In 80 Tagen um die Welt

Der berühmte Roman von Jules Verne ging mir gestern durch den Kopf, als ich die Firma EAS Germany GmbH in Nordhausen besucht habe. Eine Firma, die in Nordhausen als Joint Venture einer Batteriefabrik und einem Technologiekonzern entstanden ist und hoch spezialisiert mit der Lithium-Ionen-Technologie Batteriezellen produziert. Praktisch ist es Handarbeit und man produziert maßgeschneiderte und exakt konfektionierte Batteriezellen, die sich weltweit unter spektakulären Bedingungen im Einsatz bewährt haben. 220 der in dem Foto gezeigten Zelle bestückt allein jede russische Protonrakete und somit fliegt ein Stück weit Nordhäuser Qualitätsarbeit immer mit ins Orbit.

Mit mehreren Raketenentwicklern sind die Vertreter von EAS nun im Gespräch, um auch anderen die notwendige Power zu geben, die Erde aus dem Orbit zu betrachten. Eine Möglichkeit, in 80 Tagen um die Welt zu kommen, ist aber ein sehr spektakuläres Schiff mit Namen MS Tûranor. Dieses solarbetriebene Schiff der Race for Water Foundation umrundet die gesamten Weltmeere in der so genannten Race-for-Water-Odyssey und erforscht die Plastikmüllverseuchung auf den sieben Weltmeeren. Dieses Projekt, was in der Schweiz gestartet wurde und nun auf seiner endlosen Reise um den Globus Daten, Fakten und Informationen sammelt über die unheimliche Vermüllung unserer Meere mit Plastik, fährt mittlerweile seit Jahren sicher und solide mit Speicherzellen aus Nordhausen. Maßgeschneidert und konfektioniert für dieses besondere Schiff reist ein Stück Nordhausen permanent um die Welt. Und die Einsatzmöglichkeiten dieser Speichertechnologie scheinen unbegrenzt zu sein und dringend notwendig.

Mit Sonne werden die Energiespeicher geladen und treiben ein Schiff emissionsfrei um die Welt. Ein Solarflugzeug hat gerade die Weltumrundung gemeistert und warum sollten zukünftige Antriebsmodule im Flugzeug oder im Auto nicht die notwendige Power aus Nordhausen bekommen? In Nordhausen selber wurde für den kombinierten Straßenbahn- und Harzquerbahnbetrieb eine besondere Fahrzeuggattung, der Combino, entwickelt. Dieser wird bislang durch einen Dieselmotor angetrieben. Warum sollte dies nicht in Zukunft mit Nordhäuser Speichertechnologie ersetzt werden? Die selbe Einsatzmöglichkeit geht mir durch den Kopf, wenn ich an die Mitte-Deutschland-Bahn denke, die immer noch nicht durchgängig elektrifiziert ist. Warum sollten nicht E‑Loks mit diesen Speichermodulen kombiniert werden, um einen kompletten Zug ohne Umspannen von Lokomotiven zügig durch Thüringen zu bringen? All das als Anregung nehme ich mit und empfehle, auch mit den Stromversorgern Kontakt aufzunehmen, um über die Speicherung der so genannten volatilen Energien gemeinsam einen Entwicklungsweg einzuschlagen. Wenn die Sonne scheint und der Wind weht, haben wir Energieüberschüsse, die wir entweder mit Wasserkraft speichern oder mit Nordhäuser Batterietechnologie dann nutzbar machen können, wenn es eben dunkel oder windstill ist. Ein lohnenswerter Besuch in Nordhausen, der mir wieder zeigt: Thüringen ist an vielen Stellen vorne dabei und mit den Batteriezellen in den Protonraketen sind wir auch permanent im Weltraum unterwegs. In 80 Tagen um die Welt mit der Firma EAS aus Nordhausen kein Problem. Auf den Speicher kommt es an.

Am Nachmittag habe ich überraschend Besuch von Uli Hauser. Ein Journalist vom Stern, den ich seit den schrecklichen Ereignissen am Gutenberg-Gymnasium kenne. Uli Hauser kümmert sich um Aussteigerprogramme von Rechtsextremen genauso intensiv wie um das Festival in der Kölner Keupstraße. Das schreckliche Nagelbombenattentat in der Keupstraße hat nicht nur schlimme körperliche Spuren, sondern auch seelische Quälereien bei allen Betroffenen hinterlassen. Lange Zeit wurde gegen die Opfer ermittelt und heute wissen wir, die Täter kamen aus Thüringen. Aber auch die Frage, was machte eigentlich der hessische Verfassungsschutzmitarbeiter Temme nicht nur am Tatort in Kassel, als der braune Terror zuschlug, sondern offensichtlich ist seit gestern auch bestätigt, dass Herr Temme am Tag des Keupstraßenattentats in Köln ganz zufällig auch in Köln war. Hier haben Untersuchungsausschüsse doch noch viel Arbeit zu leisten. Uli Hauser ist aber derzeit auf Pilgertour unterwegs und so freue ich mich, ihn zu treffen, kann ihm aber auch meinen Lutherwegpilgerstab stolz zeigen, denn immerhin habe ich in der vergangenen Woche die Schirmherrschaft über das Projekt Lutherwege übernommen. Da ich in meinem Büro noch einen Wanderstock aus Lindenwerra habe, den ich vom Blinden- und Sehbehindertenverband Heiligenstadt überreicht bekommen habe, zeige ich natürlich auch diesen ganz besonderen Wanderstock. In Lindenwerra werden diese Wanderstöcke in Handarbeit immer noch hergestellt und sie sind ein echter Geheimtipp.

Den Abend beschließe ich mit einem ganz besonderen Gast. In Rom hatte ich zwei Mal Gelegenheit, die Organisation St. Egidio besuchen zu dürfen. Bei meiner Audienz bei Papst Franziskus gab es ein gesondertes Treffen mit dem Leiter der St. Egidio Gemeinschaft. Herr Zucconi stellte uns das Projekt der sicheren Fluchtwege vor. Die Organisation St. Egidio hat es geschafft, den italienischen Staat davon zu überzeugen, dass man mit Visas direkt und gezielt Familien nach Italien auf gesicherten Wegen bringt, um ihnen die mörderischen Pfade über das Mittelmeer zu ersparen. St. Egidio vermittelt schon von Anfang an die Paten, die sich dann in Italien um diese Familien kümmern und in dem Flugzeug, mit dem Papst Franziskus auf der griechischen Insel Lesbos war, durften einige dieser St. Egidio Familien mit zurück fliegen. Herr Zucconi war zu einer Veranstaltung in Jena und meldete sich spontan, ob wir uns sehen könnten bevor er weiter nach Berlin fährt. Meine Frau und ich freuten uns darüber sehr und so waren wir zusammen in einem typischen Thüringer Gasthaus in Erfurt verabredet. Was soll man einem Italiener in Erfurt anbieten, denn gut italienisch essen kann er in Rom mit Sicherheit, also revanchierten wir uns für unsere Treffen in Rom mit einem typisch thüringischen Essen in Erfurt. Dabei gab es viel gemeinsam zu bereden, denn immerhin hat er das Projekt der sicheren Fluchtwege der UN vorgestellt und wirbt bei vielen katholischen Bischöfen für Unterstützung mit diesem Projekt. In Polen scheint es jetzt eine Empfehlung zu geben, mit der die katholische Kirche sich eine Nachahmung des italienischen Weges vorstellen kann. Dies finde ich sehr spannend und würde mich freuen, wenn wir auch in Deutschland solche Wege endlich gehen könnten.

Ein spannender 4. Juli, der ja auch amerikanischer Unabhängigkeitstag ist.