Predigt zum Reformationstag
Bodo Ramelow
Predigt zum Reformationstag am 31. Oktober 2008 in der Auenkirche Berlin-Wilmersdorf
Predigt über den Brief an die Philipper 2, 12 – 13
„Gnade sei mit Euch und Frieden von dem, der da ist, der da war und der da kommen wird.“
Liebe Gemeinde,
der Predigttext für den heutigen Reformationstag steht im Philipperbrief im 2. Kapitel . Es sind die Verse 12 und 13.
Paulus schreibt seinen Brief aus dem Gefängnis. Vor ihm liegt ein Prozess und er hat möglicherweise die Todesstrafe zu erwarten. Doch es ist kein Brief der Verzagtheit oder der Angst, sondern es spricht eine ruhige Gelassenheit heraus, mit der er seine geliebte Gemeinde in Philippi tröstet und ermuntert.
Bodo Ramelow
Predigt zum Reformationstag am 31. Oktober 2008 in der Auenkirche Berlin-Wilmersdorf
Predigt über den Brief an die Philipper 2, 12 – 13
„Gnade sei mit Euch und Frieden von dem, der da ist, der da war und der da kommen wird.“
Liebe Gemeinde,
der Predigttext für den heutigen Reformationstag steht im Philipperbrief im 2. Kapitel . Es sind die Verse 12 und 13.
Paulus schreibt seinen Brief aus dem Gefängnis. Vor ihm liegt ein Prozess und er hat möglicherweise die Todesstrafe zu erwarten. Doch es ist kein Brief der Verzagtheit oder der Angst, sondern es spricht eine ruhige Gelassenheit heraus, mit der er seine geliebte Gemeinde in Philippi tröstet und ermuntert.
Hören wir zunächst einmal auf den Predigttext:
„Also meine Lieben, - wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein in meiner Gegenwart, sondern noch viel mehr in meiner Abwesenheit – schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern. Denn Gott ist’s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.“
Diesen Brief, in dem wir die eben gehörten beiden Verse stehen, hat der Apostel Paulus an die Gemeinde in Philippi geschrieben. Diese von ihm gegründete erste christliche Gemeinde auf europäischem Boden gehörte damals zu dem Land, das sich Mazedonien nannte, aber heute territorial zu Griechenland gehört.
Vor wenigen Wochen war ich mit einer Gruppe von 10 Bundestagsabgeordneten unter der Begleitung des evangelischen und des katholischen Prälaten auf einer sehr beeindruckenden Pilgerreise auf den Spuren von Paulus. Gemeinsam standen wir in der Grotte in Antiochien, in der Paulus gepredigt hat. Biblisch wird das Territorium Antiochien genannt. Heute ist es die Grenzregion zwischen der Türkei und Syrien. Von einem Kloster, in dem einer der berühmten Säulenheiligen gelebt und gewirkt hat, schaut man direkt auf eine martialische und wirklich sehr harte Grenze zwischen dem heutigen Staat Türkei und Syrien.
Wenn man aus dieser Grotte, in der Paulus gepredigt hat, ins weite Land hineinschaut, spürt man dass wir hier an der Wiege unseres Christentums stehen. Eine sehr bewegende Erfahrung.
Heute stehen sich die einzelnen Länder waffenstrotzend in Feindschaft einander gegenüber.
Die Wege, die Paulus noch gegangen ist zwischen seiner Geburtsstadt Tarsus und Jerusalem, könnte man heute zu Fuß nur unter extrem erschwerten Bedingungen durchschreiten.
Ich lade Sie nun ein, für einen Moment die Augen zu schließen und mich auf meinen Reisewegen der letzten Monate zu begleiten.
Paulus, mit jüdischem Namen Saulus, war ausgebildet als Rabbi und handwerklich als Zeltmacher. Er zählte sich zu der Pharisäerpartei, und war beauftragt die Anhänger von Jesus Christus zu verfolgen. Heute könnte man sagen: er war ein sehr gewissenhafter und fanatischer Funktionär seiner religiösen Partei. Er durchzog also diese Region, in der die römische Besatzungsmacht das ganze östliche Mittelmeer beherrschte. Rund um Jerusalem galt der jüdische Glauben quasi als Staatsreligion und war an die jüdische Abstammung gebunden. Saulus war sich seiner Aufgabe sicher, diese Abtrünnigen mit Recht zu verfolgen. Der Glaube musste rein und bewahrt bleiben. Dafür galt es zu kämpfen.
