Brutalst möglicher Aufklärer gesucht

Beim Durcharbeiten meiner Unterlagen und den Pressespiegel der vergangenen Tage stoße ich auf einen seltsamen Vorgang.  In der Zeitung wird berichtet, dass eine Rede unserer Landtagsabgeordneten von der mit bewerbenden Partei okkupiert worden sei. Der Inhalt dieser Rede habe sich fast wörtlich in einem Thesenpapier wieder gefunden, es seien allerdings zwei Jahre Zeitunterschied.

Mir zeigt es, wie zeitlos unsere Forderungen waren und wie dringend notwendig eine Kurskorrektur in Thüringen in der besagten Angelegenheit ist.

Statt sich aber alle freuen, dass sie zu gleichen Schlussfolgerungen kommen, höre ich nur im wechselseitigen vorwurfsvollen Unterton von Abschreiben oder sonstigen finsteren Überlegungen. Ich verfolge die Presse der nächsten Tage und lese immer Seltsameres. Da ist die Rede von gezielter Dolchstecherei aus den eigenen Reihen und das die Landtagsrede Kraft telepatischer Fähigkeiten aus dem Computer der Landesvorsitzenden möglicherweise erahnt wurde. Ein Kreisverband der mit bewerbenden Partei versteigt sich gar in der Forderung, dass die gesamte „Affäre“ aufgeklärt werden müsste – rückhaltlos sogar. Da fällt mir ein, dass mit unsere Hilfe und der mit bewerbenden Partei der brutalst mögliche Thüringer Aufklärer endlich arbeitslos gemacht werden könnte und dann Kapazitäten für diese seltsame Affäre frei wären. Freundlich möchte ich den beteiligten Damen zurufen, nicht nur die Welt richtig zu analysieren, sondern notwendigerweise gemeinsam zu verändern.

Ansonsten nutze ich die Ruhe des Bundestages, um eine ganze Reihe von laufenden Vorgängen zu bearbeiten. Meine Mitarbeiter, soweit sie nicht im Urlaub sind, befinden sich im Englisch-Intensivkurs. Der sonst so kommunikative Ort unserer Kaffeemaschine verliert seine Anziehungskraft, weil die Akteure zum kurzen Plausch fehlen.

Kopfschüttelnd lese ich die Zuschrift eines Wirtschaftsberaters, der mir mit drohendem Unterton klar machen will, dass es eine Gnade sei, wenn er Wohnungsbestände in Thüringen für symbolische 1‑Euro-Beträge übernehmen würde. Seltsam befremdet nehme ich zur Kenntnis, dass er sogar Dankbarkeit dafür erwartet und mir gleich vertrauliche Briefe an Bürgermeister zur Information beigefügt. Auf solche Geschäftspartner kann ich gerne verzichten, die mir als Außenstehenden vertrauliche Geschäftspost zuleiten. Was ich allerdings ärgerlich finde ist das Gefühl, dass dieser vermeintliche Wirtschaftsberater mich auf den Arm nehmen will. Denn Bilanzen kann ich lesen und stille Reserven eines Unternehmens einfach zu verschweigen halte ich für unseriös.