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10. Juli 201818:35

Ehrenamtswoche der Sommertour – Tag 1: Denen danke sagen, die die Gesellschaft tragen.

Auf meiner Sommertour #ZukunftThüringen widme ich mich den Themen, die das Land fit für die Zukunft machen. In dieser Woche stehen dabei die Menschen im Mittelpunkt, die sich ehrenamtlich oder beruflich im Gesundheits- und Rettungswesen engagieren und unsere Gesellschaft so zum Positiven verändern. Sie sehen hin, wo andere wegsehen und kümmern sich um (über-)lebenswichtige Belange.

Zum Beispiel, wenn es um ausgesetzte oder vernachlässigte Katzen und Hunde geht. Der erste Tourtag dieser Woche beginnt beim Tierschutzverein Eisenach e.V.. Auf dem ausladenden, 10.000 m² großen Gelände empfängt mich der Vorsitzende, Gerd Fischer, umringt von zahlreichen Mitarbeiter/innen in grünen Poloshirts. Ich kenne ihn durch seine Tätigkeit als Vorsitzender des Landestierschutzverbandes schon aus meiner Zeit als Oppositionschef und schätze seinen Rat. Das Tierheim, so lässt er mich stolz wissen, hat der 1991 gegründete Verein aus eigener Kraft selbst verputzt, umzäunt und in Stand gesetzt. Zu DDR-Zeiten war hier eine Broilermastanlage untergebracht. Neben den festen Mitarbeiter/innen kümmern sich hier 12 bis 15 Ehrenamtliche um 75 Katzen und 9 Hunde.

Herr Fischer führt mich durch die Räumlichkeiten. In zwei großen Häusern sind die Katzen untergebracht. Viele noch klein und tapsig. In einer Decke versteckt sich ein Wollknäuel, das leise maunzt. „Ich zeige Ihnen mal, was uns gestern über den Zaun geworfen wurde.“ Die kleine Katze ist bunt gefleckt und passt in eine Hand. Unsicher schmiegt sie sich auf meinen Arm. Wir taufen sie auf den Namen „Katja“ – der ebenfalls anwesenden Oberbürgermeisterin von Eisenach, Katja Wolf, zu Ehren. Die meisten Tiere bleiben nur hier, bis sie wieder aufgepäppelt sind und werden dann vermittelt. 12.000 Tiere haben bereits neue Herrchen oder Frauchen gefunden. Bedingung ist dabei, dass ein Tier es in seinem neuen zu Hause besser haben muss. Nach 6 Wochen kontrolliert der Verein daher die neuen Lebensbedingungen. In der 26-jährigen Geschichte musste erst einmal ein Hund zurückgeholt werden. Der gute Ruf des Tierschutzvereins ist bei der erfolgreichen Vermittlung die beste Werbung. Es gibt aber auch Tiere, die nach 6 Monaten niemanden gefunden haben und im Tierheim ein zu Hause finden– wie Ares, der große weiße Wachhund, der mir bis zur Hüfte reicht.

Neben der akuten Pflege seiner kleinen Bewohner, engagiert sich der Verein als Mitglied des Deutschen Tierschutzbundes auch gesellschaftspolitisch für deren Belange. Zum Beispiel durch die Aktion „Katzen Chippen“ am Wochenende, im Kampf gegen die Rassehundeliste oder indem er schon weit vor der Urlaubszeit dafür wirbt, dass auch der Urlaub für das Haustier geplant wird. Damit Aussetzungen vermieden werden, bietet das Tierheim für Notfälle eine „Tierheimpension“ an.

Ich bin den Thüringer Tierschutzeinrichtungen dankbar, die für das gemeindliche Leben und den Schutz der Kreaturen, die nicht selbst für ihre Rechte einstehen können, sehr wichtige Arbeit leisten. Für die Zukunft wünsche ich dem Tierschutzverein Eisenach alles Gute, viel Erfolg beim geplanten Bau seines neuen Hundehauses und vor allem, dass wie erhofft viele junge Ehrenamtliche den Verein verstärken.

Mit meinem #ZukunftThüringenbus geht es weiter nach Bad Langensalza, genauer gesagt zum Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz – kurz: TLV. Was aussieht wie ein großes, modernes und mutmaßlich langweiliges Verwaltungsgebäude, birgt Themen, die es in sich haben: Wir alle erinnern uns noch an EHEC, den „Gammelfleisch“-Skandal oder Fibronil in Hühnereiern. Die 505 Mitarbeitenden des TLV sind genau dafür zuständig – und für vieles mehr.

Lothar Hoffmann ist der Vizepräsident des TLV und gibt mir einen Überblick über die Behörde, die es in dieser Form seit 2013 gibt. Die Arbeit des TLV basiert auf zwei Säulen:

1.) Der Überwachung der 611 Lebensmittelhersteller in Thüringen, des Trinkwassers, der Raumluft oder von Kosmetika, der Überwachung von über 200 Ärzt/innen und Heilpraktiker/innen, der Erfassung meldepflichtiger Krankheitserreger (wie z. B. multiresistenter Keime in Krankenhäusern). Aber auch der Überwachung von Forschungseinrichtungen, die mit genetisch veränderten Organismen arbeiten. Darüber hinaus überwacht das TLV Handelswaagen, Volumenmessgeräte an Tankstellen, Taxameter oder Jagd- und Sportwaffen.