Doch dann kam alles ganz anders. Saulus Glaubensgewissheit, seine Selbstgewissheit wird erschüttert. Sein ganzer bisheriger Glaube, ja sein ganzes Leben wird von Grund auf in Frage gestellt. Dies geschieht nicht durch eine willentliche Entscheidung, sondern es trifft ihn wie ein Blitzschlag. Es wirft ihn zu Boden. Ganz unten liegt er und es ist der, dessen Anhänger und Anhängerinnen er verfolgt. Es ist Christus selbst, der ihn in dieses neue veränderte Leben ruft.
Wie viel Furcht und Zittern muss Saulus empfunden haben, als er auf diese Weise vom Saulus zum Paulus vor den Toren vor Damaskus wurde? Und wie viel Mut muss er und die Anhänger von unserem Herrn Jesus Christus gehabt haben, um sich gegen die doppelte Doktrin, gegen diese doppelte Macht aufzulehnen? Einmal gegen ihre eigene jüdische Abstammungsreligion und deren Vertreter und dann gegen den fremd bestimmenden Machtapparat der römischen Besatzung.
Wenn Paulus also vor knapp 2000 Jahren an seine Gemeinde in Philippi schreibt, und seinen Gemeindegliedern den Wunsch übermittelt, dass sie selig werden mögen und hinzufügt mit „Furcht und Zittern, weil Gott selber es ist, der in Euch als Gläubige beides bewirkt, das Wollen und das Vollbringen nach seinem Wohlgefallen!“, dann weist Paulus mit einer solchen Formulierung darauf hin, dass es außerhalb der territorialen oder nationalen Macht eine höhere, eine weitaus weisere Macht gibt, der man sich als gläubiger Mensch mit Freude unterordnen kann. Es ist aber keine Friede –Freude- Eierkuchen- Freude, sondern diese Hinwendung zu dieser höheren Macht, zu Jesus Christus, steht im Spannungsfeld zur realen Macht und ist immer mit Furcht und Zittern verbunden.
Paulus fordert aber nicht, dass wir bzw. seine Gemeinde im Fürchten und Zittern verharren möge, sondern er weist den Weg, der zum Seligwerden führt. Es ist ein Weg, der uns immer wieder zwingt, Realitäten, Autoritäten, reale Macht und Machtgefüge zu bedenken und sich angesichts dieser Realitäten trotzdem nicht beirren zu lassen. Wir hören wie Paulus seiner Gemeinde in Philippi dankt, dass sie allezeit gehorsam gewesen sind, auch in seiner Abwesenheit und spüren dass es sie damit ermuntert und bestärkt, weiterhin als Gemeinde gegenüber den Anfeindungen von außen tapfer und furchtlos zu sein. Dieses Mutigsein, dieses Tapfersein bewegt sich in dem Spannungsbogen zwischen einerseits einem autoritär verordnetem Glauben, der aber die bestehende Macht unangetastet lassen sollte und einem freien und mutigem Bekenntnis zu dem Glauben an Jesus Christus, der wiederum bedrohlich für die Machtinhaber wirkte, da er ihre Positionen ins Wanken brachte und sie einen Machtverlust befürchteten.
Die Priester und Pharisäer der damaligen Zeit hatten sich mit der Macht arrangiert und letztendlich auch die Verurteilung und Ermordung von Jesus Christus durch den römischen Machtapparat erzwungen. Deshalb war es so bedrohlich in ihren Augen, dass das Mitglied des ehemaligen Machtapparats, nämlich der eifrige Pharisäer Saulus/Paulus, durch sein einschneidendes Erlebnis mittlerweile auf der anderen Seite stand und sogar zum wichtigsten Missionar des neuentstehenden, des christlichen Glaubens wurde.
Radikale, plötzliche Wendepunkte in einem Leben, die zu einer völligen Veränderung dessen führen, was man als absolut setzte, gelten deshalb bis heute als Damaskuserlebnisse.
