Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

Den Neustart forcieren!

08. Juli 2020
Bodo Ramelow Texte

Gestern haben wir im Kabinett darüber beraten, wie zum 31.08. der normale Betrieb in Schulen und Kindergärten wieder aufgenommen werden kann. Dazu sind wir ebenfalls permanent mit dem Wissenschaftlichen Corona-Beirat in engem Austausch, um behutsam, aber dafür umso konsequenter Schritt für Schritt in Richtung Normalität zu gehen.

Genau deshalb waren Maßnahmen wie der eingeschränkte Regelbetrieb auch notwendig. Ja, er führt noch zu Problemen und ich weiß sehr genau, vor welch große Herausforderungen er Eltern, Kinder aber auch Lehrer in den vergangenen Monaten stellte und auch heute noch stellt.

Jetzt gilt allerdings, was wir bei unserer gestrigen Kabinettsitzung bestätigt haben: Fußend auf den aktuell niedrigen Infektionszahlen und der Prämisse, dass sich diese positive Entwicklung weiter fortsetzt, werden mit dem Ferienende auch die Einschränkungen beendet werden. Dann können die Betreuung in Kindergärten, Horten und der Schulunterricht wieder unter weitestgehend normalen Bedingungen stattfinden. Betonen muss ich dabei jedoch, dass Regelbeschulung und –betreuung nur dann funktionieren, wenn die nach wie vor bestehenden Gefahren weiterhin intensiv beobachtet werden. Es wird daher ebenso notwendig wie unumgänglich sein, dass wir ein Frühwarnsystem implementieren und dem gesamten Personal an Schulen die Möglichkeit einräumen, sich verdachtsunabhängig testen zu lassen. Und im Kontext von Testungen werde ich nie müde zu wiederholen: Die Infizierung mit dem Virus SARS CoV2 ist nicht identisch mit einer COVID19-Erkrankung. Das Virus löst die Krankheit aus, aber wir wissen bislang noch viel zu wenig  darüber, weshalb eine Infizierung nicht automatisch zum Erkranken führt. Dieser Befund ist Chance und Risiko gleichermaßen. Hier werden wir weiterhin viel zu leisten haben.

Dennoch sprechen die aktuellen Zahlen eine deutliche Sprache. So waren am gestrigen Dienstag noch 90 Menschen aktiv infiziert. Von den 23 kommunalen Gebieten mit Gesundheitsämtern sind 12 im Durchschnittswert der letzten 7 Tage völlig infektionsfrei, in den 11 übrigen liegt die Spanne zwischen 0,5  und 7,9 Infektionen auf 100.000 Einwohner und damit sehr deutlich unter unserem Alarmwert von 35. Mit Blick auf die letzten 14 Tage sprechen auch weitere Indikatoren – beispielsweise das Verhältnis von Erkrankten zu Genesenen – für ein Abflachen des Pandemiegeschehens. Ich habe immer wieder betont, dass die eben illustrierten Werte und ihre Entwicklung für uns Maßstab sein müssen, um das weitere Vorgehen zu planen. Und gerade weil diese Parameter dafür sprechen, werden wir mit Beginn des neuen Schuljahres auch die allgemeinen Vorschriften auf das zwingend Notwendigste beschränken. Ja, es wird weiterhin bestimmte Kontexte geben, in denen Vorgaben unumgehbar erscheinen. Ich denke zum Beispiel an den öffentlichen Personennahverkehr oder auch Aufenthalte in öffentlichen geschlossenen Räumen.

Für mich gilt bei all dem eben Beschriebenen bis auf Weiteres die Devise, dass wir unter kühler und permanenter Abschätzung der Risikolage ein schon in vielen Zusammenhängen bewährtes Maß an Kreativität weitertreiben müssen. Wir dürfen und werden uns unser gesellschaftliches, wirtschaftliches und privates Leben nicht von COVID19 erdrücken zu lassen. Ich habe in den letzten Monaten eine Vielzahl an Thüringern kennengelernt, die nicht bereit waren, sich ihren gesamten Lebenstakt von Corona diktieren zu lassen, sondern eigene Wege gefunden haben, Möglichkeitsräume zu schaffen – sei es, unser Bedürfnis nach Kultur durch die Einrichtung von Autokinos zu befriedigen, sei es, indem man die Produktion der eigenen Firma auf Mund-Nasenschutz-Bedeckungen umstellte.

Klar ist für mich auch, dass – sollte es wieder vermehrt Neuinfektionen geben – wir schnell und aktiv handeln müssen, aber auch können, um eine Ausbreitung sofort zu verhindern. Ja, eine zweite Welle ist denkbar, aber gleichzeitig trägt mich die Gewissheit, dass wir aus dem bislang Erlebten Vieles gelernt haben und dadurch auch auf eine wesentlich effizientere Weise handlungsfähig sein werden. Das lässt mich optimistisch in die Zukunft schauen. Besonderes Vertrauen habe ich in diesem Zusammenhang auch in unsere innovationsfreudige, mittelständische Wirtschaft.

Heute Morgen las ich in der Zeitung, dass Thüringen im Vergleich zu den anderen Bundesländern die prozentual meisten Patente anmeldet. Das zeugt von der großen Innovationskraft, die unser Bundesland seit jeher auszeichnet! Nutzen wir sie!

Neuer Kommentar

0 Kommentare