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Was lange währt, wird endlich gut….

29. Dezember 2018
Bodo Ramelow Texte

Anfang 2017 erreichte mich eine Postkarte aus Blintendorf, einem Ortsteil der Stadt Gefell, direkt an der A9 und kurz vor der Grenze zu Bayern. Auf der Karte stand: „Herzliche Grüße aus Blintendorf, Thüringen, dem ersten Ort an der A9, von Bayern aus kommend.“ Nicht nur mir hatte der Ortsteilbürgermeister, Bernd Vetter, diese Karte geschrieben, sondern auch der Bundeskanzlerin und dem Landrat des Saale-Orla-Kreises, Thomas Fügmann. Auf der Karte zu sehen ein Abrisshaus, eine Ruine, wirklich unschön

Und Herr Vetter beließ es nicht bei dieser Postkarte, sondern verband das ganze in der örtlichen Presse mit dem Hinweis, dass in Blintendorf Zustände wie in Aleppo herrschen würden. Eine wohl gewollte provokante Übertreibung, denn ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es irgendeinen Ort in Thüringen gibt, der auch nur ansatzweise mit Aleppo und der Situation dort vergleichbar ist. Ich wollte mir selbst ein Bild machen und nutzte einen Sonntagsspaziergang, um Blintendorf einen Besuch abzustatten. Gefunden habe ich einen wunderbar gepflegten Ort, mit einer Kirche, einem Gemeindehaus, alles offenkundig gut in Schuss und bestens gepflegt. Das in Rede stehende Haus konnte ich nicht auf Anhieb identifizieren und den Bürgermeister, bei dem ich klingelte, traf ich auch nicht an.

Also ließ ich meine Karte da und schrieb Herrn Vetter von meinen Beobachtungen. Herr Vetter meldete sich und schnell wurde das Problem offenkundig. Bei dem Haus handelte es sich um eine Immobile, bei der die Erben das Erbe ausgeschlagen haben und damit das fiskalische Eigentum an das Land fällt, das sich um die Abwicklung kümmert, sich bemüht Gebäude einer Nutzung zuzuführen oder sie zu veräußern. Letzteres ist in einer Randlage Thüringens, wie in Blintendorf, ein fast aussichtsloses Unterfangen.

Grundstücke, wie in Blintendorf, gibt es viele in Thüringen und es sind wirklich Schandflecken, die jeden Ort unattraktiv machen. Mit Aleppo hat das nichts zu tun und von Anfang an habe ich klar gemacht, dass ich mich gern um Hilfe bemühe und mich einsetze, um eine Lösung zu finden aber ich habe immer deutlich darauf hingewiesen, dass ein Gebäude nicht benutzt werden darf, um Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen, für die vermeintlich alles getan werde, während Blintendorf alleingelassen wird.

In Blintendorf ging es darum, den Abriss des Gebäudes zu ermöglichen. Das jedenfalls war der Wunsch des Ortsteilbürgermeisters. Man sollte meinen: Kein Problem: Ein Unternehmen wird beauftragt und das reißt ab und alles ist gut. Jeder Abriss kostet Geld. Im konkreten Fall war eine Summe von über 40.000 Euro zu stemmen. Geld über das weder Blintendorf noch die Stadt Gefell verfügten.

Der Landtagsabgeordneten Ralf Kalich machte sich auf den Weg, um eine Lösung zu finden. Theoretisch war die auch schnell gefunden. Projektmittel für den Abriss beim Infrastrukturministerium beantragen und eine Zwischenfinanzierung über die Thüringer Aufbaubank organisieren. Eine Sache von ein paar Wochen, könnte man meinen. Es hat bis in den Oktober 2018, also fast zwei Jahre, gedauert, bis alle Hürden aus dem Weg geräumt waren.

Mal stand die Rechtsaufsicht des Kreises im Weg, dann waren wieder kommunale Streitereien eine Hürde und ganz zum Schluss plötzlich die Fördermittel nicht mehr verfügbar. Aber ich hatte mir in den Kopf gesetzt so lange dranzubleiben bis das Thema erledigt ist und dass sich Hartnäckigkeit lohnt, wenn alle an einem Strang ziehen dabei durchaus auch mal ungewöhnliche Weg gehen.

Vor allem aber wollte ich beweisen, dass sich die Landesregierung sehr wohl darum kümmert, dass sich auch der ländliche Raum in Thüringen gut entwickelt, dass unsere Dörfer attraktive Lebensorte bleiben, denn sie sind Heimat für ganz viele Menschen in Thüringen.

Am Ende des Jahres 2018 kann ich berichten, dass wir es geschafft haben. Das Abrisshaus von Blintendorf ist abgerissen und Bauland, vielleicht für eine junge Familie, vielleicht sogar für Menschen die als Flüchtlinge zu uns gekommen sind, ist geschaffen.

So gehe ich mit dem Gefühl ins neue Jahr, das einiges geschaffen wurde und anderes meiner Aufmerksamkeit weiterhin bedarf. Ob die Themen Kaligewinnung oder Gipsabbau heißt, ob es das Schloss Reinhardsbrunn oder der Golfplatz in Oberhof ist. Themen, die nicht unumstritten sind und trotzdem viel Kraft bei der Begleitung bedürfen.

Aber mein letzter Besuch des Jahres 2018 gilt der Hölle. Immerhin grüßt mich auch der neue Bayerische Ministerpräsident, Markus Söder, immer mit der Liedzeile: Hölle, Hölle, Hölle. 

Denn irgendwann möchte ich mit dem Bayerischen Ministerpräsidenten von Hof kommend, mit der Eisenbahn durchs Höllental reisen und bis Jena Paradies fahren. Ich könnte, wenn das geschafft ist, ihn noch zur Straßenbahnfahrt in Jena bis zum Himmelreich einladen. Welch eine Vision, von der Hölle zum Himmelreich. 

Aber tatsächlich geht es um die Reaktivierung der Höllentalbahn. Damit könnten bis zu 300t Langholz-LKWs, die im Moment täglich zwischen Cheb (Eger) und Blankenstein verkehren von der Straße auf die Schiene verlagert werden. Darum will ich auch im neuen Jahr kraftvoll kämpfen. Wer wirklich CO2 reduzieren will, der muss sich um eine wirksame Verlagerung von der Straße auf die Schiene kümmern. Das Zellstofwerk ZPR Blankenstein und das Großsägewerk Mercer Holz in Friesau würden jedenfalls gerne ihre Rohstoffversorgung auf die Schiene verlagern und damit die Region von Lärm, Dreck, CO2 und natürlich von viel Blech befreien. Daran sollte man doch gemeinsam arbeiten. Dann wird es auch was mit der Vision von Hof, durch die Hölle zum Himmelreich. Einen guten Rutsch wünsche ich. 

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