Auch der Reformator Martin Luther, an den wir am heutigen Reformationstag denken, hat auf einer anderen Ebene ein solches Erlebnis gehabt. Er hat zwar mit Furcht und Zittern nach einem gnädigen Gott gesucht, und dabei gespürt, das alles, was er auch dafür tut, nicht zu seinem Seelenheil führt. Auch hier war es eine sehr plötzlich Erkenntnis, die er aus der Heiligen Schrift erlangte: Gnade erlange ich, allein durch Glaube. Gottes Wort hat ihn also direkt angesprochen und in seiner ganzen Existenz gewendet. Es hat seinen Glauben und auch sein ganzes bisheriges Leben radikal verändert.
Ich persönlich bin in einer sehr christlich geprägten Familie aufgewachsen. In der Kirche, in der ich konfirmiert worden bin, geben die Grabsteine Zeugnis meiner Familie. Die Vorfahren waren immer in der Gemeinde in Rheinhessen die Ortspfarrer, und mein wohl bekanntester Vorfahre ist Johann Wilhelm Fresenius, der als Stadtpfarrer von Frankfurt-Main, Goethes Eltern getraut und Goethe getauft hat. Dieser Johann Wilhelm Fresenius war ein glühender Lutheraner, und der von ihm mitgeprägte Katechismus wurde wohl noch Anfang des letzten Jahrhunderts in den nordischen Kirchen ge- und benutzt.
Mit dieser Selbstverständlichkeit bin ich aufgewachsen und mein Glaubensbekenntnis sowie meine Lebensorientierung waren immer durch die Wertvorstellung meiner Mutter geprägt. Glauben leben, aber niemanden aufzwingen! Für sich selber die Orientierung immer wieder neu erarbeiten und Verantwortung für den Nächsten zu übernehmen!
Ordne ich mein Leben in die Entstehungsgeschichte unseres Glaubens ein und lese die Verse des heutigen Predigttextes, kann ich sagen, ich habe zwar kein Damaskuserlebnis gehabt da ich eher in den Glauben hinein gewachsen bin. Auch musste ich noch nicht mit Furcht und Zittern meinen Glauben verteidigen. Und ich denke, so geht das auch den meisten von Ihnen. Doch Furcht und Zittern, auch im Glauben oder trotz Glauben habe auch ich schon erlebt. Und auch Sie werden das kennen. Denn das kann einen doch erfassen, wenn plötzlich all das, was man bisher als sicher und unstrittig erlebt hat, was man doch sich so zuverlässig aufgebaut hat, ins Wanken gerät.
Da stirbt ein lieber Mensch plötzlich und unerwartet. Warum? Da wird ein Angehöriger lebensbedrohlich krank. Warum? Da verliert man seine Arbeit und ist doch schon zu alt, um je eine neue zu finden. Warum?
Da kann man schon das Fürchten und Zittern bekommen. Dennoch, Furcht und Zittern wegen meines Glaubens musste ich Gott sei Dank noch nicht haben, sondern ich konnte mich bereits als junger Mensch engagieren in der Friedensbewegung und in der Gewerkschaftsbewegung.
Meine Orientierung aus meinem Glauben prägte sehr mein Engagement für Tarifverträge, aber auch gegen das, was ich den Rüstungswahn, und zwar den globalen Rüstungswahn nenne.
Wir sind hier in Berlin in einer Kirche versammelt, die im westlichen Teil unsere Hauptstadt liegt. Hier musste auch keiner, selbst in den härtesten Zeiten der Blockade, wegen seines Glaubens sich fürchten und zittern vor der Staatsmacht, aber wir wissen, dass im Ostteil in dieser einst geteilten Stadt, also im staatssozialistischen Machtbereich, unsere Glaubensschwestern und Brüder sich durchaus fürchten und zittern mussten Denn auch da war, wie 2000 Jahre zuvor, der Staatsglauben mutiert, um einen Machtapparat unangefochten erscheinen zu lassen.
Ich selber habe im Bonner Hofgarten 1982 als 26-jähriger den Propst Heino Falke aus Erfurt kennen gelernt, der für die Friedensbewegung der DDR sein Transparent mit der Aufschrift „Schwerter zu Pflugscharen“ mit großer Würde getragen hat. Ich weiß nicht, ob ihn nicht auch manchmal Furcht und Zittern überkommen ist, aber er hat mutig zu seiner Überzeugung gestanden. Massenweise Stasispitzel wurden gegen ihn eingesetzt und Hunderte von Stasiakten hat er für seinen Mut bekommen. Ein solcher Staatsapparat musste untergehen, und das ist wirklich gut so.
