Spanische Chancen für Thüringen

An diesem Sonntag hängen meine Gedanken immer noch ein wenig der Spanienreise hinterher. Es war meine letzte offizielle Auslandsreise in der Bundestagslegislatur. Ab jetzt steht Thüringen endgültig im Mittelpunkt meiner Arbeit. Momentan heißt das vor allem sich mit der Entwicklung in Weimar auseinanderzusetzen. Wieder erreichen mich einige E‑Mails dazu und die müssen auch am Sonntagvormittag bearbeitet werden.

Die Reflektion meiner Reise bringt mich auch zu der Idee, dass die Zusammenarbeit zwischen den Regionen in Europa immer wichtiger wird. Wenn man die wirtschaftlichen Eckpunkte von Navarra und Thüringen vergleicht, lässt sich erahnen, wie sich unser Land entwickeln könnte. Das relativ kleine, 650 000 Einwohner zählende Gebiet im Norden Spaniens nutzt seine Gestaltungschancen optimal aus und hat es so zu nachhaltiger wirtschaftlicher Prosperität gebracht.

Prinzipiell war beeindruckend, wie in Spanien über Deutschland gesprochen wird, wie viel Wissen da ist und Offenheit zur Kooperation. Bei uns scheint mir dagegen kaum jemandem bewusst zu sein, dass beispielsweise Opel Eisenach ohne Opel Saragossa gar nicht denkbar ist. In Thüringen hängt einiges an Spanien und deshalb wäre es auch schön, wenn die Flugverbindung zwischen Altenburg und Barcelona schnellstmöglich wieder aufgenommen werden würde.

Am Beispiel Spaniens wird aber auch deutlich, dass der europäische Entwicklungsweg eng mit den abrahamitischen Religionen verbunden ist. Der starke Einfluss der arabischen Muslime spiegelt sich an vielen Orten Spaniens architektonisch wider. Aber auch der katholische Glauben ist oft sichtbar. Die Gesellschaft auf der iberischen Halbinsel fußt auf beiden Kulturen und dazu gehört auch, dass man sich nach dem Bürgerkrieg und der faschistischen Diktatur von der Überbetonung des Katholizismus distanzieren musste. Mit dem Versöhnungsgesetz wurde in Spanien Neuland betreten und das Öffnen der Massengräber der wahrscheinlich 100 000 oder 150 000 Ermordeten in der Franco-Zeit zeigt, wie notwendig ein behutsamer Umgang mit der Vergangenheit ist.

Ein bisschen traurig hat mich die Äußerung des spanischen Parlamentspräsidenten gemacht, der mir sagte, dass es in dieser Legislatur keinerlei europäische Partnergruppen geben werden. Andererseits sind wir motiviert, diesen Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen. An allen Stationen unserer Reise spürten wir eine positive Resonanz.

Es wäre schön, wenn Thüringen eine Partnerregion in Spanien hätte, auf die es sich konzentrieren kann. Schließlich können wir die Realwirtschaft gestalten, dazu sind Vorbilder nur hilfreich.