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Debatten sollten mit Fragen beginnen, nicht mit Antworten

31. August 2015
Bodo Ramelow Politik

Friedensfest in Weimar, im Hintergrund der Chor des DNT

Als ich am Samstag in Weimar war, hat mich der Opernchor des Nationaltheaters mit einer Passage aus Verdis Nabucco in Empfang genommen - dem Gefangenenchor. Ich sah die Sänger aber lieber als freie Demonstranten denn als babylonische Gefangene, denn es ging ja nicht darum, mir ein Ständchen zu singen, sondern in der Debatte um die Zukunft der Thüringer Theater- und Orchesterstruktur sollte ein kraftvolles Signal gesetzt werden. Das finde ich erstmal richtig und wichtig. Ich habe aber auch geantwortet, dass wer Fragen hat, die Antworten nicht scheuen braucht. Es gibt einen Dialogprozess unter Leitung des Kulturministers Benjamin-Immanuel Hoff und der für Kultur zuständigen Staatssekretärin Babette Winter und ich finde es absolut richtig, wie die beiden an die Sache herangehen. Deswegen muss ich auch gar nicht mehr dazu sagen. :o)

Es gibt ein anderes Thema, zu dem ich mich hier etwas ausführlicher äußern will: Die ostdeutschen Ministerpräsidenten haben sich am Wochenende in der WELT in seltener Geschlossenheit zu Wort gemeldet und davor gewarnt, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Hass auf Flüchtlinge als primär ostdeutsche Phänomene zu bearbeiten. Auch ich wurde in den meisten Meldungen mit dem Satz zitiert „Wir reden von einem gesamtdeutschen Problem, das wir gesamtdeutsch bekämpfen müssen.“ Dies hat Widerspruch ausgelöst. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz sagt, es gebe im Osten eine größere Bereitschaft zu einer fremdenfeindlichen Radikalisierung als im Westen. Und die BILD-Zeitung veröffentlicht eine Kaskade von Zahlen, die belegen sollen, dass der Osten tatsächlich im Schnitt fremdenfeindlicher und demokratieferner eingestellt ist, als der Rest der Republik.

Kulturelle Vielfalt

15. Mai 2015
Bodo Ramelow Politik, Kultur

Im Gespräch mit der Flüchtlingsfamilie und ihren Erfurter "Patengroßeltern", Foto: TSK/ Katrin Bäßler

Viele Eindrücke der zurückliegenden Woche liegen im Spannungsfeld von Kultur und Vielfalt. Ein wunderbares Beispiel für Willkommenskultur durfte ich am Mittwoch erleben, als eine Flüchtlingsfamilie gemeinsam mit ihren deutschen „Patengroßeltern“ bei mir im Büro zu Gast war. Die Familie war vor fünf Jahren vor dem Krieg in ihrem Heimatland Irak geflohen. Als sie in Erfurt angekommen waren, hat sich dann die Freundschaft zu einem älteren Ehepaar aus der Nachbarschaft entwickelt. Die beiden unterstützen die Familie bei vielen alltäglichen Sorgen. Ich möchte einfach nur Danke sagen für dieses Engagement.

Heute war ich in Weimar bei der Pressekonferenz anlässlich der Eröffnung der „Liszt Biennale“. Mit diesem Festival, das vom 20. bis zum 25. Mai an verschiedenen Orten in ganz Thüringen stattfindet – u.a. im Festsaal der Wartburg, im Erfurter Dom, im Weimarer Stadtschloss und im Meininger Theater – wird das Werk des großen Komponisten lebendig gehalten. Das komplette Programm gibt es auf thueringen-entdecken.de.