Damals gab es aber auch in der Friedensbewegung in Westdeutschland den Streit, ob es gute oder schlechte Raketen, gute oder schlechte Bomben gibt. Aber diese Unterscheidung gibt es nicht. Rüstung und Bomben töten immer!
Liebe Gemeinde,
meine Überzeugung war und ist geprägt von der Erkenntnis, dass Rüstung Lebenschancen auch im Frieden zerstört. Warum sollte man nicht davon träumen dürfen, dass Staatshaushalte so aufgestellt werden, dass für jedes Rüstungsgeld genauso viel Friedens-/Konversionsgeld verpflichtend eingeplant werden muss. Kehren wir noch einmal zurück in die Zeit des Kalten Krieges und der System Konfrontation.
Wer in der DDR im Glauben fest sein wollte, lernte sehr schnell, Furcht und Zittern kennen.
Der Pfarrer Oskar Brüsewitz hat in seiner Verzweiflung am 18. August 1976 in der Kreisstadt Zeitz im Bezirk Halle in der DDR seinen Funkspruch an alle, die Anklage gegen den Kommunismus auf seinem Plakat getragen und aus Protest gegen den Machtapparat sich selbst verbrannt. Bei allem Respekt vor einer solchen Verzweiflungstat bleibt die quälende Frage für uns, ob der selbst gewählte Tod als Zeichen für unseren Glauben überhaupt ein zulässiger Weg ist.
Ich glaube eher, und nun komme ich noch einmal zu Paulus zurück, dass es in seinem Sinne ist, und er drückt es ja in aller Deutlichkeit aus: dass der Weg der Christenheit unter solchen machtpolitischen bedrohlichen Konstellationen durchaus mit Furcht und Zittern verbunden ist Hiergegen ein Zeichen zu setzen, ist das Zeichen durch unseren Glauben und mit unserem Glauben.
Wenn ich Sie noch einmal einladen darf zu der Grotte in Antiochien.
Heute hat man an dieser Stelle einen weiten Blick nicht mehr über ein christliches Land, sondern über ein muslimisch geprägtes Land. Die Spuren der Christenheit, die an genau dieser Stelle entstanden ist, sind zumindest als sichtbare Zeichen fast untergegangen. Gleichwohl bemühen sich unser Mitbrüdern und Schwestern im abrahamitischen Sinne, nämlich die Aleviten in dieser Region, um eine Akzeptanz ihrer Glaubensrichtung durch ihre Staatsmacht. Und hier leben die letzten Aramäer, die bis heute in der Sprache von Jesus Christus sprechen. Sie haben in dieser Region ihr letztes Siedlungsgebiet, in dem überhaupt noch aramäisch als gelebte Sprache von urchristlichen Gemeinden gesprochen wird. Die Aramäer, die kaldeischen Christen, deren Liturgie im Gottesdienst das Aramäische ist, aber auch die Armenier und muslimischen Aleviten müssen im Sinne von Paulus mit Furcht und Zittern dafür eintreten, ihren Glauben leben zu können und sie müssen der Staatsmacht das Recht abringen, ihren Glauben auch zeigen zu dürfen.
Deshalb war es auch wichtig, auf der Pilgerreise unserer Bundestagsdelegation im türkischen Parlament den Dialog darüber zu führen, dass wir in Deutschland in aller Öffentlichkeit über Religionsfragen auch streitig debattieren und nahezu jeder Bau einer neuen Moschee einhergeht mit einer heftigen Debatte. Aber die Debatte um die Einführung auch eines muslimischen Religionsunterrichts führt zu heftigen Reaktionen. Unabhängig, wie man zu der jeweiligen Angelegenheit steht, ist es aber eine Bereicherung unseres Lebens, dass wir über Religion und Religionsausübung öffentlich und streitig uns auseinandersetzen können. Dies ist ein Zeichen staatlicher Souveränität und deshalb habe ich mir erlaubt, in sehr deutlichen Worten in Ankara den Hinweis an die türkischen Parlamentarier zu geben, dass jede Diskussion über Moscheen in Deutschland eine Bereicherung unserer religiösen Bekenntnisse sind und wir als Christen deshalb umgekehrt erwarten müssen, dass auch im türkischen Staat darüber debattiert wird, dass die unterschiedlichen Glaubensbekenntnisse gelebt werden können und dürfen.
