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15. Juni 201709:36

Thüringentag 2017 – eine Liebeserklärung an Thüringen.

Es ist Sonntag, früher Nachmittag, strahlend blauer Himmel, sommerlich heiß. Ich sitze auf einer (Gott sei Dank überdachten) Tribüne, mitten in Apolda und warte auf den 144 Wagen starken Festumzug – einen der Höhepunkte des Thüringentags 2017. Die Tribüne ist gut gefüllt und prominent besetzt.

Zu meiner Rechten Bürgermeister Eisenbrand, ein paar Meter weiter zu meiner Linken u. a. Mike Mohring – der aktiv geholfen hat, den Thüringentag nach Apolda zu holen. Wir drei haben an diesem Wochenende viel Zeit miteinander verbracht – obwohl oder evtl. gerade weil wir unterschiedlichen Parteien angehören – gute, bereichernde Gespräche geführt. Obgleich das Thüringer Verfassungsgericht vorgestern das mit Spannung erwartete Urteil zum Vorschaltgesetz sprach, aus dem Herr Mohring und ich sicher sehr, sehr unterschiedliche Schlüsse gezogen haben, besteht eine große Gemeinsamkeit: Der Wille, etwas für die Menschen in diesem Land zu bewegen und die Begeisterung für dessen Schönheit und reiche Tradition. Das zählt jetzt und hier vor Ort.

Natürlich wird der Festumzug durch das Thüringentagpaar 2017 eröffnet – Katharina von Vitzthum und David der Strickermann. Sie haben mich in den letzten Tagen auf vielen Stationen begleitet und zählen zu den „Thüringer Majestäten“, für die ich einen Empfang gegeben habe. Diese Majestäten, von der Weinprinzessin, über den Bratwurstkönig, bis hin zur Nadelkönigin – sind wie ich seit drei Tagen im Einsatz. Sie zaubern ein Lächeln auf die Gesichter der Besucher/innen und verkörpern den kulturellen Reichtum und die Vielfalt Thüringens. Sie engagieren sich ehrenamtlich, investieren viel Zeit und Geld für ihre Aufgabengebiete. Unsere Begegnungen gehören zu den angenehmsten im Arbeitsalltag eines Ministerpräsidenten, weil ich immer noch etwas neues über das Handwerk und Brauchtum lerne, das Thüringen ausmacht und auch nach vielen historischen Umbrüchen immer wieder stark gemacht hat.

Der Umzug setzt sich fort. Nach der Präsentation des Stadtwappens (Apolda – die Apfelstadt), folgt eine Gruppe tanzender Menschen, die in bunten Strick gekleidet sind. Wie kaum eine zweite Stadt ist Apolda mit der Strickwarenindustrie verknüpft. In der heutigen Apfelbaumpredigt erinnerte der Pfarrer daran, wie viele Bürger/innen früher „in der Wolle“ gearbeitet haben. Sie traf der Strukturwandel nach der Wende hart. Viele fürchteten um ihre Zukunft, fühlten sich verloren.

Mittlerweile haben junge Designer/innen die Wolle für sich entdeckt. Ich lernte, dass Thüringen mit dem APOLDA EUROPEAN DESIGN AWARD einen international sehr geschätzten Preis vergibt, der für viele zum Sprungbrett in die Welt der Mode geworden ist. Auf dem Thüringentag durfte ich Modeschöpfer/innen besuchen und Design erleben, das für ein modernes und doch traditionsbewusstes Thüringen steht und Hoffnung macht. Dieses Design steht auch für die Erkenntnis, dass Offenheit und der Mut, neue Wege zu beschreiten, die Fähigkeit sich neu zu erfinden, ohne die eigene Identität zu verlieren, erfolgreich und zukunftsfähig machen.

Wagen 12 – „dä dicke Pitter“ aus Köln – zieht an uns vorbei. Die Zuschauer/innen applaudieren. Diese beeindruckende Glocke, die größte und schwerste freischwingende Glocke der Welt, wurde in Apolda – der Glockenstadt – gefertigt. Die mit Thüringen so vielfach verbundene Glocke inspirierte auch das Motto des Thüringentags -  „Apolda klingt“. Vorgestern klang anlässlich der großen Eröffnungsfeier auf dem Marktplatz tatsächlich die ganze Stadt, als nach der offiziellen Eröffnung die Menschen im Publikum hunderte kleine Glocken hervorholten, die sie von zu Hause mitgebracht hatten, um dieses sonnige, fröhliche und friedliche Fest einzuläuten.

Am friedlichen Verlauf dieses Landesfests waren viele beteiligt – zahlreiche Helferinnen und Helfer. Die meisten ehrenamtlich. Sie tragen auch diesen Festumzug, die Wagen der Kirchengemeinden, freiwilligen Feuerwehren, Sport- und Faschingsvereine und Musikkapellen, die vor uns defilieren und eine ausgelassene Stimmung erzeugen. Im Grunde stehen sie auch hier für mehr als dieses Fest oder diese Stadt. Sie stehen für das soziale Gefüge, das Thüringen zusammen hält und stark macht. Ich möchte dieses Ehrenamt und Brauchtum gerne bewahren und unterstützen, wo ich eben kann.

Aber es sind auch Gäste aus anderen Städten zu Gast: Der Kulturbahnhof Jena ist Teil des Umzugs unter dem Motto „Thüringen wirkt zukünftig“. Junge Menschen aus vielen verschiedenen Ländern haben sich in ihre jeweiligen heimischen Trachten gekleidet und stehen für die weltoffene, gastfreundliche Seite unseres Bundeslandes. Die Escola Popular Weimar lässt uns zu Sambaklängen mitwippen. Auf dem Thüringentag habe ich viele internationale Gäste getroffen. Ich unterhielt mich mit Unternehmer/innen, die Thüringer Produkte erfolgreich europaweit exportieren. Ich traf junge Spanier/innen, die in Thüringen Arbeit und eine neue Heimat gefunden haben, unterhielt mich auf der großen Bühne am Marktplatz per Skype mit Robby Clemens – einem Thüringer, der sich zu Fuß vom Nordpol zum Südpol aufgemacht hat und uns aus Grönland grüßte. Vielfalt und internationale Bereicherung drücken sich auf dem Thüringentag auch kulinarisch aus: Neben bewährten Brauereierzeugnissen präsentieren sich Gin, Rum und Whisky aus dem Eichsfeld.

Mittlerweile ist es später Nachmittag geworden, meine Freunde von der Ohrdrufer Blechbüchsenarmee halten rhythmisch klappernd Einzug und leiten den letzten Teil des Umzugs ein, in welchem historische Fahrzeuge präsentiert werden, die zwischen 1904 und 1928 in Apolda bei der Apollo-Werke AG produziert wurden und international im Rennsport erfolgreich waren.

Ich staune über diesen facettenreichen Umzug, bin begeistert vom Engagement der Teilnehmer- und Organisator/innen und dankbar für die lebensfrohe, friedliche Atmosphäre dieses Thüringentags. Es gehört zu den schöneren Momenten im Leben eines Ministerpräsidenten, wenn er sein Bundesland auf dem Thüringentag in einem so farbenfrohen Mikrokosmos wiedererkennen darf. Dieses Juniwochenende hat mir Kraft für meine Aufgaben der kommenden Wochen geschenkt. 2019 wird Sömmerda Gastgeberin dieses Landesfests sein – ich werde da sein und freue mich schon jetzt auf ein buntes, fröhliches und klingendes Fest.

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