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In tiefer Trauer

24. Januar 2020
Bodo Ramelow Privat

Nein, manche Tage verlaufen nicht normal. Es gibt Tage, die ändern Lebenspläne, die zeigen ihr ganzes grausame Gesicht.

Gestern war in Thüringen ein solcher Tag. Im Wartburgkreis machten sich 23 Schülerinnen und Schüler auf den Weg nach Berka vor dem Hainich in ihre Grundschule. Sie hatten einen Schultag vor sich und trafen am Morgen an den Haltestellen auf ihre Klassenkameradinnen und Klassenkameraden. Sie werden aufgeweckt gewesen sein, wie die meisten Kinder in diesem Alter, sie haben gescherzt, vielleicht darüber geredet, was sie am Vortag gemacht haben, vielleicht haben sie die Hausaufgaben ausgetauscht, was Kinder eben tun auf dem Weg zur Schule. Sie konnten sich auf ihrem Weg in guten Händen wissen, denn der Schulbus bringt sie direkt vor die Grundschule und der Busfahrer ist bestens ausgebildet und ein verantwortungsbewusster Mensch.

Und plötzlich geschieht ein tragischer Unfall. Das ist nicht der Ort um über die Ursachen zu spekulieren, welchen Anteil das Wetter hatte. Im Moment sind wir alle fassungslos und in tiefer Trauer über den Tod von zwei Kindern. Der Gedanke an die Angehörigen, die morgens ihre Kinder auf den Weg schicken, sich verabschieden und die plötzlich diese unfassbare Nachricht erhalten, der macht uns doch alle rasend… Kinder sind für uns alle eines der höchsten Güter, sie lachen zu sehen, sie aufwachsen zu sehen, das macht unser aller Leben reicher. Und es ist für uns alle nur schwer vorstellbar, was es bedeutet, wenn sie dann so unvermittelt aus dem Leben gerissen werden.

Auch ich habe Kinder. Es ist mir bis heute eine Freude an ihrem Werden und Wachsen teilzuhaben mit all den Irrungen, die sich damit verbinden. Aber ich kenne auch die Sorge um sie, wenn sie krank sind, ernsthaft krank und ich sie auf diesem Weg begleiten musste. Ich kenne Eltern, die wussten, dass der Tag kommt, wo sie Abschied nehmen müssen, weil eine Krankheit leider nicht besiegt werden kann. Das ist furchtbar aber wenn ein Abschied gar nicht möglich ist… Wir können kaum erahnen, welche Verzweiflung das bereiten muss.

Auch deshalb danke ich den Rettungskräften, den Polizistinnen und Polizisten, den Ärztinnen und Ärzten, den psychologischen Betreuerinnen und Betreuern, den Lehrerinnen und Lehrern, allen, die seit gestern alles tun, was sie können, um Leid zu mindern, um zu helfen, dass den Verletzten schnell geholfen wird, um seelische Wunden von Beginn an zu betreuen. Niemand sollte jetzt allein und ohne Beistand sein. Nicht die Angehörigen, nicht die Schulkameraden und Freunde aber auch nicht die Schule und die betroffenen Gemeinden.

Als Ministerpräsident kann ich nur wiederholen. Die Landesregierung steht bereit und wird helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Schon gestern waren die Minister Holter und Maier vor Ort, wir haben in der Landesverwaltung das Nötige in Gang gesetzt. Und auch der Wartburgkreis und die Stadt Eisenach helfen, auch Landrat Krebs und Oberbürgermeisterin Wolf gilt mein Dank.

Ich verbinde mein Beileid mit der Hoffnung, dass wir in Thüringen in solchen Situationen zusammenstehen, uns gegenseitig stärken und Kraft spenden, einander zuhören. Dieses Miteinander brauchen wir gerade auch jetzt.

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