Nachwehen

Ein Arbeitstag von morgens um sechs bis abends um acht – während ich mir noch nicht sicher bin, ob ich das wirklich vermisst habe, bin ich schon mittendrin.

Heute früh hat mich Jan in Berlin abgeholt und fährt mit mir in Richtung Thüringen. Unterwegs bearbeite ich einige E‑Mails und kläre mit unserem Pressesprecher noch eine Meldung zum Thüringen-Derby ab. Ich hatte erst gestern von den bedrückenden Vorfällen im Steigerwaldstadion erfahren und war tief erschüttert. Gerade weil zwischen Erfurt und Jena das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald liegt, ist unsere Verantwortung gegen jeglichen Antisemitismus vorzugehen besonders groß.

Schätzungsweise 11 000 Juden wurden im KZ Buchenwald von den Nazis qualvoll ermordet. Wie sollen die „Juden-Jena“-Rufe heute auf die jüdische Bevölkerung Thüringens wirken? Eine Verharmlosung solcher Ereignisse darf nicht stattfinden, kein Vorkommnis ist zu klein, um konsequent geahndet zu werden. Weg sehen wäre die falsche Konsequenz. Die Verantwortlichen beim FC Rot-Weiß Erfurt müssen hier nicht nur klar Stellung beziehen, sondern sich nachhaltig gegen solche Einstellungen zu Wehr setzen. Dafür gibt es viele Wege: Der Verein könnte sich beispielsweise mit der jüdischen Landesgemeinde über ein gemeinsames Programm verständigen oder man könnte den jüdischen Fußballclub TUS Makkabi Berlin zu einem Freundschaftsspiel einladen.

Ich hoffe, Rot-Weiß wird handeln, damit sich diese Ereignisse nicht wiederholen.

Gegen zehn sind wir beim ersten Termin im Solardorf Kettmannshausen angekommen. Vor Ort informiere ich mich über die tolle Arbeit des Vereins, der sich für die effizientere Nutzung erneuerbarer Energien einsetzt. Im Gespräch mit Prof. Bley erfahre ich auch Bestätigung für unsere Idee bei der Energieversorgung auf das Prinzip „regional vor global“ zu setzen. Wenn Thüringen zukunftsfähig werden soll, müssen wir so viel wie möglich eigene Ressourcen für die Energiegewinnung nutzen. Solaranlagen und Biomasse-Kraftwerke sind dabei wichtige Schritte in die richtige Richtung.

Vom Solardorf bei Ilmenau geht es weiter nach Jena, wo ich die schöne Aufgabe habe, an das Psychosoziale Zentrum für Flüchtlinge eine Spende unserer Bundestagsfraktion übergeben zu können. Gleichzeitig nutze ich den Termin, um mich von den Fachleuten beraten zu lassen, was in Thüringen besser gemacht werden kann, um Flüchtlingen eine echte Chance zur Integration zu bieten.

Auf dem Weg zur Jenaer Montagsdemo treffe ich dann den mir liebsten Stadtjugendpfarrer und wir tauschen uns über unsere aktuelle Arbeit aus und wieder einmal ist auch der seltsame Wunsch der Thüringer SPD nach einer Fortsetzung der schwarzen Traurigkeit im Freistaat Thema. Bei der Montagsdemo rede ich aus Anlass des vierten Jahrestages des Beginns der Proteste. Vier Jahre in denen die Politik lieber Arbeitslosigkeit verwaltete anstatt Konzepte dagegen zu entwickeln. Aber auch vier Jahre Widerstand gegen diese Politik und Menschen, die nicht aufgeben, auf die soziale Ungerechtigkeit hinzuweisen.

Schließlich noch ein Termin in Erfurt und jetzt ein paar Stunden Ruhe, bevor es morgen früh nach Franken geht, Wahlkampfunterstützung für die bayrischen Genossen. Aber erstmal genug für heute.