Drei Fragen an Bodo Ramelow, Fraktionschef Die Linke Thüringen
LVZ, 22.01.2010, S.2
Dieter Wonka: Vor einiger Zeit erklärten Sie in dieser Zeitung, mittelfristig wird es in der Linken ohne Oskar Lafontaine gehen müssen. Fällt das nach dem jüngsten Krach leichter, weil, so Lothar Bisky, der Stalinismus durch die Hintertür zurückgekehrt sei?
Bodo Ramelow: Ich sehe nicht, dass der Stalinismus zurückgekehrt ist. Lothar Bisky hat das aus spontaner Verärgerung gesagt, aber er hat damit nicht Recht. Im Umgang mit Dietmar Bartsch ist ein Managementfehler gemacht worden. Hier haben Entscheidungsträger nicht ausreichend miteinander geredet. In dieser Mitverantwortung steht auch Lothar Bisky. Aber hier waren keine Stalinisten am Werk, hier gibt es keinen Gulag, hier werden keine Menschenrechte mit Füßen getreten.
Dieter Wonka: Sie und Bartsch sind jetzt in die Emigration gegangen und kommen wieder, wenn die älteren Linken-Männer wie Gregor Gysi und Lafontaine weg sind und wenn der Westen den Osten nicht mehr übernehmen will?
Bodo Ramelow: Schon die Frage ist kompletter Unsinn. Wir wollen die Vereinigung der Partei und keinen Beitritt, wie es ihn sonst überall bei der deutschen Einheit gegeben hat. Das schließt Übernahmen von vornherein aus. Ich bin erfolgreicher Fraktionschef und will mich stärker auf diese immer wichtiger werdende Entscheidungsebene konzentrieren. Ich setze auf eine intensive Zusammenarbeit mit Gysi und Lafontaine genau wie mit meinen Amtskollegen.
Dieter Wonka: Inhaltlich hat Lafontaine elf Programmpunkte angedeutet. Darf darüber noch diskutiert werden?
Bodo Ramelow: Eine Programmdebatte setzt die Debatte voraus. Ich stimme in allen Eckpunkten mit Lafontaine überein, nur bei der Frage der Modernisierung der öffentlichen Verwaltung unterscheiden wir uns. Wir brauchen ausreichend Beschäftigung für millionenfach ausgegrenzte Menschen bei uns. Die können aber nicht vorzugsweise über die Landesverwaltungen geschaffen werden. Bei sinkenden Bevölkerungszahlen in ostdeutschen Bundesländern kann man nicht gleichzeitig den öffentlichen Landesdienst ausbauen.
Interview: Dieter Wonka