Sommertour #ZukunftThüringen: Tag 1: Von der Werra zu Burgen und Schlössern

Mal ganz unabhängig von der derzeitigen politischen Großwetterlage, freue ich mich sehr auf die nächsten drei Wochen! Denn ab heute geht es in meinem Kalender wieder um #ZukunftThueringen – so lautet der Titel meiner Sommertour, mit der ich mich jedes Jahr auf die Spuren der Projekte begebe, die Thüringen stark und zukunftsfähig machen.

In dieser Woche geht es dabei schwerpunktmäßig um die touristischen Highlights des Landes: Bei strahlendem Sonnenschein machen begeben wir uns auf den Weg zur thüringisch-hessischen Grenze. Genauer gesagt, an das Werra Wehr an der Steinmühle Wommen. Von hier aus wollen wir mit einem Floß bis nach Gerstungen fahren.

Der Himmel erstrahlt in Azurblau – die Sonne lacht. Es begrüßen mich ein strahlender Landrat, Reinhard Krebs, und die nicht minder vergnügte Bürgermeisterin Gerstungens, Sylvia Hartung. Schließlich ist das Wetter „kommunale Selbstverwaltung“, wie ich zu sagen pflege. Gemeinsam mit zahlreichen anderen Gästen besteigen wir ein ca. 20 m langes Floß, auf das bis zu 25 Personen passen und nehmen an langen Tischen Platz.

Jörg Deiß, der orts- und fachkundige Flößer erzählt uns, dass die Ursprünge der Floßfahrt im mittelalterlichen Holztransport liegen. Über die Werra wurden in der Mitte des 19. Jahrhunderts zwischen 2000-3000 Flöße pro Saison in Richtung der norddeutschen Häfen befördert. Als die Flößerei durch das Aufkommen des Schienentransports aus industrieller Perspektive nicht mehr lukrativ war, begann die touristische Nutzung der Flöße. Ich kann allen Leserinnen und Lesern meines Tagebuchs eine solche Floßfahrt nur ans Herz legen – sie bietet Entspannung und paradiesische Einblicke in eine wunderschöne, seit nunmehr fast 30 Jahren „grenzenlose“ Naturlandschaft!

Während uns zwei Flößer langsam, an türkisfarbenen, leise surrenden Libellen und im Schilf schnatternden Entenfamilien vorbei, um die nächste Flussbiegung befördern, macht mich Herr Deiß darauf aufmerksam, dass wir uns genau auf der thüringisch-hessischen Ländergrenze befinden. Diese Grenze war Teil eines hart umkämpften Gebiets und für lange Zeit auch die innerdeutsche Grenze. Heute arbeiten Hessen und Thüringen hier in touristischen Fragen grenzübergreifend zusammen. Dabei geht es z. B. um die Fragestellung, auf welcher Flussseite sich Umtrageplätze für Kanut/innen anbieten. Es geht auch um Umweltbelange, wie die Belastung der Werra durch K+S. Ziel kann hier nur eine Nullbelastung des gemeinsamen Flusses, der Werra, sein und nicht etwa eine thüringisch-hessische Salzheringzucht… Ich plane, diese Thematik im Herbst, anlässlich meines zweiten Kaligipfels, aufzugreifen.

Ehe wir uns versehen, legt das Floß in Gerstungen an. Gelb wiegt sich der Weizen im sanften Sommerwind. Zu Fuß machen wir uns auf dem Weg zur Burgruine Brandenburg, der zweiten Station meiner heutigen Tour. Bei der Brandenburg handelt es sich um eine sogenannte „Doppelburganlage“. Auf malerischen, bewaldeten Bergrücken an der Werra liegen sich zwei Burgtürme (einer gehört zur Ost- und einer zur Westburg) zweier getrennter Burganlagen gegenüber. Die Brandenburg diente einst gemeinsam mit der Wartburg und der Creuzburg dazu, den Handelsweg von Frankfurt am Main nach Eisenach abzusichern. Seit 1224 erhebt sie sich weithin sichtbar und landschaftsprägend über das Umland.

Jedoch hat sie finstere Zeiten hinter sich: In den Wirren der Reformation und des 30-jährigen Krieges wurden sie durch ihre Bewohner/innen aufgegeben und verkam zum Steinbruch. In Zeiten des kalten Krieges, markierte sie eine tödliche Grenze und war dem Verfall preisgegeben. Erst seit den 1990er Jahren wurde die Anlage nach umfangreichen Sicherungsarbeiten und mit Unterstützung einheimischer Förderer/innen – vor allem des Brandenburgvereins – wieder für den Besucherverkehr erschlossen. Seit 1994 ist sie im Eigentum der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.

