Religionsfreiheit ist Menschenrecht

Die Nachrichtensendungen, in denen über den Besuch des Bundespräsidenten in Tarsus/ Türkei berichtet wird, wecken bei mir viele Erinnerungen an die eigene Reise dorthin (nachzulesen im Tagebuch vom September 2008). Wenn man die Bedingungen dort mit eigenen Augen sieht, kommt man nicht umhin, Religionsfreiheit überall auf der Welt als Menschenrecht einzufordern. Jede und jeder muss seine Religion frei ausleben können und die Grenze dieser Freiheit kann nur die Freiheit des anderen sein. Weil es hier wie dort Menschen unterschiedlichen Glaubens und Nichtglaubens gibt, gehören auch Moscheen nach Deutschland und Kirchen in die Türkei.
Seit über tausend Jahren hat das orthodoxe Oberhaupt seinen Sitz in Istanbul, die Armenier sind Christen und in der Türkei leben auch noch Aramäer, die die Sprache von Jesus sprechen. Die Hagia Sophia war eine Kirche, bevor sie Moschee wurde, Kappadokien beherbergt im Göreme-Tal eine ganzes Kirchental in den Felsen. Das sind alles Zeugnisse einer gemeinsamen Kultur und gemeinsamer Wurzeln.
Bei meinem Besuch in Israel sagte der römische Patriarch von Jerusalem „Religion darf nie Teil des Problems, sondern muss immer Teil der Lösung sein“. Das Potential dazu ist immer da und ich würde mir wünschen, dass es eine Kultur des Aufeinanderzugehens geben würde. Insofern freue ich mich auch über den Bundespräsidenten, weil er in Sachen Religionsfreiheit auf Deutschland und auf die Türkei bezogen klare Worte gefunden hat.
Über den Mittwoch gibt es ansonsten zu berichten, dass es ein Tag mit vielen Besprechungen war, die allesamt noch ausführlich nachbereitet werden müssen. Zugleich wurden neue Termine vereinbart, z.B. mit Vattenfall zum Thema Wasserkraft und mit dem Vorstand der Thüringer E‑ON, um dort über den Einsatz von Mini-BHKWs zu reden. Alles darauf ausgerichtet, die regenerativen Energien auszubauen, denn Atomstrom brauchen wir ganz sicher nicht!