Tag Verantwortung für andere übernehmen. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die Neuordnung der Pflegeversicherung und drohende weitere Kürzungen und Belastungen ist das ein Bereich, in dem ich sehr genau hinhören werde. Denn eines ist offensichtlich: In der Pflege ist nicht zu viel Unterstützung das Problem, sondern an vielen Stellen zu wenig. Wer sich um andere kümmert, braucht selbst Rückhalt. Und wer ein Leben lang gearbeitet hat, darf keine Angst davor haben müssen, sich Pflege irgendwann nicht mehr leisten zu können.

Hinweis: Pflegedemo in Erfurt am 24.08.26! Alle Informationen dazu hier.

Junge Menschen brauchen Räume und Vertrauen

Im Jugendhaus Hermsdorf ging es ebenfalls um Kürzungen. Ein Jugendhaus ist aber nicht irgendeine Zahl im Haushalt. Es ist ein Ort, an dem junge Menschen Freunde treffen, jemanden zum Reden finden, sich ausprobieren und eigene Ideen entwickeln können. Wie wichtig solche Freiräume sind, haben wir auf andere Weise auch bei der MUNA in Bad Klosterlausitz erlebt. einem selbstorganisierten Kulturort, an dem Menschen gemeinsam Räume für Musik, Begegnung und selbstbestimmtes Gestalten im ländlichen Raum schaffen. Solche selbstorganisierten Orte sind gerade im ländlichen Raum etwas Besonderes. Hier warten Menschen nicht darauf, dass jemand kommt und ihnen ein fertiges Kulturprogramm vorsetzt. Sie machen selbst. Sie organisieren, schaffen Kultur und Begegnung und übernehmen Verantwortung für ihren Ort. Für mich ist das gelebte Selbstbestimmung. Wir reden viel darüber, wie junge Menschen im ländlichen Raum gehalten werden können. Vielleicht sollten wir noch viel häufiger fragen, was sie brauchen, damit sie gerne bleiben. Dazu gehören Orte, an denen man erleben kann: Meine Idee zählt. Ich kann hier etwas aufbauen. Ich kann meine Heimat selbst mitgestalten. Solche Räume zu stärken heißt deshalb auch, Demokratie zu stärken.

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Ehrenamt: Nicht nur Danke sagen

Beim SG Rotation Rosenthal e.V., einem Fußballverein aus Rosenthal am Rennsteig im Saale-Orla-Kreis, der sich besonders in der Kinder- und Jugendarbeit engagiert, haben wir Menschen getroffen, die ihre Freizeit, Kraft und Ideen in ihren Verein stecken. Mit einer Spende des Fraktionsvereins der Linken im Bundestag konnten wir dort ganz konkret unterstützen. Beim Erfurter Netzwerk Kultur und Leben, das Kulturschaffende, Initiativen und engagierte Menschen zusammenbringt und kulturelle wie gesellschaftliche Projekte und Begegnungsräume in Erfurt stärkt, konnten wir mit einer weiteren Spende ganz konkret dazu beitragen, lebendige Kultur und gemeinschaftliches Engagement vor Ort zu unterstützen.

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Dahinter steckt ein Prinzip, das mir wichtig ist: Die Linke nimmt als einzige im Bundestag vertretene Partei keine Spenden von Unternehmen an. Und unsere Abgeordneten sagen seit vielen Jahren: Wenn die Diäten im Bundestag automatisch steigen, wollen wir davon auch etwas zurückgeben. Deshalb fließt Geld aus diesen Erhöhungen in unseren Fraktionsverein, der damit soziale, kulturelle und politische Initiativen und Vereine unterstützt. So wird aus einem Teil unserer Abgeordnetenbezüge ganz konkrete Hilfe vor Ort. Denn Thüringen lebt von den Menschen, die nach Feierabend noch Training geben, Veranstaltungen organisieren, Kinder und Jugendliche begleiten, Kultur ermöglichen oder für unsere Demokratie auf die Straße gehen. Sie brauchen Anerkennung, aber manchmal eben auch ganz praktische Unterstützung, damit eine gute Idee nicht am fehlenden Geld scheitert.

