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Wirrköpfe halten uns nicht auf

Ostthüringer Zeitung

OTZ-Gespräch mit Bodo Ramelow, PDS-Bundesvorstand, zu Parteitagen von PDS und WASG.

Fallen am Wochenende wichtige Entscheidungen? Es sieht so aus. Zum einen wählt meine Partei in Halle auf dem quasi letzten Parteitag der klassischen PDS einen neuen Bundesvorstand, für den auch ich wieder kandidiere Und auf dem Parteitag der WASG in Ludwigshafen wird entschieden, wie die Vereinigung zu einer neuen Linkspartei weitergehen soll. Kann die noch scheitern? Ginge es nach dem Willen einer Handvoll Trotzkisten aus Berlin, dann schon. Setzen sich Leute durch, die Revolution am liebsten mit drei R aussprechen, so muss die PDS reagieren. An diesem Wochenende entscheidet es sich, ob es das gemeinsame Projekt PDS-WASG weiter gibt. Klaus Ernst und seine Mitstreiter werden darum kämpfen. Doch sollten die Berliner SAV-Wirrköpfe mit ihren irrealen politischen Vorstellungen den Vorstand dominieren, dann ist die Vereinigung ernsthaft in Gefahr. Was auch eine Niederlage für Sie als Beauftragter für das Vorhaben wäre. Es bleibt beim Ziel, Ende 2007 den Gründungsparteitag einer neuen Partei einzuberufen. Und für dieses Ziel werde ich weiter arbeiten, da bin ich mir mit Oskar Lafontaine, Lothar Bisky und anderen einig. Davon können uns auch die Manöver einiger weniger nicht abhalten. Aber mit welcher Partei will sich dann die PDS vereinigen, falls die WASG doch ausschert? Ich gehe zwar nicht davon aus, dass diese Palastrevolution in Ludwigshafen Erfolg haben wird. Falls wider Erwarten doch, dann werden viele der inzwischen 11 000 Mitglieder abwandern. Die große Mehrheit hat sich bei einer Urabstimmung für das Zusammengehen mit der PDS ausgesprochen. Diese Haltung vertreten nach unseren Erkenntnissen auch die meisten neuen WASG-Mitglieder. Wir rechnen damit, das sie im Konfliktfall die WASG verlassen und mit ihnen ein neuer Parteibildungsprozess einsetzen wird. Den würden wir unterstützen, denn dieses gemeinsame linke, an Realpolitik orientierte Projekt darf nicht an einem Häuflein von Profilneurotikern scheitern. Die Autonomie-Aktivisten der WASG reden von zwölf Prozent bei einer Wahl. Auch irreal? Da muss ich nur Forsa-Chef Güllner zitieren, der das als Trickserei bezeichnet hat. Sein Institut hält höchstens zwei Prozent für erreichbar. Damit würde die WASG in der politischen Bedeutungslosigkeit verschwinden. Die meisten WASG-Mitglieder wissen das. Aber in der Politik muss eben leider auch mit Unvernunft gerechnet werden. Gespräch: R. Querengässer
Donnerstag, 27. April 2006
Schlüsselwörter: Presseartikel
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