Sie würden Herrn Steinbrück doch auch wählen, oder?

Man kommt aus dem Staunen nicht raus. Nachdem ich mich letzte Woche über das Verhalten einer Thüringer Zeitung gewundert habe, hatte ich am Wochenende gleich noch ein Erlebnis der besonderen Art. Diesmal ging es um eine bundesweite Zeitung, die jeden Sonntag erscheint und gern ein Zitat von mir haben wollte. Die Redaktion wusste offensichtlich auch schon genau, was ich gesagt haben soll – nur ich selber musste noch überzeugt werden.

Bevor ich den Mailverkehr wiedergebe, muss ich noch erwähnen, dass die beste aller Ehefrauen und ich das Wochenende in Karlsbad verbracht haben und die Fragen deshalb über die Pressestelle der Fraktion gingen und nicht telefonisch geklärt wurden. Zum Glück, denn dadurch hab ich sie dokumentiert. Die Zeitung sagt also, sie habe doch die Aussage von mir: “An der Thüringer Linken würde ein Politikwechsel im Land und damit auch im Bundesrat nicht scheitern!” Das hatte ich so gesagt, mit dem Hinweis, dass ich mich nur zu Landespolitik äußern will, weil es für den Bund andere Ansprechpartner gibt. Nun werde ich aber gefragt, ob ich nicht lieber folgendes gesagt haben will: “Die Thüringer Linke würde einen Politikwechsel im Bund mit einer rot-rot-grünen Mehrheit unterstützen.” Klingt ähnlich, ist aber was ganz anderes.

Weil ich ja nicht so bin, habe ich daraufhin einen Kompromiss angeboten: “Die Thüringer Linke würde einen Politikwechsel in Deutschland mit einer rot-rot-grünen Mehrheit im Bundesrat unterstützen und dafür würden wir unseren aktiven  Beitrag im Land leisten.” Damit hätte die Redaktion ihren Bundesbezug gehabt und ich hätte mich trotzdem nur zu dem Bereich geäußert, für den ich zuständig bin.

Der Hinweis auf den Bundesrat passte aber offensichtlich so gar nicht in den geplanten Artikel, so dass mir wiederum ein neuer Vorschlag gemacht wurde, was ich denn gesagt haben könnte: “Die Thüringer Linke würde einen Politikwechsel in Deutschland mit einer rot-rot-grünen Mehrheit unterstützen. Dafür würden wir unseren aktiven Beitrag im Land leisten.” Damit wird aber wieder suggeriert, dass es mir um eine rot-rot-grüne Mehrheit im Bundestag gehen würde. Dazu wollte und will ich mich aber gar nicht äußern. Mir geht es um Thüringen und hier stehen einem Politikwechsel schon mehr als genug Hindernisse im Weg. Wenn die SPD Interesse an einer sozialeren Politik hätte, dann könnte sie hier und in anderen Ländern mit uns regieren. Das Interesse besteht aber offensichtlich nicht.

Der Zeitung habe ich dann nach dem letzten vorgeschlagenen Zitat abgesagt. Es gab offensichtlich schon einen fertigen Artikel, für den die Redaktion wohl am liebsten von mir gehört hätte, dass ich den Steinbrück gerne zum Kanzler wählen würde. Wir haben aber in Thüringen ganz andere Probleme. Deshalb wäre ich sofort bereit für einen echten Politikwechsel, der hier im Land beginnt.