Dichtung und Wahrheit

Der Tag beginnt mit einem Gespräch mit einer Vertreterin einer großen deutschen Tageszeitung. Anschließend geht es weiter mit verschiedenen kleinen Besprechungen und dem Weiterbearbeiten der Postmappe. Da ist immer noch einiges Aufzuarbeiten und es nimmt die Zeit bis zur Fraktionssitzung in Anspruch. In der Fraktionssitzung besprechen wir dann unsere Anträge für die laufende Parlamentswoche, unter anderem fordern wir ein Umdenken in der Hochschulpolitik und ein Aktivwerden gegen offensichtlichen Steuermissbrauch/ ‑hinterziehung.

Die Hochschulen müssen in Deutschland und europaweit wieder dazu gebracht werden, sich auf Forschung und Ausbildung konzentrieren zu können, ohne ständig dem Druck eines freien Wettbewerbs ausgesetzt zu sein. Bildung ist keine Ware, deswegen dürfen für ein Studium keine Gebühren erhoben werden. Und Wissenschaft lebt davon, sich intensiv und nachhaltig mit den Dingen auseinander zu setzen – es kann nicht darum gehen, wer am schnellsten ein irgendwie geartetes, verkaufbares Ergebnis produziert. Was die Steuerpolitik angeht, muss die Bundesregierung schneller auf die „Erfindung“ immer neuer, aggressiver Steuergestaltungsmodelle reagieren. Momentan werden – von denen, die es sich leisten können – Steuerabgaben so uminterpretiert, dass so wenig wie möglich für die Gesellschaft übrig bleibt. Damit muss Schluss sein.

Nach der Sitzung bekomme ich einen Anruf von einer netten Thüringer Journalistin. Sie konfrontiert mich mit dem Gerücht, ob ich etwas davon wüsste, dass Barack Obama nach Thüringen käme. Spontan sagte ich, wenn Christoph Matschie Besuch von Obama bekäme und Dieter Althaus vom Pabst, dann frage ich mich, ob Karl Marx mich auch noch im Wahlkampf besuchen würde. August Bebel ginge auch oder einer der Präsidenten aus Lateinamerika, oder so. Aber sie sagt, dass es kein Aprilscherz sei. Obamas Großonkel wäre bei den Truppen gewesen, die u.a. die Außenlager von Buchenwald befreit hätten und das Gerücht sei so stark, dass wohl mit einem Besuch zu rechnen wäre. Darüber würde ich mich tatsächlich freuen, sagte ich und dass ich neugierig sei, ob’s denn wirklich so käme. Der Besuch von Benedikt, von dem Gerüchteweise zu hören war und für den schon mal eine Straße im Eichsfeld gebaut wurde, ist ja nun für das nächste Jahr angekündigt worden.

Der Abend endet dann aber ebenfalls katholisch. Ich bin von einer katholischen Studentenverbindung zu einer Diskussion eingeladen wurden. In der Katholischen Akademie treffe ich auf ein interessiertes und sehr neugieriges Publikum. Der Saal ist voll und siehe da, ein paar Ehefrauen sind auch dabei. Also nicht nur so ein Männerbündisches Klima, wie ich es mal in einer Marburger Verbindung erleben musste. Es war eine schöne und intensive Debatte, Bernhard Vogel war auch schon dort zum Vortrag. Also bisher alles in CDU Hand denke ich und nun wird die Thüringer Flanke geschlossen.