Zalando inside!
Einige wichtige Informationen an die Mitarbeitenden von Zalando in Erfurt – was man halt bei @insidezalando nicht lesen wird…
Am Freitag, dem 27. März gab es einen Termin vor dem Arbeitsgericht in Erfurt. Obwohl der Erfurter Betriebsrat mündlich und auch über seinen Rechtsanwalt schriftlich die Verhandlungsbereitschaft zum Interessenausgleich (§111BtrVG) und Sozialplan (§112 BtrVG) angezeigt und mehre Termine fest zugesagt hatte, brach der Arbeitgeber Zalando die Gespräche ab – mit der frechen Behauptung, dass der Betriebsrat nicht verhandlungsbereit sei. Ein seltsames Verhalten: Man rufe das Arbeitsgericht an, um als Arbeitgeber durch eine erzwungene Einigungsstelle dann eine „strukturierte“ Verhandlung erzwingen zu wollen. 14 Tage der freien Verhandlungen gehen dadurch verloren, weil der Arbeitgeber ja nun auf das Ergebnis des Arbeitsgerichtes baut. Er lehnt bis heute die Fortsetzung von Verhandlungen ab und liefert auch keine differenzierten Informationen mehr, obwohl die notwendig wären, um als Mitbestimmungsgremium der betroffenen Arbeitnehmer*innen sich auch auf die Einigungsstelle vorzubereiten.
Im Gerichtssaal habe ich meine Gedanken dazu mal notiert: „Für den Zalando-Vorstand sind Betriebsräte einfach nur lästig! Und unverschämt ist, wenn der auch noch seiner Arbeit machen will, wofür er gewählt ist. Der Vorwurf der Verzögerung durch den Arbeitgeber basiert auf seiner Strategie, den Betriebsrat in eine bedingte Einigungsstelle zu zwingen und dann selber mit den freien Verhandlungen zu verzögern. Meine Oma sagte immer: ‚Was ich denk und tu’, das traue ich auch dem Andern zu‘ – Zalando hat bis heute nicht durchdrungen welche Aufgaben ein Betriebsrat hat.“
Wenn ich meine gesicherten Informationen aus Berlin dazu nehme, dann bekommt das Agieren eine schlüssige Erklärung. Im Bereich der Zentrale ist der dortige Betriebsrat zum Schweigen verdonnert worden, so hört man. Ein wenig mehr Selbstbewusstsein würde ich mir da wünschen. Der Arbeitgeber Zalando hat fast zeitgleich den Berliner Betriebsrat in eine Einigungsstelle gezwungen. In den Abteilungen in Berlin sollen wohl in fast allen Bereichen Stellen abgebaut werden. Bis Mitte April will man durch die Einigungssstelle wohl die Abfindungen geregelt haben, ohne allerdings umfassend darzulegen, was man da eigentlich erreicht und optimiert haben will. Der Arbeitgeber baut einfach querbeet Personal ab. Es scheint kopflos zu sein und verunsichert die Mitarbeiter*innen in der Zentrale immer mehr. Von der einstmals guten Stimmung ist nicht mehr viel übrig. „Wir saßen einst in einem Boot. Der Käpten lebt, die Mannschaft tot“ – macht sich als Gefühl breit.
Offiziell hat der Vorstand der Aktiengesellschaft angegeben, die Konsolidierung der beiden zu verschmelzenden Unternehmen Zalando und About You optimal vorzunehmen und angekündigt, gleichzeitig hohen Zuwachs im Geschäft machen zu wollen. Das GMV (Gross Merchandise Volume) und der Umsatz des Unternehmes sollen um 12% bis 17% wachsen. So gibt der Vorstand die ehrgeizigen Ziele der AG an. Die Aktie liegt trotzdem weit abgeschlagen unter dem 52-Wochen-Kurs und kommt nicht einmal in die Nähe der 36,76€ (im April 2025). Aber mit den ehrgeizigen (oder eher vollmundigen) Zielen, will man den Finanzmärkten signalisieren: Es wird schon werden… Also ein erstaunlicher Zuwachs an Bruttoumsätzen, bei gleichzeitiger tiefer Verunsicherung der eigenen Belegschaft. Wohin soll und wohin kann das führen?
