„Herzlichen Glückwunsch zur Erstkommunion!“

Mit diesem Glückwunsch wurde ich von Dr. Claudio Kullmann (dem katholischen Vertreter bei Landtag und Landesregierung) im Garten von Bischof Ulrich Neymeyr nach dem Abschlussgottesdienst zum 103. Deutschen Katholikentag begrüßt. Im ersten Moment war ich etwas irritiert, im zweiten mussten wir doch zusammen herzlich lachen.

Ich hatte in meiner Abschlussansprache darauf verwiesen, dass ich heute bei der Eucharistiefeier auf dem Domplatz zum allerersten Mal in meinem Leben auch bei der Austeilung des Heiligen Abendmahls mit nach vorne gegangen bin und meine erste Oblate empfangen habe. Da ich in ökumenischer Einheit in der ersten Reihe saß, hatte ich meine übliche Zurückhaltung an den Tag gelegt. Nachdem meine evangelischen Schwestern und Brüder alle mit nach vorne getreten sind, habe ich sie allerdings aufgegeben und mich an den Satz von Papst Franziskus erinnert, der sagte, dass die Tür zur Frage des Abendmahls ja geöffnet sei, hindurchschreiten aber müsse jeder Einzelne.

So war der 103. Deutsche Katholikentag tatsächlich der erste ökumenische Katholikentag, den wir alle erlebten. Bei allen Veranstaltungen gab es eine hohe Beteiligung von katholischen und evangelischen Gläubigen und auch meine Bibelarbeit war personell komplett evangelisch besetzt. Die Geschäftsführerin des nächsten evangelischen Kirchentages führte mit mir, der ich ja auch evangelischer Christ bin, die Bibelarbeit durch und der Gesang kam von einer wunderbaren Gruppe, deren Sänger ein evangelischer Pfarrer war. Mehr Ökumene hätten wir nicht bieten können erklärte ich auch allen Zuschauerinnen und Zuschauern.

In der Bibelarbeit selbst habe ich deutlich gemacht, wie viel Angst ich habe vor der ständigen Militarisierung der öffentlichen Debatten und dass die alltäglichen Bilder des Kriegsgeschehens in der Ukraine oder in Gaza auch Spuren in den Seelen der Menschen hinterlassen.

Natürlich gibt es keinen Zweifel, dass Herr Putin den Krieg sofort beenden kann und auch die Hamas alle Geiseln sofort freilassen könnte und ihrerseits damit das Angebot der Waffenruhe glaubwürdig untersetzen würde. Die Spirale der militärischen Eskalation führt letztlich nicht zu Frieden, sondern zu Tod und Verderben – auch wenn ich weiß, dass ein überfallener Staat sich verteidigen können muss und dass Diktatoren oder Terroristen nicht das letzte Wort haben dürfen. Trotzdem bleibt der Psalm 37, der das Einladungsmotto zum Katholikentag war: „Zukunft hat der Mensch des Friedens“.

In der abschließenden Berichterstattung lese ich jetzt, dass rund 40.000 Menschen den Katholikentag besucht haben. Ich höre von gut gefüllten Veranstaltungen und lebhaften Diskussionen. Persönlich wurde mir hundertfach gesagt, wie glücklich man in Erfurt sei und wie froh, dass diese Stadt so einladend gewesen sei.

Es war ein wunderbares Fest mit vielen Facetten und auch mit der Einladung zu Debatten, die weh tun und schwerfallen. Das Thema Krieg und Frieden wurde dann im Pro-Medien-Magazin auch noch einmal ausführlich betrachtet und die Ambivalenz, die in der Bibelarbeit gesteckt hat, gut herausgearbeitet.

Letztlich weiß auch ich um den militärischen Gehalt eines Blauhelm-Einsatzes, aber wir brauchen zunächst eine Pufferzone, die eine der Voraussetzungen für Friedensverhandlungen darstellen könnte. Es beginnt mit der Unterbrechung der militärischen Gewalt und setzt dann ein kluges Agieren voraus, um Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Das gilt in der Ukraine genauso wie in Gaza, denn sowohl die Ukraine als auch Israel brauchen eine Perspektive für Sicherheit, Frieden. Unterschiedliche Beteiligte brauchen ebenso das Gefühl, in die Lösungen einbezogen zu werden. Für Israel heißt das letztlich, an der Zwei-Staaten-Lösung so mitzuwirken, dass Westbank und Gaza eine Rückbindung in die arabische Familie haben und gleichzeitig Israel den Schutz und die Unverletzlichkeit von Grenzen auch von der arabischen Familie garantiert bekommt.

All das treibt mich um, während am Sonntag ich über den Katholikentag laufe und mit vielen Menschen ins Gespräch komme. Am Abend hatte ich bereits eine besondere Begegnung mit einer wunderbaren Frau. Ich kam vom Erfurter Rathaus, wo eine Veranstaltung stattfand und lief zu Fuß Richtung Domplatz. Eigentlich wollte ich weiter über den Petersberg zu mir nach Hause, aber aus einem Zelt trat eine fröhliche Frau auf mich zu und nahm mich in den Arm. Schwester Karoline, eine tolle Nonne, die ich in Chile kennenlernen durfte, stand unvermittelt vor mir. Es war eine wunderschöne Begegnung. Mit ihrer Fröhlichkeit ist sie unfassbar beeindruckend. Das, was sie voller Tatendrang in den Armenvierteln Chiles bewegt, gleicht einem Taifun der Hoffnung. Jedenfalls habe ich mich riesig gefreut, Karoline zu wiederzusehen und habe auch ein paar Fotos gemacht.

Als ich in Santiago war und mit ihr all ihre Einrichtungen besucht habe, habe ich ihr die Heilige Elisabeth mitgebracht. Heute standen wir auf dem Domplatz zu Erfurt und die Heilige Elisabeth ist immer noch das große Vorbild, dem sie ihre Arbeit widmet. Möge sie noch viele Jahre diese tolle Arbeit fortsetzen können. Eine tolle Zeit geht zu Ende und wird mit einem Lächeln beendet. Auch das wird bei mir im Herzen bleiben. Schwester Karoline und die Begegnung in Erfurt. Die Einladung zu den nächsten Kirchentagen ist schon erfolgt und von vielen wurde mir Kraft gewünscht für die nächsten Monate, die ich gerne annehme.