26. Juli 201707:09

#ZukunftThüringen – Tag 10 – Gera – (25. Juli 2017)

Die Hochschulstadt Gera

Der Sommer macht gerade Pause. Am zehnten Tag meiner Tour begrüßt mich am Morgen Dauerregen. Ich bin in Sorge, was auf Thüringen zukommt. Meine Gedanken sind bei den Betroffenen, die gerade unruhige Zeiten haben, ob sich die Hochwasserlage zuspitzt oder die vielleicht schon betroffen sind aber auch bei den Vielen von Polizei, THW und Rettungsdiensten, die schon jetzt im Einsatz sind. Ich lasse mir regelmäßig berichten, wie die Lage aktuell ist.

Es geht nach Gera, genauer gesagt in die Hochschulstadt Gera, denn mein erstes Etappenziel ist die jüngste Hochschule in Thüringen, die Duale Hochschule Gera-Eisenberg. Schon seit 1998 gibt es die Einrichtung, gegründet wurde sie als Betriebsakademie Thüringen und war schon immer eine duale Einrichtung, in der Ausbildung und Unternehmen eng miteinander verknüpft wurden und werden. Immer wieder gab es aber Schwierigkeiten mit der Anerkennung von Abschlüssen und so entschied die Thüringer Landesregierung im September 2016 die Umwandlung zur Dualen Hochschule Gera-Eisenach. Schon jetzt lässt sich sagen: mit vollem Erfolg! 1.270 Studierende hat die Hochschule derzeit in den Bereichen Technik, Wirtschaft und Sozialwissenschaften, jedes Jahr kommen 500 neue hinzu. Voraussetzung für das Studium ist, dass die oder der Studierende einen Praxispartner hat. Deshalb gibt es eben auch inzwischen 1.600 Unternehmen, Kommunen, soziale Einrichtungen, die ihre Fachkräfte in Gera und Eisenach ausbilden lassen. Faktisch wird hier das deutsche Erfolgsmodell der dualen Berufsausbildung an einer Hochschule fortgesetzt.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Studierenden erhalten eine Ausbildungsvergütung und können sich so voll auf das Studium konzentrieren, 80% schließen das Studium ab und über 90% aller Absolventinnen und Absolventen kennen bereits vor dem Abschluss des Studiums den künftigen Arbeitgeber. Die wiederum können passgenau für ihr Unternehmen Fachkräfte ausbilden lassen und investieren in die Zukunft des eigenen Unternehmens. In den heutigen Zeiten entscheiden über den wirtschaftlichen Erfolg. Und die Hochschule könnte weit mehr Menschen ausbilden, der Bedarf ist da. Es fehlt aber an Kapazitäten für die Lehre. Da hilft der Status als Hochschule, weil dadurch nun auch Mittel aus dem Hochschulpakt 2020 abgerufen werden können. Gefordert wird auch hier, dass wir mit der Berufsorientierung intensiver an die Schulen gehen, auch an die Gymnasien.

Interessant für mich ist die Kooperation der Hochschule mit öffentlichen Verwaltungen, insbesondere im Bereich Finanzen und IT. Von der elektronischen Erledigungen von Bürgeranliegen, über die E-Akte bis hin zur Unterstützung der doppischen Haushaltsführung in den Kommunen gibt es da viele Themen. #ZukunftThüringen eben.

Aber was wäre meine Sommertour ohne wenigstens ein Schloss, das auf einer Etappe liegt. Schloss Tinz liegt mitten auf dem Hochschulgelände und wird derzeit saniert und soll ab 2018 als Bibliothek der Hochschule dienen. Zudem wird doch ein Dokumenten-Management-System-Labor seinen Platz finden. Vielleicht erlebe ich es doch noch, dass künftig der elektronische Aktenordner auf meinem Tablet die Aktenberge auf meinem Schreibtisch ersetzt…


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24. Juli 201721:24

#ZukunftThüringen – Tag 9 – Saale-Holzland-Kreis – (24. Juli 2017)

Ein Unternehmen aus der Region für die Zukunft der Region: VACOM

Der erste Tag der letzten Sommertour-Woche führte mich heute in den Saale-Holzland-Kreis bei dem ich vier spannende Stationen besichtigen konnte.

Der Tag beginnt mit einem Besuch bei der VACOM Vakuum Komponenten & Messtechnik GmbH in Großlöbichau. Begrüßt werde ich von der gesamten Geschäftsführung dieses Thüringer mittelständischen Unternehmens, das zu den führenden europäischen Anbietern für Vakuumtechnik gehört. Frau Dr. Ute Bergner, die das Unternehmen vor 25 Jahren 1992 als Physikerin gründete und mir ihr Verständnis von Mittelstand so näher brachte: „Verantwortung, Wertschöpfung und Eigentum in einer Hand“. In ihrem Eingangsvortrag stellt Frau Dr. Bergner ihr Unternehmen vor. Vakuum ist ein Schlüssel für moderne Hochtechnologie, dass in den Bereichen Optik, Halbleitertechnik, Medizintechnik und Energie unabdingbar ist. VACOM produziert fast alles im Bereich Vakuumtechnik von der Vakuumkammer, über Sonderkomponenten, Vakuumoptik, Membranbälge, Vakuumventile und vakuumtaugliche Schrauben, Filter… bietet aber auch Dienstleistungen, etwa in den Bereichen Messung und Fein- und Feinstreinigung.

