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Antworten Retweeten Favorit Auch in diesem Jahr nahm Frau Rückert für die #Volkssolidarität gGmbH eine Spende von @bodoramelow entgegen. pic.twitter.com/X4rH8NjUuy


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15. Oktober 201709:10

Als Christ und LINKER im Ländle

Arbeitsbesuch in Stuttgart und Blaubeuren am 12. und 13. Oktober 2017

Im Rahmen des Reformationsjahrs 2017 bin ich dutzende Male, auf vielfältigsten Veranstaltungen – weltweit – als „Thüringer Reformationsbotschafter“ aufgetreten, um die Aktualität des Reformationsgedankens, seine Relevanz für die heutige Zeit zu diskutieren und zugleich um „Werbung“ für mein Bundesland, als Keimzelle dieses historischen, gesellschaftlichen Wandels und seine kulturellen Highlights zu machen.

Bevor wir uns mit dem Reformationstag dem abschließenden Höhepunkt dieser jahrelang und akribisch vorbereiteten Feierlichkeiten nähern, bin ich im Zeichen des ausklingenden Reformationsjubiläums nach Baden-Württemberg gereist. Eingeladen hatte mich das Evangelische-theologische Seminar aus dem eher kleinen und beschaulichen Blaubeuren. Obwohl dieser Besuch eher einen Exotenstatus in meinem Kalender einnahm, bin ich dieser Einladung besonders gerne gefolgt. Zum einen, weil das Besuchsprogramm mit zwei spannenden Podien in Stuttgart und in Blaubeuren selbst einen interessanten Gedankenaustausch zwischen ehemals „West“ und „Ost“, Schwarz- und Rot-Rot-Grün, Baden-Württemberg als einer der am stärksten protestantisch geprägten Gegenden Deutschlands und dem überwiegend nicht konfessionellen Thüringen versprach. Zum anderen aus einem persönlichen, biographischen Bezug zu Blaubeuren: Ich kenne die Gegend aus meiner „Marburger Zeit“, da die Familie einer Mitschülerin von der Schwäbischen Alb stammte.

Im Mittelpunkt meines Besuches standen zwei gut besuchte, öffentliche Podien:

 

 


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Ohne Erinnerung und Mahnung keine Aussöhnung

Zum Tode von Avital Ben-Chorin

 

Gestern erreichte mich die Nachricht vom Tode Avital Ben-Chorins. Für mich war das eine erschütternde Nachricht. Avital Ben-Chorin wurde am 25. Februar 1923 in Eisenach in Thüringen geboren. Als Jugendliche schloss sie sich dem jüdischen Pfadfinderbund an und konnte 1936 im Rahmen der Kinder- und Jugend-Allija Deutschland verlassen und nach Palästina auswandern.

Ihre Eltern und viele Familienangehörige wurden in Auschwitz und Theresienstadt ermordet.

Avital Ben-Chorin beteiligte sie sich aktiv am israelischen Unabhängigkeitskrieg 1948, studierte Pädagogik und arbeitete später als Publizistin.

Früh setzte sie sich für die Aussöhnung zwischen Israel und Deutschland ein und organisierte 1963 einen der ersten Austausche von Jugendlichen. In einem Interview schildert sie eindrucksvoll, wie es dazu kam. Im Rahmen von Aktion Sühnezeichen arbeitete sie aktiv am Aussöhnungsprozess mit.

Ich lernte Avital Ben-Chorin 2008 bei einem Besuch in Israel kennen. Meine Eindrücke schilderte ich damals so:

„Eine freundliche ältere Dame, Avital Ben-Chorin (Witwe von Ben-Chorin, dem Gründer der Synagogengemeinde Har-El/die erste liberale Gemeinde Israels), begrüßt mich mit der Frage, woher ich denn komme. Ich sage ihr, dass ich in Erfurt zu Hause bin und schwups bin ich sprach- und fassungslos. Sie ist in Eisenach geboren, vor 85 Jahren und trägt mir gleich auf, Grüße an eine gute Seele in der Jüdischen Landesgemeinde zu bestellen. Sie kennt die Frau in Erfurt schon seit 1986, denn da war sie eine der wenigen noch Aktiven des jüdischen Lebens in Erfurt. Erst letztes Jahr ist sie bei der KAS in Erfurt zu einem Vortrag  gewesen. Mit diesen Worten wurde ich gleich so platziert, dass die energische aber sehr liebevolle Dame mir dann den ganzen Sabbat-Ablauf erklären konnte. Wieder bei mir was eingestürzt – alles deutlich in Deutsch, damit ich es auch ja verstehe. Meine frühen Besuche in Frankreich habe ich in diesem Punkt sehr unangenehm in Erinnerung: Deutsch war tabu und mehrmals Anfang der 70-er musste ich mich als junger Kerl dann in Paris mal pauschal als Nazi beschimpfen lassen. Hier hatte ich Beklemmungen und siehe da – falsch! Wirklich Betroffene des Holocaust nehmen uns freundlich auf und fragen wie es in Deutschland geht und wen ich grüßen soll!“

