Blaukehlchen versus Braunkehlchen aka KEIN BIER FÜR NAZIS
Es ist schon einige Zeit her, dass in Thüringen der Versuch unternommen wurde, ein Naturschutzgebiet vor dem schönen Ort Themar so auszuweiten, dass auf den angrenzenden Wiesenflächen ein damals geplantes Rechtsrockkonzert nicht hätte stattfinden können. Die Blaukehlchen sollten zumindest während ihrer Brutzeit durch eine eingerichtete Schutzzone von den aggressiven Tönen der Braunkehlchen verschont bleiben.
Doch die schrecklichen Bilder gingen damals um die Welt: grölende Männer, die begeistert den Arm zum „Hitlergruß“ reckten. Von einem Moment auf den anderen war das idyllische Themar in ganz Deutschland bekannt. Wir wollten wenigstens versuchen, die Blaukehlchen beim Brüten zu schützen. Schließlich hatte der Naturschutz schon einmal ermöglicht, den Bau eines Autohauses auf dem Gebiet zu untersagen. Am Ende stand die Frage: Wie schützenswert sind die Blaukehlchen und wie ist ein solches Rechtsrockkonzert mit 45 Euro Eintritt, im Gewand einer Kundgebung, einzuordnen? Handelt es sich um eine durch das Grundgesetz geschützte Versammlungsfreiheit, oder um eine kommerzielle Veranstaltung, bei der mit rechter Ideologie viel Geld verdient wird?
Das Oberverwaltungsgericht in Weimar sah letztlich keine ausreichenden Anhaltspunkte für erwartbare Verstöße gegen das Bundesnaturschutzgesetz. Es wurde allein den Finanzämtern überlassen, im Nachhinein zu prüfen, wie die Abrechnungen des Konzerts tatsächlich verbucht wurden. Ich fragte mich damals, wie es zusammenpassen kann, dass „Demonstrierende“ Eintritt für eine „Demonstration“ zahlen sollten. Für das Recht auf Demonstration zahlen zu müssen, passt meines Erachtens nicht zusammen.
Dies alles ging mir während des Festaktes durch den Kopf. Ministerpräsident Mario Vogt und Landtagspräsident Thadäus König hatten Videogrüße geschickt. Die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser übermittelte ein schriftliches Grußwort. Der frischgebackenen Mutter und ihrem neugeborenen Erdenbürger gratuliere ich herzlich.
Besonders gefreut hat mich das Wiedersehen mit dem damaligen Superintendenten Johannes Haak, einem Mitinitiator des Bündnisses. Von ihm stammt der legendäre Satz: „Zuerst wird gebetet, dann demonstriert.“ So ähnlich war es auch diesmal: Auf Wunsch des Bündnisses versammelten wir uns zunächst in der wunderschönen Stadtkirche von Themar und begannen gemeinsam den Festgottesdienst, erst danach wurde gefeiert.
Der damalige und heutige Innenminister Georg Maier erinnerte an die besondere Aktion: „Kein Alkohol beim Demonstrieren.“ Die Polizei hatte damals den gesamten Bierbestand beschlagnahmt und so wurde aus dem Rechtsrockkonzert ein absolut nüchternes Ereignis. Damit gelang es tatsächlich, den kommerziellen Erfolg dieser Konzerte auszutrocknen, im wahrsten Sinne des Wortes.
Über solche und viele andere Erinnerungen wurde an diesem Tag gesprochen. Und es wurde gedankt. Ich bin dankbar, in diesem malerischen Ort seit zehn Jahren so viele aufrechte und engagierte Menschen erleben und begleiten zu dürfen. Ich verneige mich vor dieser Klarheit, dieser Gradlinigkeit und diesem langen Atem. Ich ziehe meinen Hut und sage: Danke!
Themar bleibt bunt!