Gelungenes und weniger Gelungenes

11. Juli 2014
Bodo Ramelow Politik, Kultur

Die Buchvorstellung mit Wolfgang Held in Weimar war eine gelungene Sache und es war mir eine große Ehre, die Laudatio für ihn halten zu dürfen. Als Autor von Erzählungen und Drehbüchern – „Einer trage des anderen Last“ ist zum erfolgreichsten geworden – könnte Wolfgang Held sicher noch mehr Spannendes berichten als auf den 200 Buchseiten zusammengetragen ist. In diesem Buch geht es aber nicht nur um Persönliches, sondern um Kultur- und Zeitgeschichte – es ist wirklich empfehlenswert.

In der Thüringer Staatskanzlei ist ja inzwischen der verantwortliche Minister abhanden gekommen, aber die seltsamen Beschäftigungsverhältnisse sind geblieben. Wie die Thüringer Allgemeine berichtet, wird derzeit ein eigentlich schon pensionierter Beamter dafür eingesetzt, um die Tätigkeit von anderen Beamten in Besoldungsgruppen einzusortieren. Der Mann bekommt dafür 2500 Euro im Monat, was ziemlich genau dem durchschnittlichen Brutto-Verdienst eines Thüringers entspricht. Der kleine Unterschied zum Durchschnittsthüringer ist, dass der pensionierte Beamte für die 2500 Euro nur acht Tage im Monat an der Arbeit sein muss.

Musik für die Seele

10. Juli 2014
Bodo Ramelow Politik, Kultur

Eröffnungskonzert der "Thüringer Tage der Synagogenmusik" an der Musikhochschule Weimar/ Foto: Maik Schuck

Der gestrige Abend erfüllte alle Erwartungen. Unsere Betriebsrätekonferenz in Erfurt war inhaltlich stark und hat die richtigen Leute erreicht. Und vom anschließenden Kantoren-Konzert an der Musikhochschule Weimar kann ich eigentlich nur schwärmen. Das Konzert zur Eröffnung der „Thüringer Tage der Synagogenmusik“ war in allen Facetten ein wunderbares Erlebnis und wer bis Sonntag Gelegenheit hat, sollte unbedingt eine der Veranstaltungen in Weimar, Berkach oder Erfurt besuchen. Gestern Abend waren auch viele internationale Gäste dabei, von denen mich hinterher einige ansprachen und mich über die Entwicklung des jüdischen Lebens in Thüringen ausfragten. Da konnte ich freudig berichten, dass sich da einiges tut.

Das Interview, das die TLZ am Montag mit mir geführt hat, ist heute erschienen. Nachdem ich gestern angekündigt habe, dass es sich eher wie ein Streitgespräch liest, kann sich heute jede und jeder selber ein Bild davon machen. Ich finde es jedenfalls nicht schlimm, wenn Journalisten kritisch nachfragen, aber im Zweifelsfall frag ich dann eben auch mal zurück, wie eine Aussage gemeint ist.

Zauberhaftes in Weimar

20. Februar 2014
Bodo Ramelow Politik, Kultur, Kirche und Religion

Gestern habe ich in Weimar mal wieder etwas Zauberhaftes erlebt, was beinah nicht stattgefunden hätte. Es war ein Festakt aus Anlass des siebzigsten Geburtstags von Christoph Stölzl, dem Präsidenten der Weimarer Musikhochschule. Und Christoph Stölzl war nur einverstanden mit der Organisation dieser Feier, weil es quasi eine Werbeveranstaltung für die Franz Liszt Hochschule in Weimar sein sollte. Dieses Ziel ist aber hundertprozentig umgesetzt worden.

Die vielen Ehrengäste aus der ganzen Republik erlebten musikalische Beiträge der Extraklasse. Auf die Musikhochschule, ihre Studierenden, Mitarbeiter und Professoren können wir in Thüringen wirklich stolz sein. Und natürlich hat der gestern geehrte Christoph Stölzl einen großen Anteil an diesem Erfolg. Er kämpft für „seine“ Hochschule, denn – so sagte er – kulturelle Teilhabe ist für die Menschen genauso wichtig wie soziale Gerechtigkeit.