Geheimnisse der Jägerin des verlorenen Schatzes

Ganz ohne Attilas Zutun begann dieser Tag auch wieder kurz vor sechs Uhr, denn halb sieben fuhr mein Zug in Richtung Thüringen. Und tatsächlich – auch das soll man ja erwähnen – war es dieses Mal eine völlig reibungslose Bahnfahrt. Schwierigkeiten ereilten mich erst, als ich in Weimar angekommen war, denn da informierte mich mein Büro, dass die namentliche Abstimmung über das BKA-Gesetz auf heute verschoben sei. Da mein Tag aber bis zum Nachmittag in Thüringen verplant war, musste die Abstimmung nun ohne mich stattfinden.

Von Weimar fuhr ich mit Frank nach Suhl zum SRH Klinikum, ein Nachholtermin meiner Dialogtour. Die Geschäftsführer des Klinikums hatten mich um ein Gespräch gebeten, um über unsere Forderung nach einem Verbleib von Krankenhäusern in der öffentlichen Hand zu diskutieren. Nachvollziehbar werden mir verschiedene Schieflagen im Thüringer Krankenhaussystem erläutert, die inakzeptabel sind, sich aber nicht an der Frage privater oder öffentlicher Trägerschaft festmachen lassen. Wenn beispielsweise eine andere Klinik eine Komplettausstattung für kardiologische Untersuchungen erhält, diese aber personell gar nicht bedienen kann, dann fehlt es an einem Gesamtplan für unsere Krankenhauslandschaft. Statt des Prinzips Gießkanne muss doch genau geklärt werden, wo ein ordentliche Grundversorgung angeboten werden muss und wo bestimmte Spezialangebote sinnvoll sind. Das lässt sich auch am Beispiel der Suhler Frühchenstation festmachen, eine von dreien in ganz Thüringen. Dafür gibt es keine Zuschüsse vom Land und für das SRH Klinikum ist sie betriebswirtschaftlich ein reines Verlustgeschäft. Man möchte sich gar nicht vorstellen, was wäre, wenn sie irgendwann geschlossen werden müsste.

Dann geht es weiter, einmal quer durch Thüringen, von Suhl nach Greiz. Unterwegs sehe ich, dass sich Frau Lengsfeld, die Jägerin des verlorenen Schatzes, per E‑Mail bei mir gemeldet hat – eine Reaktion auf meinen Tagebucheintrag vom Montag. Ihr Schreiben ist sehr aufschlussreich, auch was bestimmte Vorgänge in Thüringen angeht. Da ihre Position nicht unbekannt bleiben soll, frage ich sie direkt zurück, ob sie gestattet, dass ich Ihr Schreiben als Kommentar auf meiner Webseite veröffentliche.

In Greiz steht eine öffentliche Diskussion zum Entwurf unseres Regierungsprogramms auf dem Plan. Trotz 15 Minuten Verspätung werde ich sehr freundlich empfangen und wir diskutieren über Bildungspolitik, das Verhalten der Landesregierung zum Volksbegehren aber auch über die Sorge der Anwesenden, dass bei der nächsten Kommunalwahl auch Rechte in die Kommunalparlamente gewählt werden könnten. In dieser Frage wird entscheidend sein, die Nazis auch als solche zu erkennen und zu benennen. Schließlich bedanken sich die Greizer für mein Kommen und versprechen mir, im Notfall eine Entschuldigung zu schreiben, falls jemand meine Abwesenheit während der namentlichen Abstimmung kritisieren sollte.

Am Abend, als ich schon wieder in Berlin bin, kommt die Antwort von Frau Lengsfeld. Sie gestattet nicht, dass ich ihre Gedanken zu unserem Disput veröffentliche und ich darf auch nicht in meinen Worten wiedergeben, was sie geschrieben hat. Sehr schade. Vielleicht kann sie sich ja doch noch zu einem für alle einsehbaren Kommentar auf der Webseite durchringen.