Dabei geht es um höchste Genauigkeit, etwa wenn im Implantate gereinigt werden um Abstoßungsreaktionen vorzubeugen. Mehrfach wurde das Unternehmen ausgezeichnet, mit dem Ernst-Abbe-Preis, mit dem Thüringer Innovationspreis, dem Großen Preis des Mittelstandes oder dem ZIM-Preis.

Demnächst steht eine bedeutende Erweiterung an, die bis 2019 fertiggestellt werden soll und für 30 Millionen Euro investiert werden. Heute konnte ich zunächst nur die Fläche besichtigen, auf der in weniger als zwei Jahren eine neue Produktionshalle entstehen soll. Danach sollen bei VACOM über 400 Menschen arbeiten.

205 Mitarbeiter/-innen beschäftigt VACOM derzeit, davon 31 Auszubildende. VACOM ist ein junges Unternehmen, das Durchschnittsalter liegt bei 35 Jahren und es tut einiges dafür, die Belegschaft langfristig an das Unternehmen zu binden.

Ein besonders positives Beispiel konnte ich mir direkt anschauen! Den Betriebskindergarten. Zu DDR-Zeiten durchaus für viele Betriebe selbstverständlich um Familie und Beruf in Einklang zu bringen, erfinden es jetzt viele Unternehmen neu. Ich war tief beeindruckt, als aus der Geschäftsführerin plötzlich die Oma wurde und auch der Manager mal nach seiner Tochter schauen konnte. Mitten auf dem Betriebsgelände ein kleines Paradies für Kinder. Wahrhaft ein tolles Beispiel für #ZukunftThüringen!


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21. Juli 201720:38

#ZukunftThüringen – Tag 8 – Altenburger Land – (21. Juli 2017)

Und wo wird der meiste Senft in Thüringen hergestellt?

Der achte Tag meiner Sommertour #ZukunftThüringen führte mich heute in den Osten unseres Bundeslandes in den Kreis Altenburger Land. Landrätin Michaele Sojka und der Bürgermeister der Stadt Schmölln, Sven Schrade, begrüßten mich bei meinem ersten Besuchstermin.

Beginnen wir mit einem kleinen Rätsel? Wer produziert den meisten Senf in Thüringen? Nein, es ist nicht der Ministerpräsident... Es sind auch nicht die Firmen Born-Senf oder Altenburger Senft. Es sind die Burkhardt Feinkostwerke GmbH in Schmölln. Hätten Sie es gewusst? Ich gebe zu, für mich war das eine ganz neue Information. Und die wenigsten von uns ahnen vielleicht, dass der Senf, der Ketchup oder die Nudel- und Grillsaucen, die wir beim Discounter oder in vielen Biomärkten kaufen, von Burkhardt aus Schmölln kommen. Die Eigenmarke steht nicht im Vordergrund. Die meiste Produktion erfolgt im Auftrag großer Handelsketten. 1991 siedelte sich das bayerische Familienunternehmen zunächst mit einem Produktionsstandort in Thüringen an. Demnächst wird die gesamte Produktion in Schmölln konzentriert, wenn die neue Produktionshalle für Essig in Betrieb geht. Derzeit hat das Unternehmen 113 Mitarbeiter/-innen und 5 Auszubildende. Die Produkte werden in ganz Europa vertrieben, an sechs Tagen wird produziert und allein heute warteten 27 LKW auf Waren. Beeindruckende Zahlen.

Nebenbei lerne ich, dass der westdeutsche Senf gelber ist, der ostdeutsche eher ockerfarben und im Süden mag man den Senf eher süß. Bei der Besichtigung des Betriebes geht es vorbei an Lagerhallen voll mit Gewürzen und im Produktionsbereich rollen auf dem Band noch leere PET-Flaschen an uns vorbei, die darauf warten, mit Gewürzketchup befüllt zu werden. Der Werkleiter Daniel Schröder betont auf meine Frage, was das wichtigste Element zur Bindung der Mitarbeiter/-innen ist, dass dafür ein sehr gutes Betriebsklima entscheidend ist. Natürlich spielt auch guter Lohn eine wichtige Rolle. Auch bei Burkhard ist es zunehmend eine Herausforderung, ausreichend Nachwuchs zu gewinnen.


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Quelle: http://www.bodo-ramelow.de/politik/aktuell/