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Thüringer Wald in Not

17. Juni 2019
Bodo Ramelow Politik

Im Rahmen meiner Wanderung bin ich am vergangenen Sonntag in Sondershausen zum Possen gewandert. Der Possen an sich beschreibt einen 431,5 m hohen Berg der Hainleite im Kyffhäuserkreis. Zudem lässt sich dort ein einzigartiges Ensemble denkmalgeschützter Gebäude sowie einer Parkanlage des 18. und 19. Jahrhunderts besichtigen. Aber noch interessanter ist der wunderbare Laubmischwald dort. Erst in dieser Legislaturperiode war ja vereinbart worden, dass ein Teil des Waldgebietes am Possen aus der wirtschaftlichen Nutzung genommen werden sollen.

Auf meiner Wanderung am Possen wurde ich durch den Forstamtsleiter und den Revierförster begleitet. Bitter und ernüchternd war für mich die Erkenntnis, dass der Nadelholzbestand auf Hainleite, Windleite und Possen womöglich zu 100 Prozent verloren ist und – viel schlimmer – sämtliche Buchen, die über 100 Jahre alt sind, komplett verloren sind. Die Messungen innerhalb des Waldreviers zeigen, dass der Boden bis in eine Tiefen von 50cm faktisch komplett trocken ist. Trotz der Regenfälle in den letzten Tagen ist dieses Gebiet im Bereich der Wurzeln der Bäume komplett ausgetrocknet. Das heißt, die Trockenphase des vergangenen Jahres wirkt ununterbrochen. Tatsächlich ist der gesamte Thüringer Waldbestand in weiten Teilen in seiner Existenz bedroht ist. Dem grünen Herz Deutschlands droht gerade fast die komplette Zerstörung seiner Vitalität und es besteht die Gefahr, dass der in der Thüringer Verfassung geschützte Thüringer Wald droht, über große Strecken verloren zu gehen.

Sicher liest sich das dramatisch aber die Situation geht weit über das hinaus, was ich bisher an Zerstörung von Wäldern kannte. Saurer Regen in den Achtziger Jahren, Borkenkäferbefall oder die Stürme Kyrill und Friederike in den letzten Jahren, all das hat unsere Wälder nachhaltig geschädigt und mit den Folgen kämpfen wir bis heute. Aber die Trockenheit, Stürme und Dürre der vergangenen Jahre führt nun zu einer Katastrophe wie ich sie nicht erahnt hätte. Wer über den Possen blickt, sieht zwar Bäume, die im Laub stehen, aber er darf sich nicht täuschen lassen. Auf den zweiten Blick hat jeder Baum ausgetrocknete Äste und erkennt einen staubgrauen Schleier über den Bäumen. Die Trockenheit vernichtet Baumbestände in einer Brutalität ungeahnten Ausmaßes. Wenn wir ein Hochwasser hätten, würden wir schon kniehoch drinstehen und alle würden es begreifen. Unser Wald schreit!! Jetzt beherzt handeln, damit unsere Nachfahren noch den Wald genießen können.

Der Klimawandel wirkt hier ganz konkret und zerstört die Bäume, die wir brauchen, damit unser Klima funktioniert. Es geht hier also nicht nur um einen Verlust an Naturräumen oder Identität, was schlimm genug wäre. Es geht um die Folgewirkungen auf Umwelt und Klima.

In Thüringen können wir im Moment nur mit den Folgen umgehen aber auch das ist eine riesige Herausforderung für unser Land. Aber ich bin entschlossen, diese Herausforderung anzunehmen und die Anstalt öffentlichen Rechts „ThüringenForst“, betroffene Forstunternehmen und Waldbesitzer nicht allein zu lassen. In meiner Haushaltsrede am Freitag sprach ich davon und der Landtag hat bereits in der letzten Woche einen parteiübergreifenden Antrag beschlossen mit Sofortmaßnahmen, die wir nun umsetzen müssen. Jetzt heißt es den Wald zu retten, mit drastischen Maßnahmen und viel Geld. Absägen, verarbeiten und wieder aufforsten müssen jetzt Hand in Hand gehen. Jetzt an die Zukunft denken, heißt jetzt die Weichen zu stellen für die Wälder der Zukunft. Unsere Enkel werden es uns danken.

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1 Kommentare

Beyer, Roland

19. Juni 2019

Waldveränderung

Reiner Popolismus, der Wald braucht Wasser und kein Geld. Also von den Fichten können wir uns verabschieden, was weiteres regelt die Schöpfung. Politisch, das auf Mitleid und Wahlkampf zu ziehen, zeigt doch für mich das Bild, wenn man mit einer 10 Litergießkanne in die Sahara geht und will das Klima retten. Wir hatten im 18. Jahrhundert eine Waldsterbesituation aus anderen Gründen, wir hatten Ende des 19.Jahrhunderts noch Tannenbestände, welche als Hochseesgelschiefsmasten als Stämme da standen. Unser Nadelbaim ist historisch Tanne und Kiefer. Die Fichte ist zur Monukultur verkommen.