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Erinnerung mahnt uns

17. April 2015
Bodo Ramelow Politik

Gedenken im ehemaligen Buchenwald-Außenlager Laura bei Saalfeld, Foto: Birgit Pätzold

Eine Woche voller beeindruckender Begegnungen liegt hinter mir. Es hat mich tief bewegt, dass noch einmal viele Überlebende Buchenwalds und der Außenlager nach Thüringen gekommen sind. Die Erinnerung an das Unvorstellbare wach halten, das ist unsere Verantwortung. Und es geht um noch mehr, wenn wir uns die Gegenwart anschauen. Der Brandanschlag in Tröglitz, immer mehr Angriffe auf Flüchtlinge und Demonstrationen, die Ausgrenzung zum Ziel haben – all das erfordert konkretes Engagement. Wir brauchen schnelles Handel der Zuständigen, um Integration zu gestalten.

Über diese Themen habe ich am Mittwoch auch mit Aiman Mazyek, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime gesprochen. Wir waren uns einig, dass der Umgang mit Religion ein wichtiger Aspekt bei der Integration ist. Deswegen hat es mich sehr gefreut, dass Aiman hier Unterstützung angeboten hat. Und Aiman unterstützt auch „Achava“, ein Projekt, dass jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. „Achava“ ist ein jüdisches Musikfestival und zugleich mehr als das. Es soll ein starker Impuls für den interreligiösen Dialog sein und zugleich deutlich machen, wie bereichernd verschiedene kulturelle Einflüsse für eine Gesellschaft sind.

Besa – ein Versprechen

27. Januar 2015
Bodo Ramelow Politik

Am Sonntag beim Gottesdienst im Erfurter Augustinerkloster hat Pfarrer Ricklef Münnich über Besa gesprochen. Besa ist ein Ehrenkodex, der in Albanien heute noch als der größte ethische Wert gilt. Wörtlich heißt es: „Ein Versprechen halten.“ Im Jahr 1933 lebten ca. 200 Jüdinnen und Juden in Albanien, 1945 waren es schätzungsweise 2000. Nach dem Prinzip des Besa wurde in dem kleinen Land allen Flüchtlingen Schutz gewährt, er wurde den Familien versprochen. Die Hilfe, so formulierte es Pfarrer Münnich, die Juden und Nicht-Juden gewährt wurde, kann als Angelegenheit nationaler Ehre der Albaner verstanden werden. Egal ob Christen oder Muslime, die Menschen sagten in der Rückschau immer, dass Besa ihre Motivationen war, ein großes persönliches Risiko einzugehen, um andere Menschen zu retten.

Die Rettung wurde dabei nicht von äußeren Eigenschaften abhängig gemacht, es ging nicht um Religion, Hautfarbe, sozialen Status oder ob sie gar als Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt gebraucht wurden. Es wurde kein Maßstab angelegt, ob Menschen „rettenswert“ waren oder nicht, sie waren es einfach aus ihrem Menschsein heraus. Pfarrer Münnich sagte dazu: „Vielleicht sind die Albaner nicht mit dem Erbe von Schiller und Goethe erzogen worden, aber sie messen dem menschlichen Leben die größte Wichtigkeit zu – und dies auf die selbstverständlichste Art und Weise.“

Würdigung für die Erinnerung

09. Mai 2014
Bodo Ramelow Erfurt, Politik, Kultur

Mittwochnachmittag war ich auf dem Erfurter Petersberg und habe an einer Gedenkstunde teilgenommen. Zwanzig Orte in Thüringen wurden anlässlich von zwanzig Jahren Thüringer Verfassung gewürdigt und dazu wurde das Denkmal des unbekannten Wehrmachtsdeserteurs ausgesucht und mit einer Plakette geehrt. Die Laudatio hielt dazu der Justizminister Holger Poppenhäger (SPD).

Für mich ist das auch eine persönliche Würdigung, denn als Vorsitzender des Kulturvereins "Mauernbrechen" war ich der offizielle Bauherr des Denkmals. Es war ja ein Bündnis aus mehreren Gewerkschaften, von Pfarrern, Künstlern und Friedensfreunden. Aber unser Verein war für das Geldsammeln, die Bauanträge, für die Kaufverträge für den Lokomotivenschrott usw. verantwortlich. Besonderer Dank gilt dem Künstler Thomas Nikolai der das Denkmal gestaltet hat. Dank gilt den Auszubildenden und den Gesellen des DB-Ausbesserungswerkes Erfurt, die alle weiteren Steelen geschweißt haben. Und eine tiefe Verneigung vor meinem leider viel zu früh Verstorbenen Freund und Kollegen Matthias Freitag, der als Landesvorsitzender der Thüringer Eisenbahngewerkschaft das alles ermöglicht hat.

Neue Gespräche mit alten Bekannten, neues Lesen alter Bücher

16. Mai 2013
Bodo Ramelow Politik

Einige meiner alten Bekannten sind ja inzwischen wahrscheinlich auch für Tagebuchleser alte Bekannte. Einer von ihnen ist Ralf Frost, äußerst umtriebiger Unternehmer aus Rudolstadt, mit dem ich mich seit meiner Bundestagszeit regelmäßig über verschiedenste Themen austausche. Vor allem in der Verknüpfung von wirtschaftlicher und touristischer Entwicklung ist er Experte und ein Meister im Knüpfen und Pflegen von Netzwerken. Dabei betreibt er keine klassische Lobbyarbeit, sondern es geht ihm immer um das Voranbringen der gesamten Region. Das macht die Gespräche mit Herrn Frost immer sehr sympathisch.

Sympathisch in ganz anderer Art verlief unsere heutige Fraktionssitzung, wobei „berührend“ die Stimmung wahrscheinlich besser beschreibt. Nach der Abhandlung der Formalia hatten wir diesmal für den Livestream keine inhaltliche Debatte vorbereitet, sondern eine Lesung aus Büchern, die vor 80 Jahren von den Nazis verbrannt wurden. Bevor es losging, konnte ich mir ehrlich gesagt nicht richtig vorstellen, wie das wirkt, aber im Nachhinein kann ich sagen: Es wirkte sehr gut.


Gedenkstättenarbeit nicht durch Kampagnen beschädigen lassen

13. April 2013
Bodo Ramelow Politik

An das Gedenken in Buchenwald am Donnerstag schloss sich gestern eine weitere Veranstaltung des gemeinsamen Erinnerns im ehemaligen Konzentrationslager Mittelbau-Dora an. Auch Birgit Klaubert war wieder mit vor Ort und gemeinsam haben wir uns darüber gefreut, dass 68 Jahre nach der Befreiung auch hier so viele Menschen zur Gedenkveranstaltung kommen.

Am Rande der Veranstaltung kam ich auch mit Prof. Volkhard Knigge ins Gespräch, mit dem ich leider eine unschöne Erfahrung teile. Auch Prof. Knigge musste zwischenzeitlich eine Kampagne erleben, in der ihm von Tuvia Tenenbom vorgeworfen wurde, er sei als Leiter der Gedenkstätte Buchenwald ungeeignet. Unterstützung bekam Tenenbom – oh Wunder – von Benjamin Weinthal, einem Tagebuchlesern gut bekannten Journalisten der Jerusalem Post.