Durch Reinhard Schneider, den 2. Vorsitzenden des Werratal-Zweitverein Brandenburg e. V., werde ich durch das Burgmuseum auf den Wohnturm mit Aussichtsterrasse geführt. Von hier aus genieße ich einen weiten Blick über das Grüne Band, den ehemaligen Todesstreifen, der heute zum Refugium und damit zur „Lebenslinie“ für mehr als 1200 gefährdete Pflanzen und Tiere und somit zu einem der größten und bedeutendsten deutschen Naturschutzprojekte geworden ist. Der Werratalverein versteht dieses Potenzial zu nutzen und durch vielfältige touristische Projekte anzureichern: Das „Brandenburgfest“ findet alle zwei Jahre statt und hat sich zu einem Höhepunkt der Mittelalterszene entwickelt. Seit dem Jahr 2000 werden weitere Veranstaltungen zu den „Brandenburger Konzert- und Begegnungstagen“ angeboten. Eine von Ihnen ist das Open Air Electronic Festival „Medival“, für das ich an dieser Stelle werben möchte. Es findet am 21.07.2018 statt.

Zum Abschluss meines heutigen Tourtages lege ich einige Kilometer in meinem #ZukunftThüringen-Bus zurück und Besuche ein touristisches Zukunftsprojekt: In Ohrdruf empfangen mich Onno Eckert, Landrat des Kreises Gotha, und Bürgermeister Stefan Schambach, um mit mir Schloss Ehrenstein zu besichtigen. Sie erinnern sich: Schloss Ehrenstein – eines der schönsten Renaissanceschlösser Mitteldeutschlands – hatte alle großen Brandkatastrophen der Vergangenheit und den Bombenangriff im Februar 1945 fast unbeschadet überstanden, als es im November 2013 den Flammen zum Opfer fiel.

Bei dem in rot und weiß getünchten Gebäude, welches 1898 als Kulturdenkmal erfasst wurde, handelt es sich um eine dreistöckige Vierflügelanlage, die einen idyllischen Innenhof mit kleinen Laubbäumen umschließt und nach außen von einer großen Parkanlage umgeben wird. Seit Anfang der 1980er Jahre bemühte sich die Stadt um die schrittweise Instandsetzung der Schlossanlage, die für verschiedene kulturelle Zwecke genutzt werden sollte. Ein Museum, ein Stadtarchiv und eine Bibliothek sollten hier einziehen. Diese Arbeiten standen kurz vor dem Abschluss, als Dachdecker ein festgefrorenes Brett am Dachgerüst mit einem Gasbrenner enteisen wollten. Durch den anschließenden Brand und die damit verbundenen Löscharbeiten stand die unter dem Dachstuhl liegende Stadtbibliothek unter Wasser. Der Sachschaden wurde auf mindestens 10 Millionen Euro geschätzt, da sich im vernichteten Teil des Schlosses Gemälde und andere Kunstgegenstände befanden. Ganz Thüringen weinte mit Ohrdruf um Schloss Ehrenstein.

Um so mehr freut es mich, heute die Baustelle besuchen und einen positiven „Zwischenstand“ geben zu können: Durch umfangreiche Notsicherungsmaßnahmen des Landes und des Bundes, viel privates Engagement und eine gezielte Überarbeitung des musealen Konzepts, wird das seit 2014 geschlossene Museum voraussichtlich 2019 wieder seine Türen öffnen. Es werden eine geologische Ausstellung „Das Muschelkalkmeer um Ohrdruf“ sowie 10 restaurierte Gemälde zur Stadtgeschichte und des Zunft- und Innungslebens zu sehen sein. Darüber hinaus ist eine Ausstellung zur Industriegeschichte geplant.

Ich freue mich schon, bald wieder nach Ohrdruf zurückzukehren und empfehle Ihnen schon jetzt, es mir gleich zu tun: Besuchen Sie Schloss Ehrenstein! Und entdecken Sie Thüringen: Auf dem Wasser, von der Spitze eines Berges oder geschichtlich, durch seine interessanten Museen. Es lohnt sich.