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15. Juli 201707:18

#ZukunftThüringen – Tag 5 – Sonneberg und Schmalkalden-Meiningen (14. Juli 2017)

Die fünfte Etappe meiner Sommertour #ZukunftThüringen führt mich zunächst an einen Ort, an dem momentan nicht alles rund läuft. Ein Ort, für den ich aber weiter streiten werde, weil er zukunftsträchtig ist.

 

Wir besuchen das Pumpspeicherwerk Goldisthal, das 2003 eröffnet wurde und in dem seit 2004 vier Pumpturbinen im Dauerbetrieb laufen. Bei einem kurzen Aufenthalt in Ausstellungsraum und Besucherinformation erzählt uns der Geschäftsführer, Herr Apel, mehr über das Pumpspeicherwerk. Es fasst ca. 12 Millionen m³ Wasser auf der Fläche eines halben Quadratkilometers – diese Wassermenge reicht für 8 Stunden Turbinen-Volllastbetrieb. Über die Schaltanlage Altenfeld wird der Strom mittels einer 380kV Leitung ins Stromnetz eingespeist. Unschlagbare Vorteile von Pumpspeicherwerken sind dabei, dass sie ohne Strom von außen „schwarzstartfähig“ sind und einen hohen Wirkungsgrad haben. Durch ihre geringe Anlaufzeit („von Null auf Hundert“ in ca. 75 Sekunden) können Sie starke Erzeugungsschwankungen ausgleichen.

 

Mehrmals hat das Pumpspeicherwerk Goldisthal dadurch Deutschland vor dem Stromausfall gerettet: Etwa als 2006 für die Durchfahrt eines Kreuzfahrtschiffes über die Ems eine wichtige Hochspannungsleitung vom Netz genommen wurde und Teile Deutschlands und Westeuropas das Licht ausging – hier warf Goldisthal blitzschnell die Anlagen an und konnte Schlimmeres verhindern. Oder 2012, als das Kernkraftwerk Brokdorf in Schleswig-Holstein aus technischen Gründen vom Netz ging und in Helmstedt ein Umspannwerk ausfiel.

Trotzdem geht es den Thüringer Pumpspeicherwerken schlecht. Seit Juni ist bekannt, dass Vattenfall plant, bis zu 60% der rund 420 Vollzeitstellen abzubauen. Rund 250 der hiesigen Beschäftigten könnten ihre Arbeit verlieren. Das liegt daran, dass nach dem derzeitigen Energiewirtschaftsrecht ein wirtschaftlicher Betrieb von Pumpspeicherwerken kaum möglich ist. Denn: Pumpspeicherwerke werden nicht als Teil der Stromnetze angehsehen, sondern als Teil des Strommarktes. Sie zahlen zwar keine Netzentgelte für die Wiedereinspeisung von Strom, werden aber bei ihrem Strombezug als „Letztverbraucher“ eingestuft und müssen mit wenigen Ausnahmen Netzentgelte bezahlen. In meinen Augen reichen die Erleichterungen durch den Gesetzgeber darum nicht aus, um milliardenhohe Investitionen bei gleichzeitig sinkenden Strompreisen wirtschaftlich darzustellen.

 

Durch diese verfehlte Regelung entsteht die paradoxe Situation, dass Deutschland Wasserkapazitäten in Österreich oder Norwegen kauft, während eigene Kapazitäten brach liegen. Es entsteht eine Situation, in der Unternehmen hohe Gewinne mit der Stromtrasse „SuedLink“ machen, während unsere eigenen Stromerzeuger und Speicherkapazitäten vernachlässigt werden. Thüringen ist das einzige Bundesland, das nie ein Großkraftwerk hatte – es muss nun darum gehen, eigene Energie zu produzieren und die Wertschöpfung im Land zu halten. In meinen Augen darf die strategische Lage der Thüringer Pumpspeicherkraftwerke (Gemeinsam mit denen der Thüringer Fernwasserversorgung reden wir von der größten Speichermenge und – Kapazität Deutschlands) im Mitteldeutschlandkorridor nicht unterschätzt werden. Durch die zentrale Lage machen Speicherkapazitäten hier Sinn.