Wir als Christen erwarten, dass wir in Tarsus, am Geburtsort unseres Apostel Paulus in der dortigen Kirche (und nicht in einem Museum) beten dürfen. Es beschleicht mich schon ein seltsames Gefühl, wenn ich als Christ von staatlichen Stellen mit einer Videokamera dabei gefilmt werde, wie ich in Tarsus mein Glaubensbekenntnis ablege. Auf soviel staatliche Fürsorge kann ich herzlich verzichten.
Ich möchte uns deshalb am Reformationstag dazu einladen, darüber nachzudenken, was uns heute Martin Luther raten würde, um in unserem Glauben fest, aber in der Glaubensausübung auch tolerant zu sein. Martin Luther war ja nicht frei von Ressentiments gegenüber den Juden.
Aber was wäre der weise Fingerzeig für uns heute?
Bestimmt wäre es Klarheit und Toleranz, die wir uns wünschen, ja, die wir einfordern müssen, damit wir uns gemeinsam im Glauben und in der Vielfalt aushalten können.
Diese Toleranz müssen aber auch Christen untereinander aufbringen. Protestanten, Katholiken, Orthodoxe, Freikirchler, keiner hat die absolute Wahrheit für sich gepachtet. Wir alle stehen unter den Worten der Heiligen Schrift, die wir auch im Brief des Paulus finden. Und diese Worte gelten für uns alle, bis heute, selbst wenn sie noch so unmodern und beschwerlich in unseren Ohren klingen.
Wir sollten aber den weiteren Vers nicht aus dem Blick verlieren: Denn Gott ist’s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.“
Und dieser Vers ist doch eine wunderbarer Zuspruch für unseren Weg und unseren Glauben.
Und aus dieser Gewissheit heraus, können wir gestärkt und ohne Furcht und Zittern fordern, dass jeder Mensch auf dieser Erde das Recht haben muss, seinen Glauben leben zu können!
Wo dieses Recht nicht praktiziert wird, muss unser Protest hörbar sein! Werden wir wieder zu richtigen Protestanten für Frieden und Toleranz.
Liebe Gemeinde,
auf eines möchte ich am heutigen Reformationstag ganz besonders hinweisen: Die Luther-Dekade hat begonnen und ich freue mich darauf, dass wir als evangelische Christen die nächsten 10 Jahre nutzen dürfen und sollen, um über unseren Glauben, über die Reformation, aber auch über unsere Perspektiven als Christen zu debattieren. Meine Hoffnung ist, dass wir die Anstöße von Martin Luther nicht als trennend zu anderen christlichen und zu den anderen abrahamitischen Religionen begreifen, sondern dass wir die Wurzeln unseres Glaubens aus Antiochien, aus Jerusalem, aus Damaskus aufnehmen und in die heutige Zeit übertragen.
Zusammen Glauben leben zu können, ist eine Stärkung des menschlichen Gemeinwesens.
Und meine Erfahrung sagt mir, wenn Glauben zur Staatsdoktrin erhoben wird, wenn Glauben und Macht sich zur gläubigen Machtanbetung deformiert, wird es gefährlich, ja tödlich für Menschen. Ideologien, gleich welcher Art, die über den Glauben gestellt werden und keine kritische Korrektur mehr zulassen, werden gefährlich für uns Menschen und unser Zusammenleben in dieser Welt.
Fühlen Sie sich also mit Paulus eingeladen, über eine 2000-jährige Entwicklung unseres Glaubens nachzudenken und gemeinsam Lebens -und Glaubensperspektiven in unserer und für unsere heutige Zeit weiterzuentwickeln. Der Blick auf die aktuellen Ereignisse in unserer Welt, führt uns doch tagtäglich vor Augen wie die gewohnten, selbst geschaffenen Sicherheiten wie Kartenhäuser einstürzen. Wie wichtig ist es da, nicht in der Isolation zu verzagen, sondern sich gemeinsam hoffnungsfroh auf den Weg zu machen.
In diesem Sinne möchte ich mit einem kurzen irischen Segenswort enden:
Dein Lächeln sei für den, der friert, der beste Mantel aus Lammfell!
Deshalb lassen Sie uns hingehen und mit unserem Lächeln signalisieren, dass wir trotz mancher Furcht und manchem Zittern unter Gottes Schutz und Begleitung stehen und deshalb auch für andere Menschen, die uns brauchen, eintreten können.
Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft bewahre unser Herz und Sinn in Christus Jesus .
Amen.