Europäischen Erinnerungsorten auf der Spur – unterwegs in eine gemeinsame Zukunft (ein Arbeitsbesuch in Prag)

Doris Grozdanovičová ist über 90 Jahre alt und eine zierliche Frau. Nicht ganz mühelos steigt sie auf die kleine Bühne, die wegen der drückenden Mittagshitze unter einem weißen Zeltdach aufgebaut wurde. Mit kräftiger Stimme adressiert sie auf Englisch das Publikum, das heute in der Gedenkstätte Theresienstadt zusammen gekommen ist, um der Opfer des Holocaust durch die Enthüllung eines Denkmals, „Das Monument für die Opfer der Shoah“, zu gedenken.

Frau Grozdanovičová hat dieses Lager überlebt. Sehr eindrücklich schildert sie das Grauen des Lagers und wie es ihr Leben bis heute prägt. 33.000 Menschen starben in Theresienstadt, fast 90.000 wurden von hier aus weiter in die Vernichtungslager deportiert. Unter den Toten Kurt Tucholskys Mutter Doris, die Schwester von Sigmund Freud, Esther, die Vertraute Rosa Luxemburgs, Mathilde Jacob und die vielen, deren Namen nicht so bekannt, deren Schicksal aber nicht weniger ergreifend ist. Doris Grozdanovičová hat sich nicht unterkriegen lassen, ihre Ausbildung nachgeholt, ist bis heute international unterwegs, um als Zeitzeugin gegen das Vergessen zu wirken. Gestern noch war sie in dieser Angelegenheit in Dresden.

Es fällt mir nicht leicht, als einziger politischer Vertreter Deutschlands nach ihr zu sprechen. Ich bin als Thüringer Ministerpräsident durch den Europäischen Jüdischen Kongress eingeladen worden, eine „Schlussbemerkung“ zu machen. Im Publikum sitzen der Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses, der Präsident des Verbandes Tschechischer Jüdischer Gemeinden, die Botschafter/innen Ungarns, Israels und Deutschlands, die stellvertretende tschechische Bildungsministerin.


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9. Mai 201808:20

Ehre und Verpflichtung

Der vergangene Montag war für mich ein ganz besonderer.

Am Vormittag hatte ich Gelegenheit, meiner Amtsvorgängerin, Christine Lieberknecht, zu ihrem 60. Geburtstag zu gratulieren. Christine Lieberknecht hat sich in vielfältiger Weise um den Freistaat Thüringen verdient gemacht. Sie war Ministerin, Präsidentin des Thüringer Landtags und von 2009 bis 2014 Ministerpräsidentin unseres Freistaates. Wir haben immer auf Augenhöhe zusammengearbeitet und viele Themen konnten wir im Landesinteresse gemeinsam voranbringen. Daneben engagiert sie sich in einer Reihe von Funktionen ehrenamtlich, etwa als Präsidentin des Landesverbandes Thüringen im Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine e. V..

Besonders wichtig ist aber, dass sie immer eine verlässliche Partnerin war, wenn es darum ging, sich aktiv und engagiert gegen alle Formen von Rassismus und Antisemitismus zur Wehr zu setzen. Hier gab und gibt es immer große Übereinstimmung. Es verbindet uns die Leidenschaft des Wanderns und unsere evangelische Bindung als fröhliche Christenmenschen.

Damit kann ich den Bogen schlagen zu einem Ereignis des gestrigen Abends, das mich ganz persönlich betraf.


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(Torsten_Weil@outlook.de)Kommentare 0
29. April 201810:09

Wir sind OPEL

Im September des vergangenen Jahres haben wir das 25jährige Bestehen des OPEL-Standortes in Eisenach gefeiert. Gemeinsam haben wir damals auf ein Vierteljahrhundert OPEL in Thüringen zurückgeblickt. Damals sagte ich: „Opel gehört zu Eisenach wie die Wartburg. Das Werk ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Es ist beispielhaft für die Zukunftsfähigkeit des Standorts und ein Stabilitätsanker weit über die Region hinaus. Durch Opel, durch die Leistungsfähigkeit und Veränderungsbereitschaft seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ist es gelungen, einen traditionsreichen Automobilstandort wieder mit neuen Inhalten zu füllen.“

Dabei ist die Tradition des Autobaus am Standort Eisenach noch deutlich älter. 1896 begann der Fahrzeugbau in Eisenach. Der erste PKW der in Eisenach gefertigt wurde, war schon 1898 ein Wartburg-Motorwagen. Dieser entsprach dem französischen Zweizylinder „Decauville“, für den Heinrich Ehrhardt die Lizenz erworben hatte. Es ging also mit französischen Know-how los und heute wird der Veränderungsprozess genau darauf aufbauen. Später wurden vor allem Militärfahrzeuge gebaut, erst nach dem 1. Weltkrieg nahm die zivile Fahrzeugproduktion Fahrt auf und ab 1928 war Eisenach ein Standort von BMW. Der allererste PKW den die Bayrischen Motorenwerke fertigten, kam aus Eisenach und das wunderbare Werk, erbaut im Stil der Bauhaus-Architektur steht heute noch an der Rennbahn in Eisenach. Ab 1955 wurde in Eisenach der Wartburg produziert und ab 1990 schließlich verschiedene Opel-Modelle.


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Quelle: http://www.bodo-ramelow.de/politik/aktuell/