Geschichte kennen, Demokratie leben

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Ein besonderer Ort war für mich auch Schloss Schwarzburg im Schwarzatal, im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Hier wird Geschichte nicht einfach konserviert. Sie wird zum Ausgangspunkt für Demokratiebildung. Das ist gerade heute wichtig. Denn Demokratie besitzt man nicht einfach. Jede Generation muss sie neu lernen, leben und verteidigen. Schwarzburg, die MUNA und das Erfurter Netzwerk Kultur und Leben zeigen auf unterschiedliche Weise, wie wichtig Orte und Initiativen sind, an denen Menschen ihre Geschichte und Gegenwart mitgestalten, Gemeinschaft schaffen und Verantwortung für eine offene und demokratische Gesellschaft übernehmen. Eine weitere Station unserer Tour führte uns zur Landesgartenschau nach Leinefelde-Worbis. Gemeinsam mit Bürgermeister Christian Zwingmann konnten wir dort erleben, was möglich wird, wenn eine Kommune gestalten kann: wie Stadtentwicklung neue Räume für Begegnung schafft und einen Ort nachhaltig verändern kann. Für mich sind das starke Bilder für Thüringen: Geschichte bewahren, Neues wagen und den Menschen zutrauen, ihre Heimat selbst zu gestalten.

Daseinsvorsorge bedeutet Teilhabe

Beim Familienerlebnistag zu 125 Jahren Höllentalbahn ging es um ein Thema, das mich schon lange begleitet. Seit der deutschen Teilung fehlt die Bahnverbindung zwischen Blankenstein in Thüringen und Marxgrün in Bayern. Die Folgen spüren die Menschen vor Ort bis heute: Viele Güter müssen über die Straße transportiert werden, entsprechend hoch ist die Belastung durch den Lkw-Verkehr. Ein paar Kilometer Schiene könnten hier viel bewegen für die Menschen, die Wirtschaft und die Region. Bei unserem Besuch der neuen Feuerwache in Nordhausen ging es um einen anderen unverzichtbaren Teil der Daseinsvorsorge: Feuerwehr und Katastrophenschutz. Wenn es brennt, ein schwerer Unfall passiert oder eine Katastrophe eintritt, verlassen wir uns darauf, dass Menschen da sind, die helfen. Wer erwartet, dass Feuerwehr und Katastrophenschutz im Ernstfall verlässlich funktionieren, muss auch dauerhaft in Personal, Ausbildung, moderne Fahrzeuge und Technik investieren. Gerade die Kommunen dürfen mit diesen Kosten nicht allein gelassen werden, Bund und Land müssen ihren Teil dazu beitragen, dass gute Ausstattung und schnelle Hilfe überall gewährleistet sind.

Genug gekürzt: Jetzt handeln!

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Zum Abschluss kamen die vielen Eindrücke unserer Tour im Thüringer Landtag noch einmal zusammen. Gemeinsam mit
Donata Vogtschmidt und Mandy Eißing, unseren Landesvorsitzenden Katja Maurer und Ralf Plötner, dem Vorsitzenden unserer Landtagsfraktion Christian Schaft und weiteren Kolleginnen und Kollegen haben wir unser gemeinsames Papier „Genug gekürzt – Politikwechsel in Bund und Land nötig“ vorgestellt. Nach diesen Tagen war diese Überschrift für uns sehr konkret. Pflege, Jugendarbeit, Mobilität, Kommunen, Vereine – überall erleben wir, was passiert, wenn öffentliche Strukturen immer weiter unter Druck geraten. Darum geht es in unserem gemeinsamen Papier um mehr als einzelne Haushaltsentscheidungen. Es geht um die Richtung: soziale Sicherheit statt sozialem Rückzug. Gute Arbeit. Bezahlbares Wohnen. Eine verlässliche Pflege- und Gesundheitsversorgung. Starke Kommunen. Bildung, Jugendarbeit und Mobilität für alle. Und genau deshalb war mir wichtig, dass wir dort gemeinsam standen.

Was bleibt ist, was wir draus machen

Nach fünf Tagen bleiben vor allem die Menschen: diejenigen, die uns ihre Türen geöffnet, mit Stolz von ihrer Arbeit erzählt und genauso offen gesagt haben, wo der Schuh drückt. Neben den hier beschriebenen Begegnungen lagen noch zahlreiche weitere Termine und Gespräche auf unserem Weg durch Thüringen, jeder mit eigenen Themen, Eindrücken und Menschen, die sich vor Ort engagieren. Danke für diese Offenheit, für neue Begegnungen und viele herzliche Wiedersehen. Ich durfte Thüringen viele Jahre als Ministerpräsident gestalten und vertreten. Heute bringe ich diese Erfahrungen und meine Verbundenheit mit diesem Land in meine Arbeit im Deutschen Bundestag ein. Donata, Mandy und ich nehmen viele konkrete Anliegen und Ideen mit nach Berlin. Denn diese Tage haben einmal mehr gezeigt, wofür es sich zu kämpfen lohnt: für soziale Sicherheit, starke Städte und Dörfer und dafür, dass Menschen ihre Zukunft selbst gestalten können. Die Sommertour ist zu Ende. Die Begegnungen bleiben und aus dem Zuhören muss politisches Handeln werden.