2.) Der Untersuchung von Erkrankungen bei Mensch und Tier – wie z. B. bei Tierseuchen wie der Geflügelpest oder auch unklaren humanmedizinischen Symptomen. Brauchte man früher noch 3 Wochen, um eine Epidemie zu erkennen, kann das TLV heute binnen 24, maximal 48 Stunden, jede Tierseuche identifizieren. 1500 Prüfmethoden in 219 Laboren machen es möglich. 11 Sicherheitslabore entsprechen dabei der hohen Schutzstufe 3, die beispielsweise für Milzbranderreger oder Tollwut gebraucht wird. Hinzu kommt die Ursachenanalyse tödlicher Arbeitsunfälle. In fast keinem anderen Bundesland konzentriert sich so viel Know-How an einem Standort.

Als erster Ministerpräsident, der das Landesamt besucht, bekomme ich eine Führung durch das Haus. Heike Werner, die zuständige Ministerin, begleitet mich. In einem Labor liegen zahlreiche Gegenstände – vom Modeschmuck bis zur Waldmeisterbrause – ausgebreitet auf einer langen Theke. Nach einem festgelegten „Probenplan“ werden hier die verschiedensten Produkte auf ihre Gesundheitsverträglichkeit getestet. Auch, wenn in der Bevölkerung unklare Krankheitssymptome auftauchen sollten, würde das TLV Proben nehmen und versuchen, zu ermitteln, wo die Ursachen liegen. Solche unklaren Krankheitssymptome wiesen auch drei Ferkel auf, die in einer Blutlache in der großen, steril anmutenden, gekühlten Halle liegen, die wir als nächstes besichtigen. Hier werden regelmäßig kranke Tiere obduziert. Das größte Tier, das einmal hier hinein gehievt wurde war ein Kamel.

Nicht nur als Ministerpräsident, sondern auch als gelernter Lebensmittelkaufmann weiß ich, wie entscheidend die Arbeit des TLV für unsere Gesellschaft ist. Ich danke den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre wichtige und beeindruckende Arbeit und mache mich auf den Weg zu meiner letzten Station, ins Eichsfeld.

In Leinefelde-Worbis besuche ich die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber und Flüchtlinge, die vom Caritativen Pflegedienst Eichsfeld gGmbH betrieben wird. 2015, im Jahr der großen Flüchtlingswelle, - noch einen Tag bevor die Geflüchteten hier eintrafen -, fanden hier Fort- und Weiterbildungen statt. Dann wurde das Bildungsinstitut, das sich ohnehin kurz vor der Schließung befand, umgewidmet.

Hans Joachim Köhler, Ortsteilbürgermeister und ehemaliger Rot-Kreuz Mitarbeiter, ist hier der Heimleiter und nach Aussage seiner Mitarbeiter/innen eine „Vaterfigur im allerbesten Sinne“. Er führt mich durch die Räumlichkeiten, die das Eichsfeldklinikum erwarb und heute betreibt.

Die Unterbringung befindet sich in ländlicher Idylle, von rauschenden Bäumen und Feldern umgeben. Sie besteht aus zwei Wohngebäuden und einem Schulgebäude. Im Hof spielen Kinder Ball und fahren Fahrrad. Jugendliche sitzen auf den Treppenstufen und unterhalten sich. Die Gemeinschaftsunterkunft Bodenstein verfügt über eine Gesamtkapazität von 170 Plätzen – derzeit sind 93 Flüchtlinge, 35 Männer, 24 Frauen sowie 34 Kinder und Jugendliche, aus 10 verschiedenen Ländern hier untergebracht.

Die Arbeit mit den Geflüchteten– so sind sich alle Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen einig –funktioniert sehr gut und „ohne dramatische Vorkommnisse“. „Wenn wir 80 Deutsche unter einem Dach hätten, entstünden genauso viele oder mehr Konflikte“, ist sich Herr Köhler sicher. Die Zimmer sind nicht sehr groß und sehr bescheiden eingerichtet. Es gibt für die Familien ein kleines Bad, Betten, ein IKEA-Regal, Stühle. Essen bereiten sich die Familien in zwei großen Gemeinschafsküchen selbst zu. 

„Tu Gutes und rede *nicht* darüber“, scheint das hiesige Motto zu sein. Die Ehrenamtlichen erwarten „nicht so viel von Stadt und Politik“. Sie wollen „einfach mal machen“. Einfach mal machen – das erwarten sie auch von den Geflüchteten. „Es kommt wirklich auf den oder die Einzelne/n an, wie gut Integration funktioniert. Am liebsten ist uns das Modell ‚Leben und leben lassen‘“, sagt Herr Köhler. Am meisten freut er sich darüber, wie gut die Kinder sich hier eingelebt haben, die die Grund- und Regelschulen in Worbis besuchen. Sie sprechen schon fließend Deutsch und helfen beim Dolmetschen. Ich kann es live erleben, als ich mich im Hof selbst mit den Bewohner/innen über ihre Erfahrungen austausche.

Wie lange bleiben Familien im Durchschnitt hier? Das ist schwer zu beantworten. Niemand blieb bislang unter 4 Monaten, nur eine Familie ist seit Dezember 2015 hier. In der Regel bemühen sich die Geflüchteten sehr rege um Arbeit und finden auch etwas, etwa in Gaststätten, in der Pflege oder in der Lebensmittelindustrie. Eine Herausforderung liegt jedoch immer noch im Erlernen der Fachsprache mancher Berufe. In den Klassenräumen des Schulungszentrums finden daher Deutschkurse statt. Ehrenamtliche und der Bildungsträger bieten die ganze Woche über Unterricht an.

Ich bin sehr dankbar für die wertvolle Arbeit dieser Gemeinschaftsunterkunft. Sie steht stellvertretend für viele Erfolgsgeschichten im ländlichen Raum. Meines Erachtens geraten diese „Mühe der Ebene“ viel zu oft und zu Unrecht aus dem Blick der Öffentlichkeit. Daher möchte ich in dieser Woche darüber sprechen, wo und wie viel Gutes getan wird.

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