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Sportsgeist in neuem Gewand

27. Juli 2020
Bodo Ramelow Kultur

Foto: IBA Thüringen

Am Rande meiner Sommertour durfte ich am vergangenen Freitag im Apoldaer Eiermannbau Teil einer ganz besonderen Veranstaltung sein. Nach einer mehrmonatigen Suchphase kürte der Landessportbund Thüringen gemeinsam mit der Internationalen Bauausstellung Thüringen (IBA) den Siegerentwurf im Rahmen des Wettbewerbs zur Neugestaltung des Seesport- und Erlebnispädagogischen Zentrums in Kloster bei Saalburg am Thüringer Meer.

Angetreten waren 19 Architekturbüros aus Deutschland, aber auch anderen europäischen Staaten. Den Zuschlag bekam schließlich der gemeinsame Entwurf des Berliner Architekturbüros Ludloff Ludloff GmbH und Schönherr Landschaftsarchitekten. Ihr Modell wird das bestehende Bootshaus – also das Herz des geplanten Gebäudekomplexes – umfassend sanieren und durch Einsatz einer innovativen Holzbauweise neu gestalten. Hinzugefügt werden außerdem zwei längliche Flügelhäuser, in denen die jungen Wassersportler in modernen und komfortablen Unterkünften übernachten können. Die Dachform erinnerte mich in ihrer asymmetrischen, wellenartigen Form sofort an die Wogen der Bleichlochtalsperre – Assoziationen also, die einem zeitgemäßen Wassersportzentrum sicher sehr zupasse kommen. Nach dieser ersten, wichtigen und anstrengenden Phase werden nun in den kommenden Monaten die Verantwortlichen konkrete Gespräche mit den Entwicklern des Siegerentwurfes führen, um gemeinsam die Realisierung des Neubaus voranzutreiben. 

Mir liegt dieses Projekt aus ganz unterschiedlichen Gründen besonders am Herzen. In ihm verbinden sich mehrere wichtige Problemlagen und Zukunftsthemen, auf die wir in Thüringen – auch gerade durch solch spannende Entwürfe und Planungen wie in Kloster – immer wieder neue Antworten finden müssen. Zum einen sind wir als Bundesland verpflichtet, der jungen Generation Möglichkeiten zu eröffnen, sich in modernen Anlagen, flankiert von progressiver Jugend- und Bildungsarbeit, sportlich zu betätigen. Denn Sport bedeutet weit mehr als die Verbesserung der körperlichen Fitness. Er ist ein wichtiger Baustein zur Festigung sozialer Beziehungen und dem Aufbau eines Bewusstseins für Gemeinschaft und Solidarität. Der vielbeschworene Teamgeist, der auch beim Wassersport eine große Rolle spielt, wird, wenn er bereits im Jugendalter eingeübt wird, auch auf andere Lebensbereiche übergreifen. Und seien wir ehrlich: Wir leben in einer Zeit, in der viele immer wieder mangelnden gesellschaftlichen Zusammenhalt diagnostizieren. Was wäre da ein besseres Gegenmittel als die Sensibilisierung für die Bedürfnisse des Anderen über sportliche Aktivität?

Zum anderen adressiert der preisgekrönte Entwurf ein gerade für Thüringen zukunftsweisendes architektonisches Konzept – nämlich den Bau unter primärer Verwendung des Rohstoffes Holz. Wir leben in einem Bundesland, dessen Holzreichtum jedermann bekannt ist. Das Potenzial dieses besonders nachhaltigen, weil vollständig abbaubaren und nachwachsenden, Baustoffes ist allerdings bedauerlicherweise noch nicht überall im notwendigen Maße erkannt worden. Gerade deshalb brauchen wir immer wieder bauliche Leuchttürme wie in Kloster, um zu zeigen, dass hier die Zukunft wartet.

Drittens schließlich tragen Einrichtungen wie das SEZ, die im Herzen Deutschlands beinahe einen Alleinstellungsstatus genießen, zur weiteren positiven Entwicklung von touristischen Schwerpunktregionen bei – gerade in der gegenwärtigen Lage, in der immer mehr Menschen wohnortnahen Urlaub als spannende Alternative zu endlosen Flugstunden und All-Inclusive-Reisen entdecken, müssen wir hier weitere Pflöcke einschlagen.

Daran, dass wir jetzt – nach vielen Jahren der intensiven Planung und Diskussion gemeinsam mit den verantwortlichen lokalen Stellen und dem Landessportbund – der Verwirklichung jenes so wichtigen Projektes ein gutes Stück näher gekommen sind, hat im Übrigen auch das Land Thüringen einen nicht geringen Anteil. Es ist für mich nicht nur eine Formalie, sondern ein wichtiges symbolisches Zeichen, dass wir die Neustrukturierung eines Baus, der zu DDR-Zeiten von der GST (Gesellschaft für Sport und Technik) zur vormilitärischen maritimen Ausbildung genutzt wurde, auch mit Mitteln aus dem konfiszierten Vermögen der ehemaligen Parteien (vor allem der SED) und Massenorganisationen der DDR (PMO) unterstützen konnten (- bereits 1990 hatte die PDS auf sämtliche möglichen oder tatsächlichen Vermögenswerte der SED im Ausland verzichtet). Hier überschneiden sich geschichtspolitische und zukunftsweisende Spannungsfelder. Dort, wo früher gedrillt wurde, können sich heute junge Menschen an der friedlichen, gemeinsamen Zeit als Sportfreunde erfreuen. Allen Beteiligten weiterhin alles Gute und auf bald in Eurer wunderschönen und wichtigen Einrichtung!

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