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80 Jahre Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion - Gedanken und Gedenken

24. Juni 2021
Bodo Ramelow Privat

Am 22. Juni 2021 jährte sich zum 80. Mal der Tag, der unter dem Namen „Unternehmen Barbarossa“ die Weltgeschichte erschüttern sollte.

Nachdem Adolf Hitler mit Josef Stalin den Nichtangriffspakt vereinbarte, bereitete er im Geheimen bereits den Angriffs- und Vernichtungskrieg auf die Sowjetunion vor. Die überlieferten Befehle und Dokumente belegen dieses Vorgehen und machen deutlich, wie sehr die Weltöffentlichkeit immer wieder getäuscht wurde.

Die Einteilung der Menschheit nach Rassen und die Klassifizierung der Deutschen als Herrenmenschen vereinigten sich mit einem Aggressionspotential, bei dem die Kolonialisierung des Ostens als Kriegsziel angestrebt wurde. Hand in Hand mit der Eroberung von "Lebensraum im Osten" ging eine systematische Dehumanisierung der sowjetischen Bevölkerung, die am Ende auf nichts anderes hinauslief als die Tötung von Millionen von Menschen im Rahmen des sog. "Kreuzzuges gegen den Bolschewismus". Das Töten wurde normalisiert, ja sogar zur Pflicht erklärt. Das Märchen vom deutschen Präventivkrieg und der Verteidigung Europas vor dem Kommunismus bot für SS und Wehrmacht ausreichend Legitimation für namenlose Verbrechen. Ermordet und geschändet wurden Zivilisten, Kinder, Greise und Kranke. Ohne Gnade wurden Soldaten nicht nur gefangen genommen, sondern anschließend direkt erschossen oder durch Hunger und Zwangsarbeit ermordet. Millionen Tote hatten die Völker der Sowjetunion zu beklagen, bevor der deutschen Aggression ein Ende gesetzt werden konnte.

Dieser 80. Jahrestag war ein besonderer Gedenktag für mich. Daher war es mir auch so wichtig, die Vertreter der Nationen, Staaten und Länder, die Vertreter der Völker, die diesen hohen Blutzoll zahlen mussten, einzuladen, um sie mit in unser Gedenken einzubeziehen und letztlich den Sieg im vaterländischen Krieg zu würdigen.

Am sowjetischen Ehrenmal auf dem Erfurter Hauptfriedhof haben wir gemeinsam mit dem russischen Generalkonsul, den Vertretern der Deutsch-Russischen Freundschaftsgesellschaft, der stellvertretenden Präsidentin des Thüringer Landtages, dem Oberbürgermeister der Stadt Erfurt, der Vorsitzenden der VVN-BDA Thüringen und dem Vertreter der Thüringer Kriegsgräberfürsorge Worte der Erinnerung, der Mahnung und des Gedenkens aber auch des Dankes formuliert. Wir haben Kränze und Blumen für all die ermordeten und geschändeten Menschen niedergelegt. Und wir haben in Buchenwald gemeinsam neue Ausstellungen zum Thema Zwangsarbeit eröffnet und so den 300.000 sowjetischen Kriegsgefangenen, die in Thüringen zur Arbeit gezwungen wurden, gedacht. 65.000 Sowjetbürger waren im Konzentrationslager Buchenwald eingesperrt und 20.000 von ihnen fanden den Tod. Alleine 8.000 sowjetische Soldaten wurden ohne Registrierung ihinterhältig in einer getarnten Genickschussanlage ermordet.

Diese Zahlen zeigen einmal mehr, wie unfassbar der Humanitätsbruch des deutschen Kriegssystems war und warum es nicht nur so notwendig ist, jedem, der das Gedenken durch Begriffe wie Schuldkult verächtlich machen will, entgegenzutreten, sondern warum es auch heute noch enstcheidend ist, über Verantwortung zu reden, damit dieser humanitäre Bruch nicht in Vergessenheit gerät.

Keine Nation der Welt hat einen solchen Verstoß gegen die humanitären Grundwerte so systematisch begangen, wie das Deutsche Reich in der NS-Zeit. Die Verbrennungsöfen von Topf & Söhne aus Erfurt sind eine ingenieurmäßige Leistung, bei der man sich über die technischen Daten mathematisch auseinandersetzen kann, aber die Grausamkeit liegt in der ingenieurtechnischen Faszination, menschliche Körper noch schneller, noch umfassender und noch einfacher zu vernichten und dies als Erfolg darzustellen. Das ist der wesentliche Kern des humanitären Bruchs und diese Form, das Undenkbare denkbar zu machen, begann an der Wendemarke des 22. Juni 1941. Aus einem grausamen Krieg wurde ein enthemmter, ein brutaler, Vernichtungskrieg. Mit dieser Brutalisierung im Handeln ging auch die permanente Brutalisierung des Denkens einher. Die  Normalität, mit der Zehntausende von Menschen entweder demVerhungern preisgegeben oder mit dem Entzug von Wasser und Nahrung in den Tod getrieben wurden; Arbeit zum Tod führen sollte und in Gaskammern die systematische Vernichtung von Millionen von Menschen praktiziert wurde; das sind die schlimmsten Dimensionen dieser Brutalisierung. Hier bedarf es eines Stoppzeichens und einer Erinnerung. Deshalb bleibt der 22. Juni ein deutscher Tag der Mahnung und einer klaren Postulierung eines „NIE WIEDER!“.

Ein kurzes Video zum Gedenkakt gibt es hier zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=7Tljb7jFvV4

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