Immer wieder sonntags …

… kommt die Falschmeldung. Diesmal kommt die Nachricht über das Radio: Die Linke-Parteiführung habe der SPD das Ministerpräsidentenamt zugesagt. Schon seltsam, was der SPIEGEL da meldet und unser Radio wiederholt. Ein Blick in die Satzung unserer Partei würde genügen, die Sache klarzustellen, denn solche Entscheidungen können gar nicht in Berlin getroffen werden. Das entscheiden die Landesverbände schön selber. Also rufe ich beim MDR an und erkläre die Lage, die nicht besonders spektakulär ist aber der Realität entspricht: Am 30. August entscheiden die Wählerinnen und Wähler!

Der Morgen begann mit einem kleinen Schock. Der Mitarbeiter, der mich heute begleiten wollte, ist über Nacht krank geworden. Deshalb auf diesem Wege: Gute Besserung Matthias! Die Tour durch die Erfurter Kleingartenanlage St. Andreas mache ich derweil mit unserer Stadtvorsitzenden Karola Stange. Dabei treffen wir einen Gartenfreund der heute seinen 47’ten Geburtstag feiert. Wir gratulieren ihm, wünschen alles Gute und weil er RWE-Fan ist, schwatzen über das Thüringenderby. Am Nachmittag wissen wir dann, dass er zum Geburtstag noch ein 3:0 geschenkt bekam.

Ein Garten weist eine Besonderheit auf: er hat ein Kellergewölbe. Die Gartenanlage besteht ja schon seit 92 Jahren und man weiß nicht warum dieser Keller ursprünglich angelegt wurde, aber von 1933 bis 1945 wurden hier Flugblätter der verbotenen KP unter Lebensgefahr gedruckt. Als die Anlage in den Fünfziger Jahren platt gemacht werden sollte, verhindert das ein Brief an die Staats- und Parteiführung. In den Neunzigern sollte dann eine ganze Straße durch die Anlage geführt werden. Da war ich mit am Widerstand dagegen beteiligt. Viele Gartenfreunde erzählen heute, dass meine Blumenzwiebeln von damals immer noch jährlich zum Blühen kommen. Ist schon erstaunlich, was eine gute Gartenpflege so leisten kann. Die aufmunternden und unterstützenden Worte tun gut.

Danach ging’s nach Buchenwald. Auf Einladung der Aidshilfe Weimar legten wir Blumen und Gebinde zum Gedenken an die ermordeten schwulen Häftlinge nieder. Die Ansprache der Vorsitzenden des Weimarer Bürgernetzwerkes gegen Rechts, Christine Schild, sprach deutliche Worte gegen Ausländerhass und Homophopie. Ihre Forderungen nach einem Verbotsverfahren gegen die NPD und auf Abschaltung der V‑Leute des Thüringer Verfassungsschutzes konnten die Anwesenden nur zustimmen. Neben den Vertretern der Aidshilfe waren auch SPD und Grüne prominent vertreten. Die beiden Parteien und wir stehen für ein Landesprogramm gegen Rechts und auch für ein wirkliches Gleichstellungsgesetz. Also muss man es auch anpacken und umsetzen. Da darf man doch von der SPD erwarten, dass endlich die Koalitionsabsage an die CDU erfolgt.

Die ganze Medienlandschaft spekuliert über den MP-Posten und ich verweise auf die drängendste Frage: Wird endlich für Klarheit gesorgt oder wählt Christoph Matschie Dieter Althaus zum Ministerpräsidenten. Wer alles offen lässt, ist nicht ganz dicht, sagt der Volksmund und ich schlage Horst Schlämmer als Ausweg für die Spekulationen zu meinem „Plan B“ vor.

Am späten Nachmittag laufen Germana, Attila und ich zum Riechheimer Berg hoch. Wir genießen den Blick von der Teufelskanzel auf das Highfield-Festival. Da war was los, Zelte soweit das Auge reicht. Im schönen Gasthaus angekommen, werden wir mit leckerem hausgemachten Kuchen erfreut. Es lohnt einfach diesen Weg zu wandern und dort dann Kaffee und Kuchen zu genießen. Am Schluss macht mich der Chef aber auf ein Problem aufmerksam, dass bei ihm in der Familie zu heftigen Debatten geführt hat. Ich begreife sofort meine prekäre Lage, denn ich war Schuld. Es geht um mein Zitat, wer nach der Landtagswahl Koch und wer Kellner sein solle. Was sage ich da nun dem Inhaber, der selber bedient? Recht hat er, Koch und Kellner gehören zu einem guten Lokal. Vielleicht eine Lösung für die Koalitionsverhandlungen? Als Ort der Riechheimer und als Moderator der Chef.