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Thüringen ist (fast) überall

12. April 2019
Bodo Ramelow Politik

Der vorletzte Tag meiner Reise bricht an und so ganz langsam spüren wir alle die Anstrengungen der letzten Tage. Ein dichtes Programm, die Hitze (vor allem die Luftfeuchtigkeit) und die vielen Eindrücke zehren an den Energiespeichern aber natürlich sind alle auch gespannt, was wir noch sehen werden.

 

Der Tag beginnt im Deutschen Haus in Ho-Chi-Minh-Stadt, in dem nicht nur das deutsche Generalkonsulat seinen Sitz hat, sondern vor allem jede Menge Unternehmen, Kommunen und auch Bundesländer, die von hieraus ihre Aktivitäten auf dem vietnamesischen Markt koordinieren. Das Haus selbst ist einer der modernsten Bauten der Stadt. Die Energie- und Klimatechnik ist auf dem neuesten Stand und damit zugleich auch Werbung für die deutschen Unternehmen, die das Haus errichtet haben. Zudem können hier auch Tagungen, Konferenzen und Ausstellungen stattfinden und mir kommt die Idee in den Sinn, dass wir hier doch auch das Thema „Bauhaus“ mit einer Ausstellung präsentieren könnten.

Bei einem Rundgang treffe ich auch an diesem Morgen auf „Thüringen“. Im Goethe-Institut arbeitet eine junge Frau, die ihre Ausbildung in Apolda absolviert hat. Jetzt hilft sie, jungen Vietnamesinnen und Vietnamesen dabei die nötigen sprachlichen Voraussetzungen zu erwerben, um später in Deutschland einen Beruf zu erlernen oder zu studieren.

 

Mein nächster Termin führt mich zur Firma „Viglacera“. Das Unternehmen ist in den Bereichen Glasproduktion, Bau und der Entwicklung von Industrieparks tätig. Seit einigen Jahren kooperiert es mit der Thüringer Firma „Innovent“ bei dem Thema Klebstoffforschung. Dabei geht es darum, Klebstoffe zu entwickeln, die den besonderen Erfordernissen des Klimas hier standhalten. Die Klebstoffe werden verwendet, um die großen Glasflächen an Gebäuden miteinander zu verbinden. Heute unterzeichnen die beiden Unternehmen ein MoU gemeinsam mit der Universität Hanoi zum Austausch von Wissenschaftlern, die an dem Thema weiter forschen. Perspektivisch geht es um die Errichtung eines Kleblabors in Vietnam.

 

Beim anschließenden Mittagessen treffe ich auf den nächsten Thüringer an diesem Tag, den Ausbildungskoch Vocational Training Centers, der in Gera geboren wurde und seit vielen Jahren in Vietnam lebt und arbeitet und junge Leute zu Köchinnen und Köchen ausbildet und sie vor allem mit der europäischen Küche vertraut macht. Die jungen Leute lernen dabei sowohl die theoretischen und praktischen Grundlagen des Kochens und erwerben daneben auch Sprachkenntnisse in Deutsch und Englisch, so dass sie beste Voraussetzungen sowohl für die Arbeit in Hotels und Restaurants hier in Vietnam aber auch im Ausland haben. Das Center wird übrigens vom Salesianerorden Don Bosco betrieben und von Miserior unterstützt. Das Essen, das die jungen Leute für unsere Delegation zubereiten und auch servieren, schmeckt jedenfalls ausgezeichnet.

 

Am Nachmittag habe ich dann ein ausführliches Gespräch mit Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Vietnam hier in Ho-Chi-Minh-Stadt, Prof. Dr. Nguyen Thien Nhan, der in Magdeburg studiert hat und später auch in den USA. Auf Deutsch erläutert er mir die Herausforderungen der Entwicklung einer Metropole mit fast 10 Millionen Menschen, die immer noch rasant wächst. Verkehr, Wohnungsbau, Ver- und Entsorgung aber auch Arbeit und Ausbildung für die Menschen hier sind riesige Herausforderungen, die bewältigt werden müssen. Bildung, so seine These, ist der Schlüssel für Fortschritt und Entwicklung und deshalb liegt ihm das Thema besonders am Herzen. Für ihn kann Deutschland in diesem Bereich Vietnam sehr gut unterstützen und ich biete ihm an dabei zu helfen. Aber natürlich ist die Stadt auch ein spannender Ort für Unternehmen und Investitionen. Wir werden im Kontakt bleiben.

 

Mein Tag endet mit einem Austausch mit Menschen, die deutsche Sprache und Kultur vermitteln als Lehrende, Forschende oder Träger von Bildungseinrichtungen. Und auch hier gibt es wieder Begegnungen mit Thüringern. Da ist Frau Voltersen, die in Jena geboren und aufgewachsen ist und Herr Giao, der in Jena studiert und promoviert hat. Aber alle am Tisch sind hervorragende Spezialisten bei der Vermittlung von Kompetenzen, die junge Leute aus Vietnam brauchen, die nach Deutschland kommen wollen. Und wir brauchen diese Kompetenz, da sie uns hilft, Vietnam, vor allem dessen kulturelles und gesellschaftliches System besser zu verstehen.

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