Patria, Socialismo o Muerte … Venceremos!

Da fahren wir über die schöne sonnige Urlaubsinsel und dann, auf einem stinknormalen Parkplatz, so was! Ein großes Schild auf einem der Stellplätze, das Autofahrer vor dem Falschenparken warnen soll. Ein Soldat in Uniform hebt mahnend seine Hand hoch und bittet darum, diesen Stellplatz doch frei zu halten. Der Aufsteller ist gekennzeichnet als Warnschild der Guardia Nacional Bolivariana und bittet in fetten Lettern: Por favor DETENGASE!

Also freihalten für die Angehörigen dieser Nationalgarde bzw. deren Fahrzeuge – könnte es bedeuten. Wir sind uns aber mit der Übersetzung nicht einig. Darf man so profan vor falschem Parken warnen? Und wenn ja, was soll dann der Hinweis auf den Sozialismus? Damit endet nämlich der Text auf dem Plakat: Vaterland, Sozialismus oder Tod! Oha, wer hier falsch parkt, gefährdet das Vaterland oder gar den Sozialismus? Oder führt falsches Parken gar zum Tode? Oder haben wir es nur falsch übersetzt und hinter dem Schild ist das Anwerbebüro für die Nationalgarde?

Während wir noch grübeln, stelle ich mir so manche Mitstreiter in unserer Partei vor, wenn sie das Wort Vaterland über die Lippen bringen sollten. Oder wie übersetzt ein eingefleischter Linker das Wort Patria? Und darf er es dann überhaupt denken, ja sogar benutzen?

Fragen über Fragen aber schon wenige Kilometer weiter auf unserer Inselrundfahrt stehen wir auf der Festung über der Inselhauptstadt Asuncion und genießen den wirklich tollen Blick. Da höre ich klar und laut das Lied Venceremos heraufschallen. Wo kommt das her und was ist da los? Beim Hinunterfahren wird es klar: Wahlkampf findet auch hier statt. Die Vereinigte Sozialistische Partei Venezuelas hat ihren zentralen Kampagnenstart mitten in der Stadt organisiert, alle mit roten T‑Shirts und Basecaps. Es sieht im Grunde aus wie bei uns: Infotische, Lautsprecher, Musik und viele engagierte Mithelfer. Soll doch keiner in meinem Team in Deutschland denken, dass ich nicht immer im Wahlkampf bin. Auch hier bin ich aktiv, mindestens mal als neugieriger Zuschauer!

Apropos Sozialismus. Früher, als es noch staatssozialistische Länder gab, litten die immer chronisch unter Devisenmangel. Da gab es extra Läden und Hotels, um die Devisen abzuschöpfen. Diese Läden in der DDR hießen zum Beispiel Intershop und sind nicht zu verwechseln mit der Firma in Jena. (Nicht dass der Herr JU-Vorsitzende Mario Voigt in Thüringen nun wieder eine Krise bekommt, wenn er bei mir im Tagebuch etwas vom Intershop liest ;-). ) Diese Läden waren immer scharf auf Devisen. Jetzt sind wir in Venezuela und wir versuchen das zu machen, was jeder Tourist gerne macht: Essen gehen und vielleicht auch mal shoppen. Nur dazu braucht man Bargeld und das stellt sich als wirkliches Problem heraus. Der Devisentausch ist staatlich geregelt. Da ist nichts dagegen zu sagen. Man soll die offiziellen Agenturen besuchen und dort tauschen, auch gut! Vor dem Umtauschbüro steht ein großes Schild: Kreditkarten werden akzeptiert. Sehr gut! Doch dann Enttäuschung, an der ganzen Küste will keiner unsere Kreditkarten oder Maestokarten haben. Der Bankautomat in unserem Ort ist leer (wie wir hören, sei das fast immer so) und bis zur nächsten Bank muss ein Taxi geordert werden. Erste Bank: Automat kommuniziert mit der Zentrale – kein Geld. Zweite Bank: Endlich Erfolg! Aber was für einer, 200 neue Bolivar spuckt er aus und basta! Das entspricht gerade mal 70 bis 80 Euro (je nach Kurs). Mehr gibt’s nicht. Aber ein Essen im geliebten Fischerdörfchen kostet schon diese Summe und Kreditkarten nehmen die leider auch nicht. Also grübeln wir, ob der Sozialismus im 21sten Jahrhundert das Devisenproblem irgendwie gelöst hat? Wir haben es vielleicht nur auch nicht richtig verstanden, so wie mit dem Schild auf dem Parkplatz.

Es ist ja Urlaub und alles muss man ja nicht verstehen. Man lernt so aber nette Taxifahrer kennen und genießt den leckeren Fisch dann doppelt. Ein Sonnenuntergang in der Fischerbucht, ein super Essen und die beeindruckenden Flugkünste der Pelikane entschädigen aber für alle Umwege! Schöner, erholsamer Urlaub. Auf zum Flughafen, mal sehen, was die Nacht so bringt. Streik oder nicht Streik ist jetzt die Frage!