Der Erfurter Betriebsrat hat sich einen guten Rechtsanwalt zur Vertretung in allen Verhandlungsetappen, der möglichen Einigungsstelle und natürlich auch vor dem Arbeitsgericht geholt. Aber um abschätzen zu können, ob es zu der vom Vorstand einseitig verkündeten Betriebsschliessung im Stammbetrieb Erfurt nicht doch noch Alternativen gibt, hat der Betriebsrat auch eine hochkompetente betriebswirtschaftliche Gutachterin beauftragt, die Gespräche und Verhandlungen zu begleiten. Wenn die Beraterin allerdings fragt, ob bei dem beabsichtigten Schliessungstermin (ramp down) auch eine krisenfeste Prüfung durchgespielt wurde und welche Alternativen geprüft wurden, falls der reibungslose Übergang von Erfurt nach Gießen nicht klappen würde, dann werden solche Fragen als Verzögerungstaktik abgetan und sogar mit dem Brustton der Empörung von der Rechtsvertreterin des Arbeitgebers im Gerichtssaal vorgetragen. Mir lag auf der Zuge, dass ich mal bei Neckermann erlebt habe, was bei dem Start eines vollautomatischen Lagers mit optimierter Zufallslagerung so alles passieren kann. Aber als Zuschauer im Gerichtssaal lauschte ich nur fassungslos diesem Vortrag. Will man ernsthaft Erfurt runterfahren und am nächsten Tag funktioniert das Lager in Giessen auf Knopfdruck? Darf ein Betriebsrat nach solchen Resilienzen nicht einmal fragen? Ich würde von jedem Aktionär solche Fragen erwarten – und wenn ich solch schwachen Antworten bekäme, wie ich es im Arbeitsgericht gehört habe, dann würde ich über die Entlastung des Vorstandes bei der Jahreshauptversammlung gut nachdenken. Aber ich bin froh, einen hochmotivierten Betriebsrat zu erleben, der Verhandlungsbereitschaft immer wieder signalisiert, auch wenn er dann erlebt, beschuldigt zu werden, nicht verhandeln zu wollen. Aktuell betreiben das Vorgesetzte in Erfurt auch wieder bei Town-Hall-Versammlungen. Juristisch nennt man dieses ungehörige Verhalten ein „Venire contra factum proprium“ – ein in sich widersprüchliches Verhalten.
Um es klar zu sagen: Der Einzige, der nicht verhandelt, ist der Arbeitgeber! Wer auf juristische Spitzfindigkeiten ausweicht, der darf sich nicht wundern, wenn Arbeitnehmer*innen bösgläubig werden. Fragen, die derzeit im Raum stehen:
- Könnte man den Standort Erfurt umbauen und modernisieren?
- Könnte man Erfurt in der Hälfte der jetzigen Hallen (Ursprungszustand) zu einem Speziallager umbauen?
- Braucht Zalando nicht längere Übergangsschritte, bis Gießen unfallfrei läuft?
- Wer von den jetzigen Arbeitnehmer*innen kann nach Gießen mitgehen und bekommt der dann auch Umzugskosten und Hilfe fürs Wohnen?
- Werden Arbeitsplätze im Gesamtunternehmen und europaweit angeboten?
- Wird dies als Weiterbeschäftigung anerkannt und werden Nachteile finanziell ausgeglichen?
- Werden Fort- und Weiterbildungen sowie Umqualifizierungen angeboten?
- Wird es eine Beschäftigungsgesellschaft geben? Werden da Schwerbehinderte gefördert und Eingliederungshilfen mit gesichert?
- Gibt es Nachmieter für den Standort Erfurt und wären Betriebsübergänge möglich?
- Wird Zalando bei dem Nachmieter Leistung ankaufen?
Fragen über Fragen – und da sind wir noch nicht bei Abfindungen oder sonstigen allgemeinen Fragen eines notwendigen Sozialplanes.
Ich werde weiterhin aktiv die Arbeitnehmer*innen von Zalando Erfurt begleiten, denn in Erfurt wurde das Unternehmen zu dem, was es heute ist. Es ist eine Frage des Anstandes, wie die Kapitalvertreter mit ihrem wichtigsten Kapital, den fleißigen Mitarbeitenden umgehen! „Schrei vor Glück!“, der Slogan darf nicht zum bitteren Schrei von Verzweiflung werden. Es wäre schön, wenn der Vorstand nicht nur Börsenzahlen vor dem Auge hätte, sondern mit dem Herzen versteht, das irgendwer die Päckchen und Pakete auch packen muss. Es geht nicht nur um Aktienpakete, sondern um Lebenswege. Mehr zu diesen und anderen Fragen wird es im öffentlichen Gespräch mit Zalando-Beschäftigten in meinem Wahlkreisbüro „Rote Magda“ am Samstag, 25. April 2026 zwischen 16 bis 18 Uhr in Erfurt, Magdeburger Allee 134, geben.