 

Ich werde mich weiterhin gegenüber dem Bund dafür stark machen, dass die Netzdienlichkeit von Pumpspeicherkraftwerken belohnt wird, indem sie von Netzentgelten und anderen Letztverbraucherabgaben befreit werden. Des Weiteren habe ich das Forschungsprojekt „ZOR.RO“ initiiert, das sich mit der digitalen Steuerung von Energieströmen (also einer intelligenten Plattform für Einspeiser und Entnehmer) beschäftigt und Thüringen langfristig zum „CO2 neutralen Bundesland“ machen soll.

 

Wir ziehen Helme auf und machen uns mit dem Bus auf den Weg in die Kaverne. Durch einen dunklen Tunnel fahren wir in die Tiefe. Über uns 250 m Gestein und ein Hohlraum, der locker den Kölner Dom fassen würde. Über ein Treppenhaus gelangen wir aus dem Tunnel in den „Maschinenraum“ des Werks. Es handelt sich hierbei um die erste drehzahlgeregelte Pumpspeichereinheit in Europa. Das bedeutet, dass sowohl Turbinen mit variabler als auch mit konstanter Drehzahl eingesetzt und so aufeinander eingestellt werden, dass ein optimaler Wirkungsgrad bei der Energieerzeugung erzielt wird, der sich an die jeweiligen Bedarfe anpasst. Ca. 700 Tonnen Wasser können hier über 300 Meter gepumpt werden. Und zwar zum Oberbecken, das wir gleich im Anschluss besuchen. Auf ca. 880 m über NN blicke ich über Tannenwipfel und glitzerndes Wasser. Die Dimensionen des Werks beeindrucken mich immer wieder aufs Neue. Nun wird es Zeit, Abschied zu nehmen.

 

Obgleich der Name „Goldisthal“ nach Aussage des Geschäftsführers daher kommt, dass hier früher Goldsuche betrieben wurde, bin ich nicht fündig geworden. Meine nächste Station ist Sonneberg. Immerhin blitzt dort ab und an die Sonne durch den verhangenen Himmel.

 

In Sonneberg besuche ich das Logistikzentrum der Simba Dickie Group. Ein zukunftsträchtiges Familienunternehmen, das 1982 durch Fritz und Michel Sieber gegründet wurde und seit 1992 nicht nur von innen heraus, sondern auch durch gezielte Zukäufe wächst. Es gibt 35 Tochtergesellschaften in der ganzen Welt. Damit gehört die Simba Dickie Group zu den TOP 5 der Spielwarenhersteller in Europa. Bekannt sind vor allem das Bobbycar, Schuco Sammlermodelle oder die Puppe „Steffi Love“. „Die Spielwarenbranche ist von wenigen Playern abgesehen eine mittelständische Branche.,“ erzählt der Geschäftsführer, „Kurze Wege und schnelle Entscheidungen machen die Arbeit angenehm. Und, dass jeder sofort einen persönlichen Bezug zum Produkt hat.“ Wenn es darum geht, alte Spielzeugmarken wie die Märklin-Eisenbahn im Bewusstsein der Kinder zu halten, spielen nach hiesigen Erfahrungen Oma und Opa eine viel wichtigere Rolle als Mama und Papa. Sie geben weiter, was ihnen früher gefallen hat und machen somit Produkte „fit für die Zukunft“.

