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13h Bodo Ramelow
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Antworten Retweeten Favorit Ein wirklich entsprechendes Wochenende im Spreewald! pic.twitter.com/qTCJyJSRAQ


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Staatskanzlei Erfurt

16 Jun Staatskanzlei Erfurt
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Zur Zeit wird gefiltert nach: Rechtsextremismus & Antisemitismus

Europäischen Erinnerungsorten auf der Spur – unterwegs in eine gemeinsame Zukunft (ein Arbeitsbesuch in Prag)

Doris Grozdanovičová ist über 90 Jahre alt und eine zierliche Frau. Nicht ganz mühelos steigt sie auf die kleine Bühne, die wegen der drückenden Mittagshitze unter einem weißen Zeltdach aufgebaut wurde. Mit kräftiger Stimme adressiert sie auf Englisch das Publikum, das heute in der Gedenkstätte Theresienstadt zusammen gekommen ist, um der Opfer des Holocaust durch die Enthüllung eines Denkmals, „Das Monument für die Opfer der Shoah“, zu gedenken.

Frau Grozdanovičová hat dieses Lager überlebt. Sehr eindrücklich schildert sie das Grauen des Lagers und wie es ihr Leben bis heute prägt. 33.000 Menschen starben in Theresienstadt, fast 90.000 wurden von hier aus weiter in die Vernichtungslager deportiert. Unter den Toten Kurt Tucholskys Mutter Doris, die Schwester von Sigmund Freud, Esther, die Vertraute Rosa Luxemburgs, Mathilde Jacob und die vielen, deren Namen nicht so bekannt, deren Schicksal aber nicht weniger ergreifend ist. Doris Grozdanovičová hat sich nicht unterkriegen lassen, ihre Ausbildung nachgeholt, ist bis heute international unterwegs, um als Zeitzeugin gegen das Vergessen zu wirken. Gestern noch war sie in dieser Angelegenheit in Dresden.

Es fällt mir nicht leicht, als einziger politischer Vertreter Deutschlands nach ihr zu sprechen. Ich bin als Thüringer Ministerpräsident durch den Europäischen Jüdischen Kongress eingeladen worden, eine „Schlussbemerkung“ zu machen. Im Publikum sitzen der Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses, der Präsident des Verbandes Tschechischer Jüdischer Gemeinden, die Botschafter/innen Ungarns, Israels und Deutschlands, die stellvertretende tschechische Bildungsministerin.


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Politische Kultur ist keine Einbahnstraße

In der letzten Woche debattierte der Thüringer Landtag über die Situation ostdeutscher Rentnerinnen und Rentner und vor allem über die Situation all jener Personengruppen, die bei der Berechnung ihrer Rentenansprüche immer noch benachteiligt werden.  In der DDR geschiedene Frauen, mithelfende Eheleute in kleinen Betrieben. Professoren… all diese spezifischen Themen wurden bei den Verhandlungen zum Einigungsvertrag übersehen oder vergessen. Diese Menschen kämpfen seit Jahren darum, dass sich ihre Situation verbessert. Auch Thüringen hat hierzu Initiativen im Bundesrat ergriffen und ich habe es bei den Treffen der Ministerpräsidenten thematisiert. Wir brauchen hier endlich eine Lösung, um solche Ungerechtigkeiten zu beseitigen.

Deswegen habe ich mich sehr gefreut, dass der Landtag einen Antrag diskutierte, der die Landesregierung auffordert, in ihren Bemühungen nicht nachzulassen. Leider finden sich im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD nur wenige konkreten Aussagen dazu. Immerhin ist eine Härtefallregelung vorgesehen. Aber wie so oft kommt es vor, dass die Höhe der Mittel an. Regierungsfraktionen und die CDU-Opposition waren sich einig, dass wir weiter Druck machen müssen, dass hier etwas geschieht. Und dann kam die AfD. Zum Thema hatten die Rednerinnen und Redner der AfD nichts Substantielles beizutragen. Stattdessen kam die übliche Beschimpfung der „Alt- und Systemparteien“ und nur die AfD hätte die Betroffenen wirklich im Blick. Nun ist die Kritik am Einigungsvertrag ja völlig richtig und wurde von meiner Partei seit den 90er Jahren immer wieder vehement vorgetragen (Flugblatt der Bundestagfraktion), nur nützen demagogische Angriffe den Betroffenen nichts, dazu braucht es eher die Fähigkeit, Mehrheiten zu organisieren und zwar gesamtdeutsche Mehrheiten.


