Weder sauber noch sicher

Die Situation in Japan macht mir große Sorge. Einerseits die Gedanken an Freunde und Verwandte, die vor Ort sind. Einige haben sich inzwischen gemeldet und meinen, dass bis auf ein paar Einrichtungsgegenstände alles heil geblieben ist. Ein Glück. Andererseits die Anteilnahme mit den Opfern. Mir geht immer wieder die Frage durch den Kopf, wie sich die laufende atomare Katastrophe noch entwickeln wird. Wie schlimm wird es und wie viele Menschen werden betroffen sein? In jedem Fall kann es nur eine Konsequenz geben: Raus aus dieser Technologie und zwar weltweit! Atomkraft ist nicht sicher und sauber. Heute sehen wir, wie tödlich sie sein kann.
Was wir auch sehen, sind die Methoden der Öffentlichkeitsarbeit von AKW-Betreibern. Nichts, was nicht offensichtlich ist, wird nicht zugegeben. Erst heißt es, man bekomme alles unter Kontrolle, es tritt keine Strahlung aus. Dann soll Druck abgelassen werden. Ein „normaler Vorgang“, bei dem es zu geringfügiger Strahlenbelastung der Umgebung kommen könnte. Nun gibt es eine Explosion und die Messungen belegen, dass die Radioaktivität außerhalb des AKWs extrem angestiegen ist. Wir können momentan nur hoffen, dass es nicht noch schlimmer wird.
Angesichts der Ereignisse gerät unsere Fraktionsvorsitzendenkonferenz in Schwerin fast zur Nebensachen. Ich will aber trotzdem notieren, dass mich die FVK am Freitag als ihren dauernden Vertreter in den Parteivorstand delegiert hat.
Kommentare
Bisheriger Stand der Dinge
Mehrere AKWs wurden nach dem Erdbeben vollautomatisch abgeschaltet. Eine Million Haushalte sind deshalb ohne Strom. In zwei voneinander unabhängigen AKWs, Fukushima Daiichi und Fukushima Daini, die einige Kilometer auseinander liegen, kam es infolge des Erdbebens und des Tsunamis zu Problemen mit der Kühlung, da kein Strom für die Kühlpumpen mehr da war, auch könnte der Tsunami Kühlrohre verstopft haben. Nach der Abschaltung kühlen die Brennstäbe zwar ab, bleiben aber heiß, darum muß weiter gekühlt werden. Und um zu kühlen, braucht man eben laufende Pumpen, um das Wasser zu den Brennstäben zu befördern. Im Falle eines Stromausfalls sind Dieselmotoren vorgesehen, welche die Kühlpumpen betreiben. Die sind aber offenbar nicht angesprungen, vielleicht wegen dem Tsunami. Für diesen Fall betreibt man als nächste Reserve Kühlpumpen mit Batterien, wobei sich doofe Deutsche was in der Größe einer Autobatterie vorstellen. Keine Angst, die sind schon etwas größer und müssen stundenlang Strom liefern, um die Kühlpumpen am laufen zu halten. Irgendwann ist aber jede Batterie leer. Während dieser Zeit wird natürlich versucht, das normale Kühlsystem wieder in Gang zu kriegen.
Durch die mangelhafte Kühlung hat sich nun Druck im Brennstoffbehälter aufgebaut, das Wasser kocht und siedet. Um diesen Druck abzubauen, öffnet man notgedrungen Ventile und läßt etwas Dampf ab. Dieser Dampf ist schwach radioaktiv. Darum wurde um das eine AKW die Bevölkerung im Umkreis von drei Kilometern evakuiert, im anderen Fall im Umkreis von 10 km, wovon etwa 50.000 Leute betroffen waren. In diesem Stadium sind wir gerade. Ob und wieviel Dampf schon bei beiden betroffenen AKWs abgelassen wurde, das ist bisher nicht klar!
Wie geht es weiter? Entweder die Kühlpumpen kommen wieder voll in Gang, dann ist das Problem gelöst. Hat man dagegen keine Kühlung mehr, baut sich im Behälter erneut Druck auf, und wieder muß Dampf abgelassen werden. Jeder, der noch einen eigenen Kochtopf zu Hause hat, kann das selber testen, Wasser in den Topf, Deckel drauf, kochen. Immer wieder geht Dampf ab, das Wasser wird weniger. Genauso ist es im AKW. Die Frage ist dann, wie heiß sind die Brennstäbe noch, wenn das letzte Kühlwasser wann verdunstet ist? Das weiß keiner. Entweder sie sind nicht mehr so heiß oder sie schmelzen. Die Strahlung innerhalb des Reaktors würde natürlich stark zunehmen. Aber selbst in diesem schlimmsten Fall wäre die Strahlung nur innerhalb des Reaktors hinter meterdicken Betonmauern. Jeder Japaner weiß, daß man 1000 Erdbeben pro Jahr erwarten darf, man hat entsprechend gebaut, ein Vergleich mit einem sowjetischen Schlamperreaktor vom Typ Tschernobyl ist ein Witz!
Weder Sauber noch sicher
Liebe Physikerin, warum nur beruhigt mich der Kommentar nicht?
Im ZDF berichteten sie gerade, dass diese Reaktoren, um die es geht, gegen Erdbeben bis 8,5 abgesichert sind! Es war aber ein Erdbeben der Stärke 9!!! Damit hatte man in Japan nie gerechnet! Nie!!!
Alle AKW's in Deutschland sind nicht auf den Fall vorbereitet, der jetzt in Japan wohl doch eingetreten ist! Die Kernschmelze!
Das hat schon der Bundesumweltminister Töpfer (CDU) festgestellt und es ist klar, dass eine Vorsorge gegen Kernschmelze nicht nachgerüstet werden kann!
Da hilft nur Abschalten!
Ich würde mir sehr wünschen, dass das alles in Japan nicht passiert! Ich habe Freunde und Verwandte dort!
