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Zurück aus Israel

30. Oktober 2015
Bodo Ramelow Politik

Gespräch mit Zehava Galon, Mitglied der Knesset und Vorsitzende der Meretz-Partei

Die Israelreise, die am Sonntag begonnen hatte, ist nun seit gestern schon wieder Geschichte. Tel Aviv, Jerusalem, Haifa – es waren viele gute und wichtige Termine. Dazu hatten jeweils einzelne Gruppen aus unsere 50-köpfigen Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturdelegation noch gesonderte Gespräche, um Kooperationen vorzubereiten oder schon abzuschließen. Die vielen zufriedenen Gesichter am Abschlussabend haben mir gezeigt, dass es eine erfolgreiche Reise war. Der große Aufwand hat sich gelohnt und ich möchte auch hier noch mal ein großes Dankeschön all jenen aussprechen, die das alles vorbereitet haben.

Von Beginn an hatte ich gesagt, dass ich diese erste Auslandreise als Ministerpräsident nach Israel machen wollte und zwar nur nach Israel. Ich kann verstehen, dass das auch Fragen aufwirft. Mir ging es darum deutlich zu machen, dass ich als Thüringer Regierungschef zu der Verantwortung stehe, die uns die Geschichte gelehrt hat. Buchenwald, Dora, Topf und Söhne – was ich in diesen Gedenkstätten gesehen habe, ließ für mich keinen anderen Schluss zu. Das heißt nicht, dass ich die Situation in der Region ignoriere, wir machen nur in Thüringen keine aktive Außenpolitik.

Erinnerung als Schlüssel zur Zukunft

27. Oktober 2015
Bodo Ramelow Politik

Bei der Einweihung einer vom Freistaat Thüringen gestifteten Kinderschaukel im Kibbuz Lehavot Haviva, Foto: TSK

Heute‎ war ein angefüllter Tag. Umgehauen hat es mich, als am späten Nachmittag die Dunkelheit hereinbrach. Da haben wir gerade den Kibbuz Lehavot Haviva im Nordosten von Israel besucht. Von dort kann man auf arabisch besiedeltes Gebiet schauen. Das Westjordanland ist weniger als ein halbes Dutzend Kilometer entfernt. Der Kibbuz wurde 1949 gegründet. Einer der Gründer war Robert Büchler. Er wurde 1944 mit 15 Jahren gemeinsam mit seiner Familie nach Auschwitz gebracht und kam im Januar 1945 mit einem Todesmarsch nach Buchenwald. Dort wurde er im April 1945 von der amerikanischen Armee befreit. Sein gesamtes restliches Leben, immerhin rund 64 Jahre, widmete er der Erinnerung an den nationalsozialistischen Schrecken, aber eben auch an den Widerstandswillen seiner Opfer. Diesen Widerstandswillen nicht zu vergessen, gebietet nicht nur der Respekt vor den Menschen, die im Herzen der Barbarei ihre Menschlichkeit bewahrten. Das "Nie wieder!" wird nirgendwo eindrücklicher als aus dem Mund derjenigen, die sich gegen den braunen Terror behaupteten. Aber diese Menschen treten einer nach dem anderen ab. Heute hat mich die Nachricht vom Tod des Vorsitzenden des Häftlingsbeirats von Buchenwald, Floréan Barrier, erschüttert.

Das Erbe von Robert Büchler lebt im Kibbuz Lehavot Haviva weiter. Dort leben in unmittelbarer Nähe zum arabischen Gebiet Menschen verschiedener Religion und Herkunft friedlich zusammen. Juden, Araber, Christen, sie alle überwinden die inneren Grenzen und leben den Frieden in einer Zeit, die nur wenig Hoffnungsschimmer kennt. Der Kibbuz wächst. Neue Menschen kommen dazu. Junge Menschen, die Kinder mitbringen und bekommen. Ich habe lange nicht mehr so viele Kinder auf einmal herum toben gesehen wie in Lehavot Haviva. ‎Das frohe Geschrei der Kinder, die eine neue Schaukel in Besitz nahmen, das ist der Klang der Hoffnung auf Frieden, den diese Region so dringend braucht.

