Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

Klimaschutz – Wenn nicht jetzt, wann dann? Wenn nicht wir, wer sonst?

27. Juni 2019
Bodo Ramelow Politik

Im Juni 2013 traf die Stadt Greiz die Katastrophe. Nach tagelangem heftigem Regen stieg der Wasserpegel der sonst so beschaulichen Weißen Elster höher und höher. Fast fünf Meter betrug der Messstand am Ende, wo sonst gerade mal ein Meter normal ist. 420 Kubikmeter Wasser die Sekunde drückten sich gnadenlos den Flusslauf hinunter. Die beispiellosen Anstrengungen von Feuerwehr und Freiwilligen konnte die Überschwemmung der Stadt und den damit einhergehenden beträchtlichen Schaden an der Altstadt, dem Fürstlich Greizer Park und dem Sommerpalais nicht mehr abwenden. Ich fuhr damals ins Vogtland, um mir die Ursachen für die Überschwemmung auf den Höhen oberhalb der Stadt in den Dörfern Teichwolframsdorf und Mohlsdorf zu beschauen. Man stufte die Flut damals als HQ 200 ein – das heißt, dass eine so verheerende Situation nur einmal in 200 Jahren auftreten würde.

Aber mit dem Blick auf die international zunehmenden und sich immer wieder verstärkenden Extremwetterbedingungen, wird klar, dass auch uns solche Auswirkungen des globalen Klimawandels auch uns hier in Mitteldeutschland immer stärker betreffen werden. Ich muss zur Veranschaulichung nicht nur an die Hochwasser Sommer 2002 und 2013 erinnern. Die starke Trockenheit, die unsere Wälder zerstört und mir zurzeit sehr große Sorge bereitet (https://www.bodo-ramelow.de/nc/tagebuch/article/2019/06/17/thueringer-wald-in-not/), ist ebenfalls aller Wahrscheinlichkeit nach eine Folge dessen. Und je trockener der Boden, desto eher können langanhaltende Regenfälle auch wieder zu anschwellenden Flüssen führen. Ein zu ausgedörrter Boden nimmt nämlich Wasser nur sehr langsam auf. Wir werden uns in meinen Augen also grundsätzlich genau darauf einstellen müssen, in Zukunft öfter dem Wechsel von Trockenheit und extremer Nässe ausgesetzt zu sein. Und den Schäden, die diese Wetterlagen mit sich bringen.

„Mit Naturgesetzen, kann man nicht verhandeln“, schreibt der Astrophysiker Prof. Harald Lesch, den man aus dem Fernsehen kennt. Am vergangenen Montag, den 24. Juni, war ich wieder in Greiz – dieser Perle des Vogtlandes -, auf Einladung meines guten Freundes Harald Seidel. Seit vielen Jahren richtet er schon sein erfolgreiches Format „Prominente im Gespräch“ aus und auch dieses Mal waren über 300 Menschen gekommen, um dem berühmten Fernsehphysiker im Gespräch mit mir, zu lauschen – was für eine Ehre! Das Thema war Leschs aktuelles Buch. Es trägt einen Titel, der manchem noch aus den Tagen der Spontibewegung bekannt sein dürfte: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Darin beschreibt er, wie unvorstellbar gefährlich der Klimawandel für unsere sozialen, politischen und natürlich klimatischen Lebensgrundlagen ist und was man dagegen tun könnte. Wo hätte so ein Treffen eine günstigere Kulisse gehabt, als in Greiz, wo die Menschen erst vor nur wenigen Jahren der Gewalt der Natur auf Gedeih und Verderb ausgeliefert waren? Manchmal treffen am richtigen Ort, die richtigen Menschen aufeinander, schätze ich.

Praktische Vorschläge entgegen aller Widerstände

Ich schaue Prof. Lesch Sendung häufig am Sonntag, aber immer mit dem größten Vergnügen. Man könnte sagen, ich bin ein Fan. Es war eine besondere Ehre mit diesem klugen Kopf in ein direktes Gespräch zu treten. Denn seine Vorschläge, was wir als Gesellschaft tun können, um unser Klima und damit das Fortbestehen des ganzen Planeten zu schützen, finde ich in vielen Fällen nicht nur einfallsreich, sondern auch wichtig und richtig.

Wer meinen Tagebuch-Blog ein bisschen verfolgt, der weiß, dass mich das Thema Klimawandel schon immer sehr umgetrieben hat und dieser Tage wieder eine ganz vordere Rolle für meine politische Arbeit eingenommen hat. Erst vor wenigen Wochen war ich im Schatten der Veste Heldburg und auf dem Possen wandern. Dort sterben die Wälder ab. Man muss es in all dieser Deutlichkeit sagen, denn es hilft niemandem, sich der Realität zu verweigern. Wir werden dieses Jahr alleine wahrscheinlich fünf Prozent unseres Waldbestandes in Thüringen verlieren. Eine Katastrophe für das „grüne Herz Deutschlands“. Die Nadelbäume, die dürren, aber eleganten Kiefern, sind vielerorts bereits braun. Und die stolzen Buchen, teilweise weit über 100 Jahre alt, zeigen sich zum Beispiel im Kyffhäuserkreis an ihren Kronen schon ganz braun. Ein deutliches Zeichen, dass die Kapillaren nicht mehr genug Wasser bis in die Spitzen transportieren können. Der Borkenkäfer und zahlreiche schädliche Pilze, die auf dem toten Holz geradezu gedeihen, besorgen den Rest.