Und fortan begegneten wir uns immer wieder, so etwa 2010 und 2012, als Frau Ben-Chorin Thüringen besuchte. Schon weit über 80 beeindruckte sie mich und uns alle damals mit ihrer Schilderung der dramatischen Lage der Jüdinnen und Juden im Deutschland nach 1933. Das was sie erzählt, weckt viele Emotionen. Ihre Eltern schickten sie 1936 von Eisenach nach Palästina, um sie vor den Schikanen der Nazis zu bewahren. Die Eltern selbst, besuchten sie kurz darauf noch einmal, bekamen aber keine Aufenthaltserlaubnis und gingen zurück nach Deutschland, wo sie dann deportiert und ermordet wurden. Avital Ben-Chorin ist aber auch wichtig, von Dingen zu berichten, die Hoffnung machen. Das lässt sich einerseits auf den jüdisch-christlichen Dialog beziehen, für den sie und ihr Mann sich immer stark gemacht haben. Es geht ihr aber auch um die Menschen, die sich gegen das mörderische System der Nazis eingesetzt haben und sie weist auch israelische Jugendliche noch heute darauf hin, dass zu diesen „Gerechten unter den Völkern“ auch Deutsche gehören. Mich hat das tief beeindruckt und ermutigt nicht nachzulassen darin, dass wir in Deutschland immer wieder daran erinnern müssen, was der Faschismus für viele Menschen bedeutet hat. Ohne diese aktive Erinnerungskultur wird die Aussöhnung nicht gelingen.

2012 wurde Avital Ben-Chorin Ehrenbürgerin der Stadt Eisenach und 2013 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz. Wir verlieren mit eine aktive Mitstreiterin für Erinnerung und Aussöhnung. Es wird uns eine wichtige Pflicht sein, dass Andenken an sie in Thüringen zu bewahren.

Im Rathaus der Stadt Eisenach liegt ein Kondolenzbuch im Gedenken an Frau Ben-Chorin aus.

26. September 201717:37

Um die Demokratie müssen wir täglich kämpfen

Ja, die Bundestagswahl am Sonntag war eine historische Zäsur für unser Land. Zum ersten Mal seit 1945 ist eine Partei in den Deutschen Bundestag gewählt worden, die in ihrer Mehrheit vieles von dem in Frage stellt, was bisher zwischen den demokratischen Parteien in diesem Land Konsens war. Dazu gehört die Erinnerung an die Verantwortung Deutschlands für die Verbrechen des Faschismus wachzuhalten und dazu gehört sich für eine starke parlamentarische Demokratie einzusetzen.

Nun sitzen Leute im Bundestag, die sich wieder positiv auf die Wehrmacht beziehen wollen und die Parlamente nur dazu benutzen, um gegen die da oben und die Altparteien Unfrieden zu schüren. Das vertieft die Spaltung unserer Gesellschaft. Auch ich habe die Analysen gelesen, dass die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler einen Denkzettel verteilen wollte und nicht glaubt, dass die AfD ihre Probleme lösen könnte. Wir stehen vor einer großen Herausforderung nach dieser Wahl.

Mit genau diesen Menschen gilt es ins Gespräch zu kommen, ihnen zuzuhören und sie nicht pauschal als Nazis oder Rassisten zu beschimpfen, die AfD gewählt haben, weil sie sich nicht verstanden fühlen, weil sie Ängste und ganz konkrete Probleme haben. Zum anderen müssen wir uns in der Sache hart mit der AfD und ihren Positionen auseinandersetzen. Rassismus, Hetze, der Versuch die Verbrechen des Faschismus zu relativieren, Homophobie und auch die letztliche Bekämpfung des Parlamentarismus. Hier sind wir inhaltlich und emotional gefordert. Wie vermitteln wir progressive Positionen und vor allem, wie finden wir Formen über das, was Menschen bewegt, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Viel Arbeit liegt vor uns.


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