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Ohne Erinnerung und Mahnung keine Aussöhnung

Zum Tode von Avital Ben-Chorin

 

Gestern erreichte mich die Nachricht vom Tode Avital Ben-Chorins. Für mich war das eine erschütternde Nachricht. Avital Ben-Chorin wurde am 25. Februar 1923 in Eisenach in Thüringen geboren. Als Jugendliche schloss sie sich dem jüdischen Pfadfinderbund an und konnte 1936 im Rahmen der Kinder- und Jugend-Allija Deutschland verlassen und nach Palästina auswandern.

Ihre Eltern und viele Familienangehörige wurden in Auschwitz und Theresienstadt ermordet.

Avital Ben-Chorin beteiligte sie sich aktiv am israelischen Unabhängigkeitskrieg 1948, studierte Pädagogik und arbeitete später als Publizistin.

Früh setzte sie sich für die Aussöhnung zwischen Israel und Deutschland ein und organisierte 1963 einen der ersten Austausche von Jugendlichen. In einem Interview schildert sie eindrucksvoll, wie es dazu kam. Im Rahmen von Aktion Sühnezeichen arbeitete sie aktiv am Aussöhnungsprozess mit.

Ich lernte Avital Ben-Chorin 2008 bei einem Besuch in Israel kennen. Meine Eindrücke schilderte ich damals so:

„Eine freundliche ältere Dame, Avital Ben-Chorin (Witwe von Ben-Chorin, dem Gründer der Synagogengemeinde Har-El/die erste liberale Gemeinde Israels), begrüßt mich mit der Frage, woher ich denn komme. Ich sage ihr, dass ich in Erfurt zu Hause bin und schwups bin ich sprach- und fassungslos. Sie ist in Eisenach geboren, vor 85 Jahren und trägt mir gleich auf, Grüße an eine gute Seele in der Jüdischen Landesgemeinde zu bestellen. Sie kennt die Frau in Erfurt schon seit 1986, denn da war sie eine der wenigen noch Aktiven des jüdischen Lebens in Erfurt. Erst letztes Jahr ist sie bei der KAS in Erfurt zu einem Vortrag  gewesen. Mit diesen Worten wurde ich gleich so platziert, dass die energische aber sehr liebevolle Dame mir dann den ganzen Sabbat-Ablauf erklären konnte. Wieder bei mir was eingestürzt – alles deutlich in Deutsch, damit ich es auch ja verstehe. Meine frühen Besuche in Frankreich habe ich in diesem Punkt sehr unangenehm in Erinnerung: Deutsch war tabu und mehrmals Anfang der 70-er musste ich mich als junger Kerl dann in Paris mal pauschal als Nazi beschimpfen lassen. Hier hatte ich Beklemmungen und siehe da – falsch! Wirklich Betroffene des Holocaust nehmen uns freundlich auf und fragen wie es in Deutschland geht und wen ich grüßen soll!“

Und fortan begegneten wir uns immer wieder, so etwa 2010 und 2012, als Frau Ben-Chorin Thüringen besuchte. Schon weit über 80 beeindruckte sie mich und uns alle damals mit ihrer Schilderung der dramatischen Lage der Jüdinnen und Juden im Deutschland nach 1933. Das was sie erzählt, weckt viele Emotionen. Ihre Eltern schickten sie 1936 von Eisenach nach Palästina, um sie vor den Schikanen der Nazis zu bewahren. Die Eltern selbst, besuchten sie kurz darauf noch einmal, bekamen aber keine Aufenthaltserlaubnis und gingen zurück nach Deutschland, wo sie dann deportiert und ermordet wurden. Avital Ben-Chorin ist aber auch wichtig, von Dingen zu berichten, die Hoffnung machen. Das lässt sich einerseits auf den jüdisch-christlichen Dialog beziehen, für den sie und ihr Mann sich immer stark gemacht haben. Es geht ihr aber auch um die Menschen, die sich gegen das mörderische System der Nazis eingesetzt haben und sie weist auch israelische Jugendliche noch heute darauf hin, dass zu diesen „Gerechten unter den Völkern“ auch Deutsche gehören. Mich hat das tief beeindruckt und ermutigt nicht nachzulassen darin, dass wir in Deutschland immer wieder daran erinnern müssen, was der Faschismus für viele Menschen bedeutet hat. Ohne diese aktive Erinnerungskultur wird die Aussöhnung nicht gelingen.

2012 wurde Avital Ben-Chorin Ehrenbürgerin der Stadt Eisenach und 2013 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz. Wir verlieren mit eine aktive Mitstreiterin für Erinnerung und Aussöhnung. Es wird uns eine wichtige Pflicht sein, dass Andenken an sie in Thüringen zu bewahren.

Im Rathaus der Stadt Eisenach liegt ein Kondolenzbuch im Gedenken an Frau Ben-Chorin aus.