Ein sensibler Ort und unsensible Werbung

Der Tag ist der allgemeinen Landtagsarbeit gewidmet. Dazu gehört unter anderem, dass ich mit dem Mitarbeiter Frank Schenker, einen Text von mir zum Thema DIE LINKE und die Religion bearbeite. Gehört der Islam zu Deutschland bzw. gehören Muslime zu Deutschland? – ist eine Frage, die auch DIE LINKE bewegt und bewegen muss.


Daneben formuliere ich einen Text zur Programmdebatte. Es geht um das Internet und wie durch eine immer stärker vernetzte Welt diese verändert wird. Ich möchte, dass wir innerhalb der Programmdebatte auf die Höhe der Zeit kommen. Wir müssen nicht nur unsere eigenen Internetauftritte verbessern, sondern wir müssen auch die gesellschaftliche Dimension dieser Veränderung in die Programmdebatte einbauen. Dazu zählen für mich auch Fragen wie z.B.: Wie hält es DIE LINKE mit Urheberrechten? Ist das Internet ein rechtsfreier Raum? Wie verändert sich das Land durch die Welt der Bits und Bytes?


Im Laufe des Tages erreicht mich ein Information aus Erfurt, mit der wir in einer gemeinsamen Pressemitteilung reagieren. Auf dem ehemaligen Fabrikgelände von Topf und Söhne, dem Industriegelände in dem die Krematorien für Auschwitz und Buchenwald ingenieurtechnisch entwickelt wurden. Mit denen dann anschließend der rassistische Völkermord hunderttausendfach verschleiert wurde


Auf eben diesem Gelände war auch vor rund anderthalb Jahren die Auseinandersetzung mit den Hausbesetzern und es bietet jetzt neben einer – zum Glück geschaffenen Gedenkstätte – Gartenmarkt, Möbelzentrum, Tierhandlung und eine moderne Bäcker bei dem man an Drive-in-Schalter schnell einkaufen kann. Auch ich kaufe des öfteren dort für Attila ein und mir ist das Gelände in der jetziger Form wohl vertraut.


Diese Woche gab es mehrere Werbeanzeigen, in denen explizit Bezug genommen wurde auf den Geschäftsstandort auf dem ehemaligen Gelände von Topf und Söhne. In den Werbeaussagen sind Texte enthalten wie z.B.: „Frisch aus dem Ofen“ oder „Alles für die Grabgestaltung“. Diese Art der unsensiblen Werbung sind mir völlig unverständlich. Offensichtlich wussten die Anzeigentexter mit der Firmenbezeichnung Topf und Söhne nichts anzufangen.


Es war nicht eine x‑beliebige Fabrik, sondern der fabrikmäßige Tot und die Beseitigung des Massenmords hatte hier seine zu hause. Würden die Werbetexter nur mal um das benachbarte Gebäude herumgehen, würde ihn schon an der Außenfassade auffallen, dass dieser Ort etwas besonderes ist.


Für mich ist es überhaupt kein Problem, wenn die Gewerbetreibenden ihr normal übliche Werbung schalten. Aber die Kombination von Ofenfrischen Brötchen und Topf und Söhne oder die Werbung für Grabgestecke sprachlich neben Topf und Söhne passen einfach nicht zusammen.


Ich unterstelle keinesfalls bewusstes Handeln und meine ausdrücklich kein Werbeverbot. Der Ort mahnt zu einer besonderen Sensibilität und einem beachten seiner schrecklichen Vergangenheit.