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Blick nach vorn

So, der letzte Tag des Jahres ist also angebrochen. Zeit zum Scherben zusammenkehren? Die Schlagzeilen der letzten Tage waren ja nicht von schlechten Eltern – wenn man es so flapsig sagen darf. Wir sollen nun kurz vor einem Putsch stehen. Ich frage mich nur, wer eigentlich putschen will. Das ist doch ersponnener Quatsch! Wir brauchen eine Programmdebatte, die uns stärkt und keine Personaldebatte, die uns schwächt. Das ist es, was ich unserer Partei für das neue Jahr wünsche.

Auf dem Programmkonvent in Hannover sprach Lothar Bisky davon, dass die „Misstrauenskultur“ in unserer Partei endlich aufhören müsse. Die Aussage hat nach wie vor Gültigkeit. Um den Wunsch umzusetzen brauchen wir aber mehr Raum für Visionen und Debatten. Mund aufmachen, zuhören und am besten das richtige Verhältnis dazwischen finden – das wäre doch ein guter Vorsatz für 2011, oder?

Es gibt grundlegende Fragen, die wir miteinander diskutieren müssen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): Wollen wir Weltanschauungspartei sein oder Programmpartei? Wollen wir Freiheits- und Menschenrechtspartei sein oder eine mit dogmatischem Wahrheitsanspruch? Eine pazifistische oder eine dem Frieden verpflichtete Partei? Eine laizistische bzw. atheistische Partei oder eine dem Glauben gegenüber tolerante Partei? Eine Kaderpartei oder Mitgliederpartei? Eine Strömungspartei mit Holdingcharakter oder Massenpartei? Partei mit Avantgarde-Anspruch oder Forderungsanspruch, der sich aus den Lebenslagen der Menschen ableitet, um sie alltäglich zu verbessern? Wollen wir Sozialstaatspartei oder eine moderne sozialistische Partei sein?

Kurz vor Weihnachten sagte der neue Erfurter Rabbi zu mir, er sehe zwischen Juden und Christen viel Verbindendes: Die Christen behaupten der Erlöser war schon auf Erden und eines Tages komme er wieder. Die Juden meinen, der Erlöser war noch nicht da, werde aber irgendwann auf die Erde kommen. Nun meinte der Rabbi, wir könnten doch auf den Erlöser warten und wenn er da ist, fragen wir ihn einfach, ob er schon da war. Und bis das soweit ist, können wir einfach zusammenarbeiten und die Auseinandersetzung zurückstellen. So viel Gelassenheit und Blick fürs Praktische, das könnte man sich eigentlich zum Vorbild nehmen.

Ich wünsche Allen einen guten Rutsch und ein gutes neues Jahr!