Kontinuität und eine frühmorgendliche Überraschung

22. Mai 2015
Bodo Ramelow Politik, Kirche und Religion

Regierungsmedienkonferenz nach dem Kirchengespräch mit Bischof Neymeyr und Regionalbischof Kamm, Foto: TSK

Einmal im Jahr gibt es in der Staatskanzlei ein Gespräch mit den Vertretern von katholischer und evangelischer Kirche. Diesen institutionalisierten Austausch behalten wir auch bei – schließlich stand auf unseren Wahlplakaten, dass wir nicht alles anders machen wollen. ;o) Neben der Tradition der Runde gibt es aber auch viele aktuelle Themen, wegen denen das Treffen richtig und wichtig ist: Gemeinsame Initiativen in der Flüchtlingspolitik, Verständigungen zur Entwicklung der Bildungslandschaft, die Frage der Aufarbeitung und einiges mehr. Wir hatten eine sehr gute Gesprächsatmosphäre und mussten sogar die anschließende Pressekonferenz ein Stück nach hinten verschieben, weil wir uns zwischendurch verquatscht hatten.

Die Nachricht, die ich gestern morgen halb sieben auf meinem Handy vorfand, dürfte dann im Laufe des Tages ziemlich viele Menschen im ganzen Land erreicht haben: Die GdL hat mich als Schlichter im Bahn-Tarifkonflikt benannt. Claus Weselsky hatte mich Mitte April auf einer Gewerkschaftskonferenz der Rosa-Luxemburg-Stiftung angesprochen, ob ich mir diese Aufgabe vorstellen könnte. Da Thüringen gerade auf dem Weg ist, der zentrale Bahnknotenpunkt in der Bundesrepublik zu werden und ein funktionierendes und attraktives Bahnangebot für den Freistaat besonders wichtig ist, habe ich zugesagt. Seitdem musste ich damit rechnen, dass es irgendwann ernst wird. :o)

Widersprüche, Überraschungen und Hoffnung

14. Juni 2014
Bodo Ramelow Politik, Kultur

Eine aufregende Woche in Israel geht zu Ende, die Gay Pride Parade gestern war ein sagenhafter Abschluss. Hundertzwanzigtausend Menschen tanzten durch Tel Aviv und die ganze Stadt war mit Regenbogenfarben geschmückt – die Häuser, die Läden und selbst unser Hotel. Hier feiert eine weltoffene Stadt ein Toleranzfest. Mich bewegt allerdings die Frage, wie das in Einklang zu bringen ist mit den Bildern von den ersten Tagen in Jerusalem. Wie passt das zusammen mit den Berichten über die vielseitigen Bedrohungen für Homosexuelle? Ein Land voller Widersprüche. Aber Tel Aviv macht Freude und Hoffnung!

Gestern Abend erlebte ich noch eine schöne Überraschung beim Schabbat-Gottesdienst in der Reform Synagoge Tel Aviv. Geleitet wurde der Gottesdienst von einem Rabbi, der vor einigen Jahren der Parteivorsitzende der Meretz Partei war, einer linken Partei aus dem liberalen Judentum. Neben mir saß ein sehr alter Herr, der mich wirklich verblüffte: er wünschte mir auf einmal auf Deutsch Schabbat Schalom.

Gekommen, um zu bleiben

13. Juni 2014
Bodo Ramelow Politik, Rosa-Luxemburg-Stiftung

Die Eröffnung des Büros der Rosa Luxemburg Stiftung in Tel Aviv gestern war eine gelungene Sache – volles Haus und gute Diskussionen. Auf eine eher launige Rede des deutschen Botschafters folgten klare Worte von Gregor Gysi. Von mir gab es einen Dank an das Team in Tel Aviv und einen ganz besonderen Dank vom ganzen Stiftungsvorstand an die Büroleiterin Angelika Timm für Ihre Aufbauarbeit für die RLS hier in Israel. Außerdem habe ich auf die Funktion unserer Auslandsbüros hingewiesen: Brücken bauen! Brücken zwischen Kulturen, zwischen Ländern, zwischen Blöcken und manchmal auch zwischen Feinden.

Mit dem Umzug in die eigenen Räume hier in Tel Aviv zeigen wir, dass wir gekommen sind, um zu bleiben. Und die Stiftung hat große Pläne. Angelika Timm möchte gern die Ausstellung der Gedenkstätte „Topf & Söhne“ nach Israel holen. Und ich wünsche mir, dass die Kulturausstellung aus Haifa in Erfurt gezeigt werden kann. Solche kulturellen Brücken halte ich für sehr wichtig.