Nu is’ er weg.

Kaum ist Benedikt wieder außer Landes, löst sich die Anspannung, die während des Besuches und auch in den Wochen zuvor in der Stadt geherrscht hat. Der Aufenthalt des Papstes in Thüringen war ja mit mehreren Superlativen verbunden, unter anderem dem größten Polizeieinsatz in der Geschichte des Landes. Im Vorfeld gab es auch Irritierendes, wie die Äußerung der Jugendorganisation einer Partei mit dem C im Namen, die gleich sämtliche Demonstrationen verbieten lassen wollten. Da waren selbst die Bischöfe gelassener.

Mir bleibt im Gedächtnis, dass ich manchmal mehr Polizei als Besucher in Erfurt gesehen haben. Erinnerungswürdig im positiven Sinn fand ich die Rede von Norbert Lammert. Und der Papst selber? Im Bundestag hielt er sich verhältnismäßig zurück, dafür setzte er ganz am Ende in Freiburg noch einen Paukenschlag: Die Kirche solle auf ihre Privilegien verzichten. Da habe ich mich kurz gefragt, ob er jetzt mit den Laizisten in meiner Partei ins Gespräch kommen will. Zumindest konnte man aus den Worten des Papstes heraushören, dass über Sonderrechte, wie den Einzug der Kirchensteuer durch den Staat diskutiert werden kann. Vielleicht können wir nun tatsächlich intensiver und unaufgeregter über Fragen wie eine endgültige Ablösung der Staatsleistungen ins Gespräch kommen – ohne den Teufel an die Wand zu malen ;-). Das andere Thema, das mich dieser Tage beschäftigt, ist ein Interview, das noch gar nicht gedruckt ist. Das hindert aber einschlägige Kommentatoren nicht daran, sich schon mal mit viel Phantasie zu dem womöglich von mir gesagten zu äußern.

Mein Vorschlag lautet, dass wenn wir nach dem Erfurter Parteitag sowieso eine Urabstimmung über das Programm durchführen, dann könnten wir damit auch eine völlig neue Form der Personalauswahl praktizieren. Das würde die Vorwürfe der Hinterzimmerstrategien und Strömungslogiken vollends entkräften. Wir hätten damit eine von der gesamten Basis getragene Parteiführung und das Misstrauen könnte endlich beendet werden.

Schließlich hatten wir am Montag unsere erste Thüringer Regionalkonferenz und für einen normalen Werktag muss man mit den 35 Gästen wohl zufrieden sein. Aber es ist auf jeden Fall Potential nach oben da. Diejenigen, die da waren, haben sehr gut und konstruktiv diskutiert und man spürte den Willen aller Beteiligten, die Partei weiter zu entwickeln.