8. Juni 2012 Volkhard Paczulla / 08.06.12 / OTZ

Für 2500 Wohnungen in Thüringen: Linke gründen Genossenschaft

Im Amtsblatt der EU fand sich die Mitteilung, dass die Treuhandliegenschaftsgesellschaft ihre Töchter TLG Wohnen und TLG Immobilien zu verhökern gedenkt. In europaweiter Ausschreibung. Erstgenannte GmbH hat noch 11 500 Wohnungen aus ehemaligem Volkseigentum, verstreut über ganz Ostdeutschland, in ihrem Bestand. Einzelverkäufe sind nicht vorgesehen.

Selbstverständlich stellte die Linke im Bundestag sofort den Antrag "Ausverkauf staatlichen Eigentums stoppen - keine Privatisierung der TLG-Wohnungen". Und selbstverständlich wurde der Antrag abgelehnt. Da kamen die Genossen auf eine andere Idee. Jetzt wollen sie mitbieten.

Ausschließlich dafür wurde die Genossenschaft "FairWohnen" aus der Taufe gehoben, die gerade i.G., also in Gründung ist. Thüringens Landtagsfraktionschef Bodo Ramelow fand die Lösung dermaßen gut, dass er spontan die geforderten zehn Mindestanteile a 51,13 Euro plus 105 Euro Eintrittsgeld hinblätterte. Aus Idealismus, wie er sagt. Denn er wohnt in keiner TLG-Behausung. Aber Ramelow war zehn Jahre lang Aufsichtsratschef der Erfurter Wohnungsbaugenossenschaft "Zukunft" mit 8000 Wohnungen und weiß: Das Genossenschaftsmodell funktioniert im Wohnungsmarkt ausgezeichnet. "Weil es den Interessen der Mieter folgt, die Miteigentümer sind, nicht den Renditeinteressen irgendwelcher Kapitalanleger", sagt der Linke-Politiker.

Das Projekt, für das sich seine Partei in der "Berliner Zeitung" feiern ließ mit der Feststellung, sie mache endlich mal was richtig Gutes, ist allerdings noch unsicher. Kann "FairWohnen" den Zuschlag erhalten und wenn, woher dann den Kaufpreis nehmen? Gemunkelt wird von einer mittleren dreistelligen Millionensumme, aber das sind zurzeit nur Mutmaßungen. "Kein Problem", sagt Ramelow. Noch gebe es Banken und auch Versicherungen, die per Gesetz verpflichtet sind, Gelder langfristig und sicher anzulegen. Die gäben dann schon Kredit. Entscheidend werde vielmehr sein, ob es gelingt, möglichst viele Mieter der TLG-Wohnungen zum raschen Eintritt in die Genossenschaft zu bewegen. Wenn ja, komme Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) an diesem Fakt bei der Zuschlagserteilung nur schwer vorbei.

"Das wird dann ein Politikum", glaubt auch Heidrun Sedlacik , im Landtag wohnungspolitische Sprecherin der Linke-Fraktion. Deshalb rührt sie kräftig die Werbetrommel für die Genossenschaft. Die Info-Veranstaltung am Mittwoch in Eisenach war nicht überlaufen. Kaum zehn Leute kamen, obwohl in Eisenach-Nord mit 800 Plattenbauwohnungen der größte Brocken des Thüringer TLG-Angebots steht. Weitere befinden sich in Erfurt, Gotha und Arnstadt. In Gera ist es nur ein Block mit fünf Eingängen in der Tivolistraße, es geht aber allein in Thüringen um 2500 Wohnungen. Die Linke setzt ihre ganze Organisationskraft ein, um bis Jahresende möglichst viele neue Genossenschaftler zu gewinnen. Man müsse dafür auch kein Parteimitglied sein oder werden, versichert Heidrun Sedlacik .


Ex-Volkseigentum nur komplett zu haben


  • Die Treuhand, sie lebt immer noch, verkauft ihre letzten 11 500 DDR-Mietwohnungen. Es gibt sie alle im Stück oder gar nicht.
  • Zu finden sind die Immobilien in 40 ostdeutschen Städten, darunter Erfurt, Eisenach, Gotha, Arnstadt und Gera.
  • Die von der Linken gegründete Genossenschaft will mitbieten, rechnet aber mit starker börsennotierter Privat-Konkurrenz.
  • Preise noch unbekannt.