 

Auf einem Rundgang durch riesige Lagerhallen erfahre ich, dass die Simba Dickie Group weltweit 3.050 Mitarbeiter/innen und davon 716 in Deutschland beschäftigt. Das Logistikzentrum in Sonneberg liegt günstig, nur eine Stunde vom „Headquarter“ in Fürth entfernt. Auf 40.000 m² bebauter Fläche befinden sich 250.000 Palettenplätze, auf denen meterhoch Kartons mit Spielwaren zwischengelagert und weiterverteilt werden. Das Unternehmen exportiert 75% seiner Ware, vorrangig nach Frankreich, Spanien und Italien. Sonneberg spielt dabei eine sehr wichtige Rolle. Man schätzt die Qualität der Arbeitskräfte aus dieser traditionellen Spielwarenregion und möchte gerne weiter investieren. Hinter dem Werk gibt es eine Rennstrecke, auf der regelmäßig Motorsport-Cups im Mini-Format ausgetragen werden. In zwei Wochen ist es wieder so weit, dann ist hier richtig was los. Ich versuche mich noch kurz als Rennfahrer eines ferngesteuerten Autos, bevor ich wieder in mein Tourbus springen muss.

 

Zum Abschluss des Tages soll es auf eine kleine „Schillerwanderung“ durch Bauerbach gehen - ein kleines Dorf, das zu einem Geheimtipp unter allen Schillerfreund/innen geworden ist. Die Bürgermeisterin, Frau Fickel, empfängt und begrüßt uns vor dem Schillermuseum gemeinsam mit zwei Laiendarsteller/innen des hiesigen Schillertheaters, die den Meister selbst und seine Gastherrin, Frau von Wolzogen darstellen.

 

Hier, im Wohnhaus des Rittergutes bei Meiningen suchte Friedrich Schiller 1782 nach seiner Flucht aus Stuttgart unter dem Tarnnamen „Dr. Ritter“ Asyl. In einem kleinen Arbeitszimmer, das bereits seit 1847 eine Art Pilgerstätte für Schiller-Verehrer/innen ist, skizzierte Schiller seine ersten Entwürfe zu Don Carlos und arbeitete an Louise Millerin, das später als „Kabale und Liebe“ bekannt wurde (das widmete er übrigens Charlotte von Wolzogen, der 17-jährigen Tochter des Hauses, in die er unglücklich verliebt war). Die Zimmer im Obergeschoss des kleinen Bauerhauses sind im Biedermeierstil eingerichtet und zeigen Bildnisse, die an Schillers Familie und Bekannte erinnern. Ich lerne, dass der 2012 gegründete Schillerverein Bauerbach das Schillermuseum betreibt und dazu seit 2016 mit der Klassik Stiftung Weimar kooperiert.

 

Auf einem kleinen Rundgang über die Bauerbacher Kirche (die so prächtig gestaltet wurde, weil Schiller das Vorgängermodell aus dem Jahre 1783 wohl als „Holzschoppen“ kritisierte) zur Schillerbegegnungsstätte fällt vor allem die fröhliche, junge und lebendige Dorfgemeinschaft auf. Große und kleine Dorfbewohner/innen engagieren sich in ihrer Freizeit im Naturtheater Friedrich Schiller. Das Dorftheater ist ein Traditionsverein und identitätsstiftend. Zu DDR-Zeiten befand sich Bauerbach im Sperrgebiet. Dank des Museums und des Theaters wurde diese Sperrung zwischen 10.00 und 19.00 Uhr aufgehoben. Bis zu 12.000 Besucher/innen pro Jahr bereisten den kleinen Ort.

 

Ganz so viele sind es heute nicht mehr. Dennoch sind Museum, Theater und Ort lebendiger denn je. Kürzlich wurde ein Kooperationsvertrag zwischen dem Naturtheater Friedrich Schiller und dem Meininger Theater geschlossen. Künftig wird das Meiniger Theater Bauerbach Kostüme und Bühnentechnik leihen und Inventar überlassen, das nicht mehr benötigt wird. Auch in der Öffentlichkeitsarbeit soll unterstützt werden.

 

Bei Kaffee und Kuchen schaue ich mir eine Vorführung der Jugendabteilung an, die es hier seit zwei Jahren gibt und die in diesem Jahr Peter Pan aufführt. Wenn dörfliche Gemeinschaften so funktionieren wie in Bauerbach, haben ländliche Regionen Zukunft.

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