Gegenseitige Offenheit?

Grundsätzlich bin ich ja dafür. Ich bin dafür, dass der Papst im Bundestag spricht, denn er ist auch Staatsoberhaupt, er ist in der Weltpolitik nicht ganz unbedeutend und vor allem wurde er eingeladen. Und wenn man jemand eingeladen hat, um sich mit ihm auszutauschen, sollte man auch dazu stehen. Das heißt nicht, dass Kritisches nicht zur Sprache kommen darf. Die Haltung der Katholischen Kirche zu Homosexualität, zu Verhütung, etc. ist ganz sicher nicht meine. Aber ich finde das kann man deutlich sagen und trotzdem ein freundlicher Zuhörer und Gastgeber sein. Deshalb hatte ich mich auch öffentlich für die Papst-Rede in Berlin ausgesprochen.

Was ich schade finde, ist wenn Offenheit nicht gegenseitig gelebt wird. SALVE TV produziert zurzeit einen Film zur Vorbereitung des Papstbesuchs in Thüringen. Dazu werden an verschiedenen Orten des geplanten Besuchsprogramms Menschen interviewt, die eine Beziehung zur Kirche haben. Als jemand, der sich politisch mit Religion beschäftigt und auch dem Papst schon bei einer Audienz begegnet ist, wurde ich auch für ein solches Interview angefragt. Stattfinden sollte es im hiesigen Dom und natürlich war die Drehgenehmigung vorher eingeholt. Nur als das Kamerateam dann in den Dom wollte, um die Aufnahmen zu machen, wurde es uns doch untersagt. Kein Interview unterm Kirchendach – sehr bedauerlich, denn das hätte man auch vor Erteilung der Drehgenehmigung bedenken müssen. So entstand der Eindruck, dass es um mich als Vertreter der Linken gegangen sei. Das Drehbuch sah aber weder das Interview vor dem Altar noch von der Kanzel vor, sondern ich sollte lediglich ein paar Fragen für den regionalen Fernsehsender beantworten. Da sollte es um meine Begegnung mit Benedikt im Petersdom gehen. Nun mussten wir das kurzfristig hinter den Dom verlegen, was an sich nicht schlimm ist. Aber das erst eine Drehgenehmigung erteilt wird, und dann, wenn ich persönlich da bin, gilt diese doch nicht mehr, hat mich schon sehr gewundert. Da bin ich eigentlich von der Kirche mehr Gastfreundschaft gewohnt.