Es ist höchste Zeit, dass wir endlich anfangen, im größeren Rahmen auf die Lage zu reagieren. Dafür braucht es mehr Ideen, mutige Entscheidungen und den politischen Willen, nicht nur im Bund, sondern auch in den Ländern. Da mir das Thema so am Herzen liegt, habe ich in der Vergangenheit schon immer wieder Vorschläge in die Debatte eingebracht, die ich an dieser Stelle erneut anbringen mag:

  • Flugzeugtreibstoff, also Kerosin, ist von der Steuer befreit. Für ein normales Zugticket, müssen die Menschen aber alle erdenklichen Steuern in voller Höhe berappen. Dieses Verhältnis muss einfach umgekehrt werden. Das Bahnfahren von den Steuern befreit werden und damit erschwinglicher werden und Flüge sollten jedenfalls die CO2 Belastung mit in die Kosten einpreisen um mit den daraus gewonnenen Steuern die Umwelt entlasten.
  • Wenn die Energiewende gelingen soll, dann muss die Energie und ihre Produktion anders organisiert werden, als das aktuell der Fall ist. Die Zauberworte lauten dezentral, regenerativ und regional. Das bedeutet: die Kommunen produzieren vor Ort, in Stadt-, Gemeinde-, und / oder Kommunalwerken, ihren Strom aus erneuerbaren Quellen (Photovoltaik, Windkraft, etc. pp.) selbst. So verdienen die Städte und Dörfer an der Nachhaltigkeit auch noch mit und sind, ganz nebenbei, auch noch unabhängig von internationalen Rohstofffragen und der Unternehmenspolitik großer Energiekonzerne. Energieversorgung in der Hand der Bürgerinnen und Bürger.
  • Wir müssen die bestehende, ökologisch unschädliche, Technologie, die wir bereits haben, bessern ausnutzen. Ich will nur anmerken: ein mehr als beträchtlicher Teil der deutschen speicherbaren Wasserkraft, wird an den Saale-Kaskaden, zum Beispiel an der Bleilochtalsperre gewonnen. Die Pumpspeicherkraftwerke, die dort praktisch in wenigen Sekunden Strom bereitstellen können, wenn es in München mal wieder etwas knapp wird, erfahren nicht die Bedeutung, die sie eigentlich haben sollten. Denn man könnte sie sinnvoll nutzen, um Strom, der mit Wind und Sonne erzeugt wird, in Form von Wasser zu speichern und dann als sofort verwendbare Energie freizusetzen, wenn man sie braucht. Damit würden sich die Wahnsinnsprojekte wie die übermäßige Verkupferung Deutschlands durch immer gigantischer Stromübertraungsanlagen deutlich verringern und es müssten nicht problematische Erdkabel durch die Natur gebaut werden. Aktuell werden die Pumpspeicherkraftwerke mehr als nur stiefmütterlich behandelt und machen Verlust.

Und last but not least habe ich noch einen ganz konkreten Fall, den ich immer wieder erzähle, weil er so greifbar und schnell umsetzbar wäre, aber hier aus politischer Sturheit einfach kein Handlungsbedarf gesehen wird:

  • Im Ergebnis der deutschen Teilung fehlen im Höllental von Thüringen nach Bayern gerade einmal sechs Kilometer Schienenverbindung. Wenn es diese Schienenverbindung gäbe, könnte die dort ansässige Firma Mercer Holz und ZPR Zellstoff Fabrik Rosenthal erklärtermaßen jeden Tag 300 Lastwagen einsparen. 300 Lastwagen, die dort jeden Tag Bäume in das Zellstoffwerk transportieren. Dabei hat die Firma schon unlängst verlauten lassen, dass sie nicht nur gerne auf die Belastung der Straße, der Luft und der Umwelt überhaupt verzichten würde, sondern auch die 300 LKW Fahrerinnen und Fahrer gerne lieber in den Sägebetrieb integrieren würde, um dort wieder eine Nachtschicht organisieren zu können. Man könnte also hier mit nur sechs Kilometern Schienenverbindung eine richtige win-win Situation herbeiführen. Leider sind meine Bemühungen, hier mit der Bayerischen Verwaltung eine Einigung zu erzielen, stets im Sande verlaufen. Der CSU Abgeordnete vor Ort in Hof ließ die Presse wissen, dass er sich von einem „kommunistischen Ministerpräsidenten“, gar nichts sagen lasse…

Alle von mir angeführten Beispiele sind nur Ideen, wie man auch von der Länderseite aus effektiv etwas tun kann, um unseren Planeten, sprich unsere Daseinsgrundlage und unsere Heimat, zu bewahren. Ich will den jungen Menschen, die jeden Freitag auf der Straße stehen und Lösungen einfordern, auch endlich konkrete, greifbare Maßnahmen aufzeigen können. Deswegen werde ich auch weiterhin mit all meiner Kraft dafür streiten, dass diese Ideen endlich zur Umsetzung kommen. Wenn die Bundeskanzlerin mich in Berlin trifft, weiß sie bereits jedes Mal, was ich von ihr will. Ich werde nicht aufhören zu nerven. Dafür sind mir die Bilder wie damals in Greiz einfach zu präsent vor Augen. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Neuer Kommentar

1 Kommentare

Hackurtz

29. Juni 2019

Danke für die doch guten Vorschläge wenn man die Reaktionen so aus Bayern hört könnte man denen von CSU und allen anderen richtig kräftig die Meinung geigen. Ist aber typisch für einen Wessi 6 Km Schien scheitert an Sturheit aus Bayern weil sie ausgerechtnet ein Kommunist sein sollen Irre Ich habe bisher immer gedacht Sturköpfe wohnen in Meckpomm . So kenn ich es jedenfalls.